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Kindermann.
ttinderwiirterin.
Mit welch richtigem Takt er dieses Ziel verfolgte, das zeigen einmal die treffendenGrundsätze / die ihn dabei leiteten: man müße bei solchen Dingen von vornherein ansVollständigkeit und Vollkommenheit verzichten, sondern da anfangen, wo sich ebenAnlaß biete und die Sache so anfasscn, wie Neigung, Gelegenheit und Mittel bereitliegen; ferner, man müße allen Zwang vermeiden, vielmehr das Interesse der Betei-ligten selbst erwecken, die Industrie von der Seite darstellen, von der sie als ein not-wendiges Mittel für die Existenz erkannt werde; endlich, man müße das unmittelbarNaheliegende und Praktische ergreifen und zugleich den Schulvcrhältnissen volle Rech-nung tragen. Die Arbeiten können keine andern sein als solche, die mit dem Standund künftigen Beruf der Schüler in llebcrcinstimmung stehen; sie dürfen zugleich denSchulmann von seinem Lehramt nicht abhaltcn, die Werkzeuge und rohen Stoffe dür-fen keinen großen Aufwand erfordern, auch müßen die Arbeiten solche sein , die vonjedermann nützlich und leicht zu betreiben sind. Noch mehr aber bewährte sich derpraktische Sinn K.'s in dieser Sache durch die Erfolge, deren er sich zu erfreuen hatte,indem es ihm gelang, über das ganze Land ein Netz von Industrieschulen, in denenKnaben und Mädchen im Baumwolle- und Flachsspinncn, Stricken und Nähen unter-wiesen wurden, zu verbreiten. „Wohl ist heute," sagt Helfert (S. 433) „von Kindcr-manns großartiger Schöpfung fast nichts mehr vorhanden, aber die heilsamen Folgendavon sind geblieben. Denn wenn jetzt Böhmen in der Jndustrialstatistik der öster-reichischen Länder eine so hohe Stufe einnimmt, so möge in der Reihe der Ursachen,welche diesen Stand der Dinge herbeigeführt haben, auch der Name des großen Schul-manns nicht vergessen werden, der fast ohne alle Beihülfe öffentlicher Mittel durchfeinen reichen Geist und klaren Verstand und das opferfreudige Zusammenwirken vonMännern aus allen Elasten der Bevölkerung, welches er durch Belehrung, Aneiscrung,Aufmunterung wach zu rufen und zu erhalten wußte, die Volksschule zur ersten Grund-lage des Nationalwohlstandcs gemacht hat. Und wenn man bei der großen Mengederjenigen, die im ersten Drittel des gegenwärtigen Jahrhunderts als wohlhabendeLandwirthe, als betriebsame Gewerbsleutc, als einsichtsvolle Industrielle in kleinerenund größeren Kreisen in Achtung und Ansehen standen, nach der ersten Duelle ihresmateriellen Glücks hätte Umfrage halten können, so würde man von den meisten wohlden Bescheid erhalten haben, die Pfarrschulc sei es gewesen, wo ihnen zuerst Liebe undVerständnis der Arbeit beigebracht, die Segnungen des Fleißes und der Ordnung, dieFrüchte der Sparsamkeit in kleinen Erfolgen gezeigt worden seien."
Während auf diese Weise Kindermann eine großartige und erfolgreiche praktischeThätigkeit entfaltet, erscheint er gegenüber von Felbiger als Schriftsteller desto ärmer.Ob man ihn wohl darum mehr oder weniger zu achten habe?
Die Geschichte seines Werks, das ohne Zweifel bereits mit dem Tode Josephs II.rückwärts gieng, ist mit der Geschichte des österreichischen Schulwesens überhaupt ver-schlungen (st. daher auch neben „Felbiger" die Art. Joseph II., Maria Theresia).
Von Kindcrmanns Lebenssckicksalen ist uns nichts näheres mehr bekannt, als daßihm 1779 neben seiner früheren Pfründe auch die Propste! der Wallfahrtskirche MariaSchein bei Teplitz zugewiesen und daß er später (1790?) zum Bischof in Leitmeritzernannt wurde. Als solcher starb er den 25. Mai 1801.
Literatur: vor allem Helfert a. a. O.; sodann Heppe, Geschichte desVolksschnlwesens 1858. Bd. I. S. 103—105; Krünitz, Encyklopädie B. 61. 62.
Kinderschriften, s. Jugendlectüre.
Kinderwärterin, (Kindsmädchcn). Die allgemeinen Klagen über solchedienenden Personen, welchen in der Familie die Abwartung der Kinder übertragenwird, gründen sich thcils auf die schlechte Erziehung in den niederen oder mittlerenElasten, aus welchen diese Personen hervorgehen, und auf die häufige schlechte Indivi-dualität derselben, theils auf das Verkennen der Erziehnngspslichtcn, welche der Familieselbst obliegen.
Es ist daher zu untersuchen: welche Individualitäten sind bei der Wahl einerKinderwärterin zu bevorzugen? Selten macht man sich klar, welchen tiefgreifendenEinfluß für die zeitweilige und für die spätere Gestaltung eines sich entwickelnden Kin-des die „Wärterin", das „Kindsmädchen", das heißt ein tägliches Organ der Erziehungund Pflege besitzt.