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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Krankheiten.

werden, ist in den Artikeln über Entwicklungsjahre und geschlechtliche VerirrungenBezug genommen.

1. Schon im Alter von 714 Jahren, am häufigsten gegen die Zeit der ge-schlechtlichen Entwicklung beobachtet man eine cigcnthümlichc psychische Disposition,ihrem Wesen nach verwandt mit der auf der Grenze zwischen Nerven- und Seelen-krankheit stehenden Hysterie und Hypochondrie. Bei Kindern, die gewöhnlich durchEigenthümlichkeiten und L-ondcrbarkeiten auffallcn, entwickelt sich im Verlaufe eineswirklichen Unwohlseins die Neigung, den Zuständen des eigenen Körpers große Auf-merksamkeit zu schenken, die Beschwerden nervöser Art zu übertreiben und endlich theil-weise selbst zu erdichten; Trägheit mag oft ein Hauptgrund sein, im weiteren Verlaufewird das Uebel aber durch verkehrte Behandlung seitens der Eltern, namentlich derMutter groß gezogen. Gerade wie bei den Hysterischen wird das Kind jetzt zu einerkrankhaften Sehnsucht nach Mitgefühl geführt, oder es erwacht in ihm der Kitzel, mitseinen Leiden wichtig zu thun. Wird gegen Erwarten und Gewohntsein ein verkehrterWunsch nickt durch sofortiges Krankwerden ertrotzt, so erfolgt ein Ausbruch von Un-gebärdigkeit oder bei älteren Mädchen ein eigentlicher hysterischer Anfall. Der Arzt,welcher statt der Arzneien als Ausgangspunct der Cur die moralische Zucht empfiehlt,wird meistens nicht angehört und schließlich aufgegeben! Soll solchem Kinde ge-holfen werden, so bleibt, da der Fall weder für die gewöhnliche Schule noch fürAnstalten zur Erziehung Schwachsinniger paßt, nichts übrig, als die Erziehung aneine einem folgerichtigen Verhalten gewachsene Person in einer fremden, ruhigen Familieso lange zu übertragen, bis körperliche Kräftigung eingetreten ist und das Kind mitder vernünftigen Selbstbeherrschung sein besseres Ich wiedergefunden hat.

Eine andere Form, welche bei Misbchandlung leicht in eine Entartung desCharakters oder vollständige Tobsucht übergeht, bieten Kinder mit unerklärlicher Launen-haftigkeit, unbezähmbarem Eigensinn oder zügelloser Leidenschaftlichkeit; das Kind istim allgemeinen wenig lenksam und während der Steigerung seines krankhaften Zu-standes für den Unterricht unzugänglich; häufig wird es als Beispiel von Verdorbenheitbetrachtet und strenge behandelt; dann folgt dieVerstocktheit". Die Kunst der Er-ziehung liegt hier neben dem Beseitigen der körperlichen Störungen darin, daß mandas Zutrauen des Kindes gewinnt und nach und nach seine krankhafte Sinnlichkeitder erstarkten Vernunft untcrordnen lehrt.

Eine dritte Form endlich hängt hauptsächlich mit einer Ueberreizung des Gehirnsdurch Ueberanstrengung des Geistes zusammen und ist füglich zusammenzufassen

2. mit den Vorboten der eigentlichen L> eelenstö run g. Es ist Thatsache,daß schon bei Schulkindern infolge übermäßiger Anforderungen der Schule oder derehrgeizigen Eltern oder auch infolge einer freiwilligen Entsagung von Erholung undLeibespflege, um alle Zeit und Kraft dem Lernen zu widmen, nicht bloß eine Ueber-reizung des ganzen Nervensystems, nicht bloß eine sog. Hirnentzündung, sondern auchein somatisch-psychisches Gehirnleidcn in der Form des Wahnsinns sich entwickeln kann.Besonders gefährdet find Knaben mit erblicher Anlage zur Seelenstörung und ebensokörperlich weniger gut entwickelte, reizbare, geistig mäßig begabte Individuen. DieKrankheit äußert sich manchmal in unerwarteten, fast tobsüchtigen Zornausbrüchen nebenanhaltender außerordentlicher Reizbarkeit, an welche sich Muskelunruhe und selbst derVeitstanz anreihen kann, oder und häufiger sie beginnt mit einem Stadium der körper-lichen Erschöpfung und psychischen Depression; das Benehmen wird schlaff und zer-streut, die Leistungen nehmen auffallend ab, die Stimmung ist gedrückt, gewöhnlichapathisch, für Lob und Tadel unempfindlich, gegen entschiedene Gebote wird passiverWiderstand geleistet, zeitweise jedoch tritt große Reizbarkeit ein. Wird nun derTrotz-kopf" strenge behandelt , so erfolgt rasch der Uebergang in die volle Erkrankung eines-theils mit den gewöhnlichen Zeichen der Ueberreizung des mit Blut überfüllten Gehirns,anderntheils mit stillen oder lauten Delirien und bei kräftigen Naturen mit zeitweisentobsüchtigen Ausbrüchen. Die Krankheit kann in diesem Stadium geheilt werden,kann aber auch als Gehirnentzündung tödten oder unter Besserung der somatischenErscheinungen in den vollkommenen Wahnsinn übergehen, wobei sich der Inhalt derWahnvorstellungen begreiflicherweise vorherrschend aus Schule und Lernen bezieht oderauch an das Erlernte anknüpft. Bei falscher Behandlung besteht die Gefahr eines