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1 (1877) A - Liebe
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Kunst.

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bezeichnet den evangelischen Standpunct gegenüber dem einseitig gesetzlichen; der Adel,welchen die Schönheit der gereiften Wissenschaft mittheilcn soll, fällt vielfältig mit derreligiösen Weihe zusammen, und selbst seine Sehnsucht nachden Göttern Griechen-lands" war im Grunde eine Sehnsucht nach dem lebendigen Gott des Christcnthums,welchen er in dem seine Zeit beherrschenden Gottesbegriff des abstractcn Deismusnicht fand.

Soll nun aber die Kunst einen solchen pädagogischen Einfluß ausübcn, so mußman diesen ihr nicht dadurch verkümmern, daß man sic zu einem Erziehungsmittelim schlechten Sinne, etwa zu einer bloßen Dienerin der Moral, erniedrigt. Man mußjenen Einfluß nur bei wirklichen Kunstwerken suchen und diese auch als solchewirken lassen, nicht dadurch, daß man das Hauptgewicht auf die verständige Erläu-terung von Nebendingen und auf die Anleitung der Schüler zu rcflcctircnder Kritikrichtet, das schöne Ganze zerpflücken und seinen Totaleindruck stören, sondern indem derLehrer das von ihm selbst empfundene Kunstwerk vor den Schülern reproducirt, mußer auch diese unmittelbar zum lebendigen Empfinden und Reproduciren desselben an-leiten. Und um die richtige Auswahl zu treffen und die richtige Behandlung zu finden,ist freilich vor allem nöthig, daß der Lehrer selbst einen reinen, kräftigen und gebildetenästhetischen Sinn besitze.

Gehen wir nnn von diesen allgemeineren Bemerkungen zur Frage nach derpädagogischen Verwendung der einzelnen Künste über, so muß der Er-zieher vor allem darüber sich klar werden, daß, wenn es sich um die Kunst als einenGegenstand des gemeinsamen Schulunterrichtes handelt, nicht die Rede sein kann vonAnleitung der Schüler zu kiinstlcrischcr Production denn diese setzt eine individuelleBegabung voraus, sondern daß nur das lebendige Verständnis und die frische Re-production vorhandener Kunstwerke das Ziel sein kann. Zu einem allgemeinen Untcr-richtsgegcnstande eignen sich aber die einzelnen Künste um so mehr, je weniger sie anein mit physischer Kraft zu bewältigendes und räumlich begrenztes Material gebundensind: am wenigsten also die Architektur und nächst ihr die Lxmlptur, mehr schon dieMalerei und die Zcichenkunst, noch mehr die Musik und am meisten die Poesie. Wennnun auch Architektur und Sculptur ein eigentlicher Gegenstand des Schulunter-richtes nicht werden können, so wird sich doch leicht in jeder Stadt Gelegenheit bieten,auch an den Schöpfungen dieser Künste den L>iun für das Schöne und die Fähigkeit,es von dem Unschönen zu unterscheiden,'auSzubildcn. Ja auch der Dorfjugend wirdsich an dieser oder jener alten Kirche, an dem mit Epheu umranktcn Burgthurm, audem stattlichen Bauernhause, welches sein solides Holzwerk in entsprechender Malereiehrlich hervortreten läßt und mit sinnigem Schnitzwcrk und guten Sprüchen geziert ist,das Verständnis dafür bcibringen lassen, daß dies alles weit schöner ist, als die regel-mäßigen und mit dem reinen Weiß einer von jeder Berührung mit der Kunst unbe-fleckten Unschuld prangenden Bauwerke derNeuzeit", das neueHotel" des Dorfes,das unter den Händen deS Wcißbinders den täuschenden Schein eines Steinbaucs an-genommen hat, und jene neuen Kirchen oder vielmehr Bethäuser, auf welchen am Endegar ein »Deo« oder »^.u 86i§neur« stehen muß, zur Warnung des Fremden von Distinction,damit dieser sie nicht für eine bedeckte Reitbahn oder für einen Gasthof halte. Vonden Werken der Malerei und Zcichenkunst kann das Kind in Haus und schuleeine unmittelbare Anschauung erhalten. Dort ist darauf zu sehen, daß was das Hauskünstlerisch schmücken soll, auch wirklichen Kunstwerth habe, damit nicht dasvor dasAuge gestellte" Unschöne und Absurde dasmagische Recht", welches cs besitzt, in einerder Geschmacksbildung verderblichen Weise auf die Heranwachsende Jugend ausübe.Namentlich durch die Vervollkommnung des Holzschnittes ist es jetzt auch wenig be-mittelten Familien leicht gemacht, diese Forderung zu erfüllen. Auch mit Bilderbögenund Bilderbückcrn sind unsere Kinder weit besser daran, als wir selbst es noch vorvierzig Jahren waren; und zwar sind die ungcmalten den gemalten entschieden vor-zuziehen, weil der fehlende Farbcnreiz den Sinn für die reine Form schärft und zugleichder Phantasie einen freieren Spielraum gewährt. Ganz besonders aber sollte man mitBenutzung des Carikirten vorsichtiger sein, indem dabei nur zu leicht der Hang zumGemeinen eine gefährliche Nahrung erhält und der Reiz des Possenhaften die Ent-wicklung eines ernsten Sinnes für das Schöne beeinträchtigt. In der Schule wird