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Kindheit, erste.
Kirche.
allem die höhere psychische Thätigkeit, durch die Verbindung von Begriffen mit denwargenommenen und dem Gedächtnis cingcprägten Lauten und Lautfolgen zu entwickeln;hiemit ist die innere Möglichkeit, seine Gedanken mit Hülfe der allmählich eingeübtmSprachorgane zu äußern, gegeben; für die Ausbildung dieses Sinnes und mit ihmfür die geistige Entfaltung ist daher der Umgang mit redenden Menschen das Wichtigste-begreiflicher Weise begünstigen wir das Redenlernen, wenn wir die am leichtesten zuarticulirendcn Laute dem Kinde mit ausdrucksvoller Stellung und Bewegung derSprachorgane vormachen und seinen ersten Sprachschatz besonders aus Worten bilden,deren Begriff vom Kinde durch sinnliche Anschauung aufgefaßt wird. Die Qualitätder Eindrücke durch Ohr und Auge ist aber weiter von größtem Belange für die Be-stimmung des ganzen Grundtons im Gcmüthe; theils erwirbt das Kind durch Nach-ahmung namentlich der Gesichtszüge seiner Umgebung zuerst nur den Ausdruck derheitern oder finstern Stimmung, der edeln und der schlechten Affecte, dann aber Stim-mung und Affect selbst; theils wirken die Gehöreindrücke, lange ehe der Sinn derWorte verstanden wird, unmittelbar wohlthuend oder verletzend und erschreckend aufdas Gemüth; hiemit ist auch dargethan, welchen Einfluß die Umgebung des Kindesdurch alles für das Kind Sichtbare und Hörbare auf seine innere Gestaltung äußert.Zum täglichen Umgang gehören auch die älteren Geschwister; hier sei nur eines An-lasses zur feindseligen Stimmung, welche keine Geschwisterliebe aufkommen läßt, ge-dacht; wir meinen die Beraubung des Erstgeborenen, wenn dem neuen Ankömmlingzugleich fast die ganze Liebe und Pflege der Mutter sich zuwcndet; für beide Kinderist es dagegen gleich scgcnsvoll, wenn die Mutter sich gleichzeitig mit beiden Geschwi-stern beschäftigt, das ältere in die liebevolle Pflege des jüngeren durch Benützung seinerkleinen Dienste mit hineinzieht und bei den kleinen Leiden des Säuglings das Mit-gefühl des älteren erweckt.
Den Geschmacks- und Geruchssinn hat man der natürlichen Entwicklungzu überlassen und soll namentlich nicht durch vorzeitiges Darreichen von Süßigkeitendie sinnliche Begehrlichkeit steigern.
Das Vorgetragene enthält Andeutungen, wie durch die Ordnung des Lebens unddie Gewöhnung und wie durch die Behandlung der Sinne auf das Gedächtnis, diePhantasie, die Intelligenz, besonders auf den Willen und das Gemüth einzuwirkensei; zur Erziehung eines edlen und religiösen Gemüths gehört aber noch weiter diefrühzeitige Erweckung der Andacht und als das Hauptsächlichste im ersten Kindes-alter die Harmonie von Ernst und von wahrer Liebe im Verhalten der Eltern,welche allein neben dem Gehorsam heiteren Kindersinn und liebevolles Vertrauen er-wecken kann.
Literatur. Vgl. die Artikel Altersstufen, Andacht, Bewußtsein, Gehorsam,Gewöhnung, Kinderwärterin, körperliche Erziehung, Verhalten bei Krankheiten, undMäßigkeit. — Huseland, guter Rath an Mütter über die physische Erziehung derKinder, in versch. Auflagen. F. A. v. Ammon, die ersten Mutterpflichten und dieerste Kindespflege, 8. Ausl., 1859. Schreber, Kallipädie; ferner „die Eigenthüm-lichkeiten des kindlichen Organismus u. s. w.", Leipzig, 1852. Mauthner Rittervon Mauthstein, Kinderdiätetik, 3. Ausl., Wien, 1858. Wertheimbcr, Diätetikder Neugeborenen und Säuglinge, München, 1860. Jörg, Diätetik für Schwangere,Gebärende und Wöchnerinnen, 5. Ausl. Leipzig, 1867. Ferner nehmen besondere Rücksichtauf die psychische Erziehung: Sigismund, Kind und Welt, Braunschwcig, 1856;Schmidt, Briefe an eine Mutter über Leibes- und Geisteserziehung ihrer Kinder,Köthen, 1856; Heyselder, die Kindheit des Menschen, Erlangen, 1857; Meier(Lehrer in Emden), das Kind in seinen ersten Lebensjahren. Aus der pädagogischenLiteratur vgl. namentlich Palmers Pädagogik; v. Räumers Gesch. d. Pädagogik;Waitz, Pädagogik; Barrau's Theorie der Erziehung, übersetzt von Döhler.
KinÄsmadchen, s. Kinderwärterin.
Kirche. Gegenwärtiger Artikel hat es nicht mit der Kirche als dogmatischemoder historischem Lehrgcgenstand zu thun, sondern es ist von ihr selbst nach ihrer Be-deutung für die Erziehung zu reden. Diese reducirt sich auf die zwei Momente, daß1) die Kirche selber eme pädagogische Aufgabe zu lösen hat, und daß 2) es auch eineErzichüng für die Kirche giebt, d. h. eine solche, die den Zögling dazu bilden will,