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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Kirche.

nicht schon des Schaums, und in sofern eine unsichtbare ist. Oder steht nicht das,was die Kirche singend, betend, predigend bekennt, oft so hoch, daß selbst die Bestennur ebeu im gehobenen gottesdienstlichen Momente mit ihrem eigensten Bewußtsein soweit hinanreichcn? Letztere erkennen, was jene ausspricht, wohl als ihre innersteGesinnung, aber sie bekennen demüthig ihr factisches Zurückstehen hinter den?, wasdie Kirche ist und thut als ideale Persönlichkeit.

III. Die Kirche ist durch die universale Bedeutung des Christenthums als welt-erlösender Religion ausdrücklich darauf angewiesen, die ganze Menschheit in ihren Kreiszu ziehen. Sie kann das, weil der christliche Begriff vom Menschen jeden Unterschiedder Nationalität zu einem gleichgültigen Moment herabsetzt. Darin besteht auch einfundamentaler Unterschied zwischen Kirche und Staat, daß für erstere an sich diejenigenSchranken nicht cxistiren, die für diesen nothwendig sind. Allein nur die römischeKirche hat, da sie sich für die katholische, d. h. die allgemeine ausgiebt, diese Negirungder staatlichen Schranken thatsächlich und consequent durchzuführen versucht, hat aber ebendamit sich in unaufhörlichen Conflict mit der staatlichen Gewalt begeben. Wenn auchprotestantische Theologen das Verhältnis von Staat und Kirche darauf hin ordnenwollen, daß diese einen universalen, jener nur einen nationalen Charakter habe, so habenwir unsererseits im Gegenthcil die Ueberzeuguug, daß die Landeskirche die wahre, con-crete Form für die Existenz der Kirche ist. Denn 1) ein Verein, der die ganze Mensch-heit umfassen soll, kann nur aus geistige Weise wirklich sein; ein wirkliches Zusammen-leben, ein gemeinsames Handeln des ganzen Menschengeschlechtes ist schon Physischunmöglich. 2) Die evangelische Kirche begehrt keinen äußeren Zusammenschluß allerGläubigen durch gemeinsames Regiment und gleiche Lebensformen; sie läßt eineMannigfaltigkeit verschiedener Kirchenformen nach Zeit und Ort willig zu. Anderer-seits aber geht sie auch nicht bis zu dem Extreme, wie die Independenten, daß jederHaufe von Christen, die persönlich zusammentreten, von jedem andern Haufen unab-hängig für sich ein Gemeindeleben führe; das wäre namentlich dem deutschen Prote-stantismus zuwider. Vielmehr ist es die Nation, die Landesgemcinde, die der echteProtestantismus zur Landeskirche machen will,' welche durch einheitliche Organisationund einheitliches Regiment und durch Gleichheit der gottesdienstlichen Formen auchäußerlich als Gemeinschaft sich darstellen soll. Denn der Geist des neuen Bundeszerstört die nationalen Bande ebensowenig als irgend ein anderes natürliches Band,sondern schließt sich an sie an und füllt diese Naturformen mit geistigem Inhalt. DasChristenthum schließt keine Nationalität von sich aus, es kleidet sich vielmehr in natio-nales Gewand, ohne darum seine Universalität zu verlieren. Deshalb ist es ganz dernormale Gang und Stand der Sache, daß die Kirche als Landeskirche existirt; wiedie übrigen Interessen, so soll auch das höchste ein der Nation gemeinsames sein, auchin ihrem religiösen Leben will und soll sie als Nation sich wissen, d. h. das Volkwill und soll sich zur Kirche constituiren. Daß durch die vielfachen Territorialwechselder neueren Zeit das landeskirchliche Princip überall durchbrochen ist, hebt die Richtig-keit desselben nicht auf. Diese geographische Einheit der Kirche, als organischer Formdes religiösen Volkslebens, mit der Nation, zerstört auch nicht das Bewußtsein derGemeinschaft mit fremden Landeskirchen, soweit sie auf dem Boden derselben evange-lischen Wahrheit stehen, ja mit allen wahrhaft christlichen Elementen, wo sie immerin der Welt sich finden mögen.*)

IV. Daß der Kirche eine pädagogische Thätigkeit überhaupt zukommt, das liegtim Wesen des Christenthums selbst, dessen Trägerin die Kirche ist, es liegt in demengen Zusammenhangs, der zwischen Erlösung und Erziehung besteht, sofern die letzteredas menschliche Werkzeug ist, durch welches jene göttliche That sich an den Einzelnen

*) Sollen wir anmerkungsweise über die Frage einer deutsch-evangelischen Nationalkircheuns aussprechen, so wird freilich zu sagen sein, daß langjährige Erfahrungen in Preußenwie die jüngsten Erfahrungen im Reiche die baldige Durchführung einer Centralisation nichterwarten, auch nicht einmal wünschen lassen, wie denn eben aus dem Princip der Landeskircheauch das der historischen Stabilität samt dem Gefolge der „berechtigten Eigenthümlichkeiten"sich ergiebt.