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1 (1877) A - Liebe
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Kunst.

durch den Gebrauch guter Bilder beim Unterricht in der Geschichte, namentlich derbiblischen, und in der Geographie und Naturgeschichte auch die Bildung des Geschmacksbefördert werden, wozu überall ein zweckmäßig ausgcwählter Bilderschmuck an denWänden des Schulzimmcrs Mitwirken sollte. Diesem Zwecke direct zu dienen, ist dieAufgabe des Zeichenunterrichtes, der aber als allgemeiner Unterrichtsgegenstand auchnur das sich zum Ziele setzen darf, was von allen erreickt werden kann. Es mußalso besonders darauf geachtet werden, daß nur bescheidene Leistungen den: Schüler zu-gcmuthct werden, diese aber mit möglichster Vollkommenheit und Sauberkeit zu Standekommen, damit das Kind an seiner Arbeit und an seinem allmählichen Fortschritt selbstseine Freude haben kann. Dazu ist aber vor allem ein selbst methodisch tüchtig ge-schulter Zeichenlehrer erforderlich; denn cs ist ein großer Jrrthum, zu glauben, daßder, welcher selbst zeichnen kann, auch nothwendig im Zeichnen müße Unterricht gebenkönnen, und dieser Jrrthum hat zur Folge, daß oft die tüchtigsten Künstler, währendsie mit wenigen besonders talentvollen Schülern noch allein vorangeheu, Geschmack undInteresse der übrigen in Sudeleien und der daraus nothwendig entstehenden Unlust ver-kommen lassen. Achnliches tritt bei dem häuslichen Musikunterricht nicht^minderhäufig ein. Dem Schulunterrichte in der Musik dagegen werden zwei andere Klippengefährlich, einmal die Versuchung, das Gute gegen das Neue zurückzustclleu, und danndie, in übergroßem Eifer an zu Schweres sich zu wagen. Beide Klippen werden ver-mieden werden, wenn der Lehrer inmitten der Grenze sich hält, welche der Choral aufder einen und das Volkslied auf der andern Seite bezeichnet. Viel zweckmäßiger, alsdas schulmeisterliche Bestreben, das Volkslied als etwas absolut Gemeines aus derauf-geklärten" Jugend zu verbannen, ist es, dasselbe auf sinnvolle Weise in Pflege zunehmen und zu veredeln, indem man seinen meist vortrefflichen Melodiecn passendenur auch wirklich poetische Texte unterlegt, wozu ja auch bereits ein dankcnswertherAnfang gemacht'ist. Innerhalb der angedcuteten Grenze bewegen sich denn auch zahl-reiche, für Jugend und Schule vollkommen geeignete Kompositionen von unseren aus-gezeichnetsten Meistern, wie Haydn, Mozart, Beethoven, C. M. von Weber, Kreutzer,Schubert, Mendelssohn, Silcher, so daß der Lehrer sich niemals in die Nothwcndigkeitversetzt finden kann, auch nur zum Mittelguten seine Zuflucht zu nehmen.

Am bequemsten bieten natürlich die Producte der Poesie als Mittel für dieästhetische Erziehung sich dar, wie sie denn auch in einem einigermaßen ausgebildctenUnterricht jederzeit eine weniger oder mehr bedeutende Stelle gefunden haben. Freilichwurde dabei früher eine ästhetische Wirkung von Seiten der Erzieher nicht geradebeabsichtigt, sondern es wurden andere Zwecke verfolgt, neben welchen cs der Kunstüberlassen blieb, ihren Einfluß als solche durch sich selbst auf empfängliche Gemütherunmittelbar geltend zu machen. Es ist merkwürdig, daß die auf das Geiammtgcbictder Pädagogik sich richtende Reflexion der an sich höchst unpoetischen pädagogischenNeuerer aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts doch auch der Erkenntnis sichnicht verschließen konnte, daß der Poesie eine Stelle im Unterrichte gebühre, wenn sieauch sofort zu einer Dienerin der Moral erniedrigt wurde. Die aus dieser RichtunghcrvorgegangcnenLehren der Weisheit und Tugend" (1. Ausl., Leipzig 1792; 23. Ausl.,Leipzig 1858) des Hessen-Darmstädtischen Kirchenraths Wagner können als die erstefür Schulzwcckc verfaßte Gedichtsammlung eine epochemachende Stellung in der Ge-schichte der pädagogischen Verwcrthung der Poesie beanspruchen. Es tritt aber in diesemBuche auch die ganze Einseitigkeit der angegebenen Auffassung charakteristisch hervor.Das Ganze ist nach den verschiedenen Tugenden und den entgegeustehendcn Untugendeneingethcilt und unter diese Rubriken sind dann die bezüglichen Gedichte zusammen-gestellt, ganz wie die Lieder des exemplarisch schlechten Darmstädter Gesangbuchs, beidessen Redaction z. B. gelegentlich auch fürdas christliche Verhalten gegen die Bäume"ein Lied eigens verfaßt worden ist. Wiederum ist es charakteristisch für den seithererfolgten Umschwung zum Besseren, daß jenes Buch neuerdings unter den Händen desum die deutsche Literatur verdienten Sohnes des Verfassers eine ganz andere Gestalthat annehmen müßen, um sich noch im Kurse zu halten. Der Poesie ist jetzt gestattetworden, als Kunst zu wirken, was freilich auch in so vollem Maße erst möglich ge-worden ist nach dem Erscheinen der Göthe'schen, Schillcr'schen, Uhland'schen u. a. Balla-den und nach dem Aufschwünge, den das vaterländische Lied seit der Zeit der Befreiungs-