Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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735
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Kindheit, erste.

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Härtung zu finden. Laue Bäder sind allerdings ein treffliches Mittel der Reinlichkeit,sic verweichlichen aber die Haut, sie machen überdies manchen Kindern Blutandrangund bedingen bei Uebermaß neben der Neigung zu katarrhalischen und rheumatischenErkrankungen eine reizbare Schwäche des Organismus; sie passen daher nur so lauge,bis die Reinigung durch ein kräftigendes Mittel erreicht werden darf. Für die erstenLcbensmonate benütze man also allerdings täglich laue Bäder von kurzer Dauer —5 Minuten — bei 28°—26° R., später aber gebe mau nur alle Wochen, dann alleMonate ein Reinigungsbad mit abnehmender Temperatur bis herab auf 23" R. undbeginne etwa vom sechsten Monat das Kind Morgens und Abends am ganzen Körpermit lauem Wasser zu waschen und hierauf die Hautflächc bis zu ihrer Röthung zureiben; nach und nach nehme man den ganz feuchten Schwamm nur für die beson-ders beschmutzten Thcile, für den Kopf laues Seifenwasscr, den ganzen übrigen Körperreinige man mit einem in immer kühleres Wasser von 23°—16" R. getauchten, dannausgedrückten Schwamm und reibe beim Abtrocknen gleichfalls kräftig. Der Unver-stand hält den Schmutz auf dem Kopf für ein Schutzmittel und begreift überhauptnicht die Bedeutung der Hautcultur, daher mit dem Austritt der Hebamme das obli-gate Baden aufgegeben und selbst die Reinigung aufs kümmerlichste besorgt wird.

Um Mißverständnissen zu begegnen, sei ausdrücklich bemerkt, daß die Fortsetzungder lauen Bäder bei schwächlichen, blutarmen, ernährungskranken Kindern als wichtigesHeilmittel häufig angezcigt ist.

Schutz vor Krankheiten der Mundhöhle leistet Reinlichkeit mit den Trinkgcräthenund besonders den: L-auglappen, der nie mit Zucker oder gestoßenem Brot gefülltwerden sollte, und das Abwischen des Mundes mittelst eines feuchten Läppchens nachjedem Nähren.

Durch alle Schichten der Gesellschaft geht die Unterschätzung des Werth es vonreiner und sonniger Luft; die Aufnahme schlechter Luft und die mangelhafteAthcmthätigkeit in feuchten, finstern, dumpfen Wohnungen und beim Liegenlassen undEinsperreu des Kindes ist für das Neugeborene um so nachtheiliger, als Armut, Un-verstand und bei den Neichen die Eitelkeit den Kindern zum Tag- und Nachtaufent-halt die finstersten und engsten Gelasse giebt und die Sorge für reine Luft geradehier am gröbsten vernachläßigt wird. Der Bemittelte hat für seine Kinder eine trockene,lichte, geräumige Stube zu wählen, hat für ihre vollständige Lüftung, während dasKind anderwärts sich aufhält, und Winters für ihre Ventilation durch Windöfcn zusorgen; der Arme hat wenigstens die ärgste Verpestung der Luft abzuhalten. Hierliegt wieder eine Aufgabe für alle Menschenfreunde, welche berufen sind, auf die Ver-edlung der niedern Elasten einzuwirken, damit des Schmutzes weniger werde am undim Menschen. Je weniger ferner das Kind durch Schreien seine Lungen übt, um sonöthiger ist die stärkere Anregung seines Athmens durch passive Bewegung, am ein-fachsten durch Hcrumtragen erst in liegender, später in halb sitzender oder sitzenderStellung. Dieser Zweck wird am besten erreicht, wenn inan dem Kinde durch Aus-tragcn auf trockene, windstille, Sommers vor Staub und blendendem Sonnenlicht ge-schützte Plätze die reine und sonnige Luft zu genießen giebt; bei kränklichen und zuLuftwegekrankheiten geneigten Kindern bedarf es allerdings großer Vorsicht, sonst aberkann jedes Kind außer bei strenger Kälte und ganz nassem Wetter zum großen Vor-theil für seine Kräftigung in die Luft gebracht werden. Sodann darf man frei-lich schon den jüngsten Säugling nicht durch zu häufiges Aufdcnarmnehmen, Tra-gen, Führen oder Wiegen verwöhnen, man halte die rechte Zeitordnung und dasrechte Maß.

Die Pflege hat den dem Kinde eingcpflanzten Trieb zur willkürlichen Be-wegung zu begünstigen; das ist etwas ganz anderes als das unzeitige Veranlassendes aufrechten Sitzens und die Künsteleien, um das Gehenlernen zu befördern. So-lange das Kind den Kopf nicht tragen kann, ist es beim Ausrichten zu unterstützen;solange das Kind nicht von selbst sitzt, darf es nicht in hockender Stellung unmittelbarauf den Armen, sondern nur im Tragbette und mit schwach erhobenem Oberleib ge-tragen werden; erst wenn es sicher und längere Zeit sich in sitzender Stellung erhAt,darf man das Kinderstühlchen benützen; von jetzt an gebe man Gelegenheit auf dembedeckten Boden zu kriechen und zu rutschen, dann gebe man ihm ohne Zwang den