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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Kirche.

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succesflv vollzieht. Eine erziehende Wirksamkeit übt die Kirche in manchfacher Weiseaus, im Großen und im Kleinen, mittelbar und unmittelbar. Ins Große gewirkthat sie in der ersten Hälfte des Mittelalters, theils durch das belehrende Wort, theilsaber, und allerdings noch viel mehr, sowohl dem Charakter der römischen Kirche alsder Roheit der Zeiten gemäß, durch den disciplinarischen Zwang. In dieser Art insGroße gewirkt zu haben, kann sich in allweg die evangelische Kirche nicht rühmen.Zu Zeiten hat sie freilich auch das nicht gethan, was sic diesfalls thun sollte undkonnte; aber hievon abgesehen liegt schon im Princip des Protestantismus etwas, daseine ins Große gehende und in imposanten Formen auftretcnde Erziehungsthätigkeitdesselben von vornherein erschwert. Denn so wenig er von Volkssouveränität immodernen Sinn weiß, so gewiß erklärt er doch principiell (in der evangelischen Funda-mentalidee des allgemeinen Priesterthums) den Laien für mündig dadurch, daß er imBesitze des Wortes Gottes und daß der heilige Geist nicht an die Ordination gebun-den ist. Auch die evangelische Kirche erzieht und will erziehen, aber es ist nicht der

Klerus, der die Laien, nicht mehr der Priester, der das Volk erzieht, sondern die

Gemeinde, wie sie in ihren mündigen Gliedern lebendig existirt, wie sie aber speciellin ihren dazu vorgebildcten Organen, den amtlich berufenen Männern und gesetzlichaufgestellten Behörden sich repräsentirt, erzieht diejenigen, die ihr anvertraut sindals Unmündige, damit auch sie zur christlichen Volljährigkeit gelangen. Diese Unmün-digen sind

1) Die Kinder. Die Kirche" nun erzieht sie u. mittelbar dadurch, daß die

Eltern, welche Genossen der Kirche sind, sie in dem Sinne erziehen, der durch die

Taufe ihnen als Sinn und Meinung der Kirche vorgehaltcn wird. Dabei vergißt sieauch nicht, dieselben je und je auf Grund der Schrift an ihre Pflicht zu erinnern, undzwar theils auf dem Weg der Predigt, theils auf. dem der Privatseelsorge. Außerdemist hieher noch zu rechnen das Institut der Taufpathen; denn wenn auch in der Gegen-wart die Pathenschaft meist zu einer leeren Form herabgesunken ist: das bleibt dochals Sinn dieses kirchlichen Instituts unverrückt stehen, daß der Pathe sich der Kirchefür die christliche Erziehung des Kindes feierlich verbürgt. Wo aber von Eltern undPathen eine christliche, ja auch nur menschliche Erziehung gar nicht zu hoffen ist: daist cs, unbeschadet der Thätigkeit der Privaten, Gemeinden und des Staates, zu aller-meist Ausgabe der Kirche, für Unterbringung solcher verwahrlosten Kinder an Ortenzu sorgen, wo das ihnen gewährt wird, was die Heimat ihnen versagt. Aber l>. auchunmittelbar sucht die Kirche durch ihre amtlichen Organe erziehend zu wirken. Sienimmt die Kinder durch Katechese und Confirmationsunterricht und die sich darananschließende speciclle Seelsorge in geistliche Pflege; sie läßt dieselben an ihrem Cultustheil nehmen und richtet eigene Kindergottesdicnste in katechetischer, homiletischer, litur-gischer Form ein. Man kann immerhin (mit S chl eiermach er, Erz. L. S. 183)sagen, das unmittelbare Eingreifen der Kirche in die Erziehung sei ein bloßes Supple-ment der Familienerziehung; aber wir können dabei den kirchlichen Volksuntcrrichtkeineswegs in der Art als bloßes Supplement für die lückenhafte häusliche Erziehungzum Christenthum betrachten, daß, wenn eines Tags das Haus diese Lücken selbstausfüllcn würde, dann die Kirche, d. h. ihre amtlichen Repräsentanten, nichts^ mehr indieser Richtung zu thun hätten. Erstlich würde dem Geistlichen als Seelsorger diewichtigste Basis seiner ganzen seelsorgerlichen Einwirkung auf die Gemeinde genommensein, wenn er nicht mit der Jugend derselben in persönlichem Verkehr stünde. Alsoschon um ihrer selbst und ihrer allgemeineren Zwecke willen müßte die Kirche für jedenFall einen Antheil an dem religiösen Erziehungsgeschäfte für ihre amtlichen Vertreter sichVorbehalten. Dazu kommt aber ein zweites. Jede Familie hat einen bestimmten, indivi-duellen Typus; dadurch entsteht eine große Ungleichheit in Bezug auf die Enge oderWeite des geistigen Horizonts, auf mehr evangelische oder mehr gesetzliche Auffassungder sittlichen Lebensaufgaben, ja selbst in Bezug auf die Ansdrucksweise für die gemein-samen religiösen Anschauungen. Diesem Familicntypus gegenüber repräsentirt derGeistliche, der auf der Höhe der wissenschaftlichen Bildung zu stehen berufen ist, dasAllgemeine, das Objcctive; es strömt der Segen des allgcmciiwn geistigen Lebensreinigend, mildernd, befreiend und erhebend durch ihn in die Gemciirde ein; und geradeder noch bildsamen Jugend muß sich diese Strömung zuwenden. Sofort tritt nun die