Lateinische Sprache.
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hinauf. Dabei vergesse man jedoch nicht, daß die Sprache nicht einem Mechanismus,sondern einem organischen Wesen zu vergleichen und demgemäß zu behandeln ist. Einorganisches Wesen enthält schon im Keime die Glieder alle, die sich an ihm entwickelnsollen. Auch der lateinische Elementarunterricht muß gleich von Anfang an auf allesachten, was ihm wesentlich iuwohnt, alle oben augcdeuteten Glieder naturgemäß zuentfalten suchen, keines derselben vernachlässigen, oder, um ein'anderes Bild zu ge-brauchen, er muß sich in conccntrischen Kreisen erweitern.
Nach diesen Grundsätzen wird sich etwa folgender Gang des Unterrichts ergeben:
Die Unterscheidung der wichtigsten Wortarten und ihrer Formverändcrnngcn imDeutschen bringen die Anfänger ans ihrer Elementarschule mit. Den Unterricht imLateinischen beginnt der Lehrer damit, daß er einige lateinische Substantive der erstenDeclination nebst der deutschen Uebersetzung den Schülern vorspricht und an der Tafelverschreibt, die sie nachzusprcchcn und nachzuschrciben haben. Sofort wird cs sichempfehlen, das ganze Declinationsschcma vorznnehmen, also auch die andern Casusdes Singulars und Plurals zu bilden und sprechend und schreibend ebenso zu behan-deln, sogleich aber Stamm und Endung unterscheiden und dem ersten Beispiel nachandere Wörter ebenso dcclinircn zu lassen, zuerst mündlich, dann schriftlich. Bestän-diger Gebrauch von Kreide und Wandtafel ist dabei unentbehrlich.
Es wird aber mit dem Substantiv, nicht mit dem Verbum begonnen, weil dieFormen desselben einfacher sind, als die des Verbum. Aber freilich muß der Lehrereinzelne Verbalformcn sehr bald hinzunehmen, um Sätze bilden zu können. Diemenschliche Rede besteht nun einmal aus Sätzen, also müßcn auch dem Anfänger so-gleich Sätze dargcboten werden, damit ihm die Sprache nicht als etwas todtcs cnt-gegentrcte, sondern als etwas lebendiges. Man giebt ihm die dritte Person sinZ-. unddann xlnr. von einem Verbum der ersten Konjugation im prass., dann auch im psrk.nnd tut., bald auch von einem der zweiten. So lernt er Sätze verstehen wie stsUainient, ntancka onntnt, dann den plnr. sksllas mieant, bald auch stsUns knIZ-snk.Solche Sätzchen übersetzt er zuerst aus dem Lateinischen ins Deutsckc, dann aber baldauch aus dem Deutschen ins Lateinische, Die letztere Ucbung ist dem Anfänger freilichschwerer als die crsterc; wenn man sie aber mündlich oft genug wiederholt, so gelingt sieauch schriftlich und befestigt dann das Wissen durch eine höhere Stufe des Könnens. —Neben dem Obigen empfiehlt sich noch eine Modification, welche darin besteht, daß manvom Verbum sogleich das ganze prass. inck. not. der ersten Conjugation cinführt; mangewinnt dadurch namentlich, daß die verfügbaren Sähe mannigfaltiger werden.
Um eine reichere Auswahl von Sätzen zu haben, wird es gut sein, schon vonhier aus auch die zweite Dcclination dazu zu nehmen. Man vergleicht die Endungenmit denen der ersten und übt sie auch an den Adjcctiven ans ns und sr. Sofortlehrt man Substantive der ersten und zweiten Dcclination mit attributiven Adjectivcnverbinden und zeigt dabei, wie die Congrncnzregel keineswegs den Sinn hat, daß dieEndungen der zusammengehörigen Substantive und Adjective nothwendig gleichlautendsein müßcn. Auf Beispiele maso. sssn. mit der Endung a wie agnioola sscknius mußder Schüler namentlich aufmerksam gemacht werden, weil ihm dadurch einleuchtendwird, daß die Endung des Adjectivs durch das Genus des betreffenden Substantivs,nicht durch die Endung desselben bedingt ist. Mit der Erlernung der Dcclinationenmuß schon auch die der wichtigsten Gennsregeln verbunden werden, freilich eben nurder wichtigsten; es wird ja hierin viel Unfug getrieben. Die Elemcntargrammatikenenthalten fast alle eine Menge unnöthiger Regeln und lassen die armen Anfänger nurzu viele Wörter lernen, die ihnen in der nachherigcn Praxis niemals Vorkommen. Diegrößte Verlockung dazu enthielten Bücher wie der Orbis pictus, nach welchen dieKnaben die lateinischen Namen für allerlei Küchcngeschirr u. dgl. lernen mußten. Läßtman die Genusregeln zur Unterstützung des Gedächtnisses in Versform lernen, so seienjene ungewöhnlichen Substantive auch aus den Versen ausgemerzt.
Vom attributiven Gebrauch des Adjectivs ist der Uebergang leicht zu machen zumprädicativcn, indem man von dem Verbum ssss die Formen sst und sunt, späterauch perl. und knk. hinznnimmt; die syntaktische Regel, daß das Prädicat sich nachdem Genus des Subjects richtet, wird begreiflicher, wenn man Anfangs auch imDeutschen sagt: die Traube ist eine reife re.