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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Kindheit, erste.

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sich nicht bestreiten, daß die häufige Unlust, welche dem Schreien zu gründe liegt,dem Kinde eine dauernde grämliche und traurige Stimmung geben kann und daß durchnachläßige Befriedigung wirklicher Bedürfnisse das Kind in heftige Unruhe gesetzt, diesinnliche Begierde in ihm eher gesteigert und eine Heftigkeit des Affcctes angewöhntwerden mag. Daher wenn das Kind aus richtigem Hunger schreit, oder wenn dieKlagen sich auf Durchnässung, auf unbequeme Lage, auf eine durch übermäßige Be-deckung erzeugte Hitze und Bangigkeit beziehen u. s. w., der rechte Mittelweg zwischeneinem übertriebenen Zuvorkommcn und zwischen einer pedantischen Strenge zu findenist; schreit das Kind später aus Aerger und Zorn, so wird man die erforderlicheBefriedigung eines natürlichen Bedürfnisses nicht sofort sich abtrotzcn lassen, son-dern warten, bis das Kind sich beruhigt hat und bescheiden bittet; ist das Geschreiaber der Aerger über etwas mit Recht versagtes, oder über eine nöthige Unlust,z. B. beim Waschen mit kühlem Wasser, so hat man das Kind je nach seinerpsychischen Entwicklungsstufe durch Ablenken der Aufmerksamkeit auf einen andern, aberunschuldigen Gegenstand seines Interesses, später durch den ernsten Ausdruck der Stimmeund der Gesichtszüge, nötigenfalls selbst durch einen empfindlichen Eindruck auf seineHautnerven zur Besinnung zu bringen; der häufigste Fehler schwacher Eltern ist, dasheftig Verlangte sich zuletzt doch abtrotzcn zu lassen, oder die Zufriedenheit des Kindesdurch einen ersatzweiscn Sinncskitzel zu erschleichen.

Das zweite Vorkommnis, welches am häufigsten zu schlechten Angewöhnungenführt und dem Kind die Herrschaft über seine Erzieher verleiht, ist das schwierigeEinschlafen. Ein gesundes Kind schläft Abends und im ersten Jahre je jünger umso häufiger auch den Tag über zu Zeiten ein, welche sich recht wohl ordnen lassen;dies hört auf, sobald das Kind in den Stunden vor dem Schlafe psychisch aufgeregtwird und ebenso ist es um das ruhige Einschlafen geschehen, wenn die Mutter dasKind an das Einschläfcrn durch Wiegen, Herumtragen, Singen, unter Mithülfe desSauglappens oder auch nur unter ihrer beständigen Anwesenheit gewöhnt hat. Manverhüte daher alles, was den Eintritt des Schlafes stören muß, überlasse sodann aberzur rechten Zeit das Kind sich selber, bei älteren Säuglingen nötigenfalls mit demGebot: jetzt schläfst du. Ein Grund des schwierigen Einschlafens ohne Gesellschaftder Mutter ist bei älteren Kindern ihre Phantasie, wenn sie durch thörichte Erzäh-lungen mit Furcht erfüllt wurde; in diesem Puncte sind besonders die Dienstboten, dieälteren Geschwister, aber auch unpassende Bilder zu überwachen.

Ein drittes Stück der guten Gewöhnung bezieht sich aus die Ausleerungen,ebenso im pädagogischen Interesse wie im mcdicinischen, hier um die im späterenLeben so lästige nächtliche Unreinlichkeit zu verhüten; sobald das Kind sitzen kann, bringeman es von Zeit zu Zeit auf das entsprechende Geräthe und bedeute dem Kinde zu-erst das Erfolgen der Ausleerung, später das Bedürfnis derselben durch ein Zeichenanzugeben.

Nach dieser allgemeinen Erörterung ist über die Pflege der einzelnen Sinneund der einzelnen Formen der psychischen Thätigkeit zu sprechen. Diehöheren Sinnesapparate sind bei der Geburt an keine Reize gewöhnt, sie müßen des-halb vor allen starken oder zu rasch wechselnden Eindrücken geschützt werden; beiraschem Wechsel an sich nicht zu starker Reize ist dem Kinde die Gelegenheit entzogen,sich selbst zur richtigen und vollständigen sinnlichen Warnehmung, zur Bildung rich-tiger Vorstellungen und Urthcile und zur ruhigen und beharrlichen Gedankenarbeit zuerziehen; man gebe dem Kinde deshalb frühzeitig Anlaß, die psychische Arbeit an deneinfachsten Gegenständen der Warnehmung zu vollziehen; dabei ist cs ganz im Cha-rakter des Kindes, ihm ein Spielzeug zu geben, das mit dem Auge, mit dem Geschmackeund mit dem Tastorgane studirt werden kann; bietet man längere Zeit denselben Gegen-stand, so lernt ein „sinniges" Kind denselben bald kennen und an demselben seineWillensimpulse verwirklichen; es benützt überdies, was zum geistigen Inhalt verdautwurde, als den fest im Gedächtnis haftenden Krystallisationspunct, an welchen diefolgenden Warnehmungcn sich anreihen. In späterer Zeit ist eine ernstliche Beschäf-tigung mit dem Spiele, ohne Lust und freie Neigung auszuschlicßen, geradezu anzu-gewöhnen. Die Gehöreindrücke sind noch mehr als jene des Gesichtes geeignet,de» Sinn zur scharfen Unterscheidung zu erziehen, das Gedächtnis zu üben und vor

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