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Krankheiten.
er, so groß auch sein Verdacht sein mag, doch seine Entscheidung aussetzen, bis vonHause Erkundigung eingezogen ist. Zu Gunsten dieser humanen Behandlung ist na-.meittlich geltend zu machen, daß eine Straft für eine wegen Krankheit entstandeneUebertretung gerade ein krankhaft gereiztes Gcmüth doppelt empfindlich verletzt. Ver-mutbet der Lehrer dagegen eine Krankheit, so wird er das Kind befragen,und wenn eine bejahende Antwort oder statt derselben ein ^strom von Thränen oderSchluchzen kommt, den Patienten am besten nach Hause entlassen. Bei plötzlichenAnfällen von Ucbelsein, Schwindel, Ohnmacht u. dcrgl. lasse der Lehrer sogleich Halsund Brust von anliegenden Kleidern befreien, das Gesicht im Zimmer oder auf derHausflur gegen die frische Luft halten und bei längerer Ohnmacht mit kaltem Wasserbesprengen.
Wichtiger als diese äußerlichen Regeln sind die Grundsätze für die Abänderungder allgemeinen Erziehung, wenn der Zögling durch Krankheit und ihre Folgenin einen abnormen Zustand versetzt ist. Die erste Bedingung, wenn mit Fug an derhergebrachten Disciplin geändert werden soll, ist ein solches Uebelbefindcn, daß seineConsequenzen mit den hergebrachten Anforderungen der Erziehung in Widerspruchtreten und man nur die Wahl hat, entweder ein dem Verhalten des Kranken nichtangemessenes, bloß unbilliges, am Ende das Nebel steigerndes Gebot oder Verbot auf-recht zu halten, oder von demselben abzugehcn. Hiebei stellt die unendliche Mannig-faltigkeit der vorkommenden Fälle zugleich die Ausgabe, allgemeine und daher allgemeinanwendbare Gesichtspunkte zu suchen. Die abnormen Bedürfnisse und das abnormeBetragen des Kindes sind einmal abhängig von der Art und dem Grade der Krankheit,worüber der Arzt Belehrung crtheilen kann; sodann vom Alter des Kindes, indem imallgemeinen das Kind um so ungebärdiger wird, je jüngor es ist; sodann ist vom aller-größten Einfluß die frühere Erziehung und bei längeren Leiden das Benehmen derPflegenden während der Krankheit selbst. Die Aerztc kennen genau ihre Familien, wodie an Befriedigung ihrer Launen und Regellosigkeit gewöhnten Kinder ihre Kraukheits-zeit sich selbst und ihrer Umgebung zur Qual machen, und anderntheils solche, derenKinder prompt die Arznei nehmen und sich in jeder Hinsicht verhältnismäßig fügsamund geduldig beweisen; sic machen aber auch die Erfahrung, wie das Kind im Ver-lause um so verwöhnter wird, je mehr die wirklich gebotene Rücksicht auf des KrankenBedürfnisse und das Mitleid der Umgebung den Wünschen desselben nachgekommenist und ihm die Uebcrzeugung von der gebietenden Gewalt seiner Bedürfnisse undLaunen eingepflanzt hat. Vorher verzogene Kinder, ebenso die erst im Laufe der Krank-heit verwöhnten lassen sich während der Krankheit selbst nicht zur Ordnung bringen;das aber ist zu leisten, daß sin relativ wohl erzogenes Kind auch durch die krankenTage nicht weit aus der Bahn des Gehorsams und der Zucht gebracht wird und daßes nach der Genesung zur alten Ordnung zurückkehrt.
Hiezu ist zwischen den wirklichen Bedürfnissen des Kranken und seinen arbiträrenWünschen, zwischen wirklichen Beschwerden und ihrer Uebcrtreibung, zwischen patholo-gischer Verstimmung und Heftigkeit und bloßer übler Laune zu unterscheiden und dem-nach zu bemessen, was zu gewähren und zu versagen ist; im allgemeinen weiche mandabei von den hergebrachten Regeln nicht ohne Grund ab, was man aber fordert,suche man in schonender Weise zu erweichen, und wenn man etwas abschlagen muß,so benütze man nack Umständen den Kunstgriff, die Aufmerksamkeit abzulenken. Manunterstütze auch über das Kranksein den Sinn des Gehorsams, indem man strengedie diätetischen Gebote des Arztes einhält, und mit Nachdrmck, aber ohne äußere Ge-walt auf dem Einnehmen der Arzneien zur festgesetzten Stunde beharwt; sodann abergebe man auch keinen äußeren Anlaß zu unerfüllbaren Wünschen und lasse keine Be-suche zu, welche das Kind durch thörichtes Benehmen in Aufregung setzen; endlichsuche man das Mitleid und den Eifer, dem Kinde alles thunliche zu gewähren, ver-ständig zu beherrschen. Nur gegen das tödtliche Ende schweigen die Rücksichten derErziehung, wohl aber hat jetzt der Arzt zu wünschen, daß nicht durch ungeeigneteGenüsse und Reizmittel der Todeskampf verlängert, und der Menschenfreund, daß nichtdurch fassungslosen Jammer dem Kinde der letzte Kampf erschwert werde.
Bei der Wendung zur Genesung kommt viel darauf au, daß mau nach über-standener Krankheit zur Wiedereinsetzung der alten Ordnung die ersten Tage des frisch