Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Schulmeister und eine Anzahl Kinder zu sich auf sein Zimmer zu nehmen, jenen imLehren, diese im Lernen zu unterweisen. Die Sache gicng gut von statten. Baldwar die Lust des Lehrers, der Eifer der Kinder, die Aufmerksamkeit der Eltern ge-wonnen. Binnen 3 oder 4 Wochen hatten K.'s Zöglinge den ganzen Katechismuserlernt, mit dem man sonst in vielen Jahren nicht zustande kommen konnte. DieKinder wachten ans dem Schlummer auf; viele kamen ans Neugierde, das Schau-spiel der neuen Lehre zu sehen, und viele blieben, um sich gleichfalls unterrichten zulassen. So gelang cs ihm allmählich, eine für die damaligen Zeiten treffliche öffent-liche Volksschule ins Leben zu rufen, die von allen Seiten die nöthige Unterstützungfand und nach und nach auch an andern Orten Nacheiferung bewirkte. Was K. beidieser Thätigkeit besonders förderte, das war die ihn bezeichnende Klugheit, mit der er ansdem schwierigen Boden der Volksschulverbesscrungcn voranschritt, und wodurch er sich vondem etwas stürmischen und eitlen Fclbigcr unterschied. In aller Stille, indem erGroßes im Kleinen anbahnte, liebte er zu arbeiten. „Ich führte," sagte er, „eineneue Lehrart ein, ohne es merken zu lassen, und kam dadurch vielen Hindernissen zu-vor, die sich bei Neuerungen dieser Art, wenn man sie anfdringen will, um so häufigerHervorthun." Er setzte dabei vorzüglich zwei Hebel in Bewegung, „eine schöne Hand-schrift, die auch den gemeinen Mann besticht, und den Musikunterricht, denn diesen:sind die Eltern immer geneigt." Durch ein solches Verfahren und eine ungewöhn-liche Popularität in Verbindung mit einer aus lebendigem Interesse hcrvorgehendcn, Energie ward es K. möglich, nicht bloß alle in den traurigen Zeitumstäuden (großeHungcrSnoth) und der Abneigung der Eltern liegenden Hindernisse zu überwinden,sondern auch seine Kaplitzcr Schule zu einer Musteranstalt und einem anregenden Ans-gangspunct für Schulverbesserungen in immer ausgedehnteren Kreisen zu machen.

Natürlich, daß nun auch, als Maria Theresia ihre großen staatsmännischen Planezur Durchführung eines allgemeinen geordneten Volksschulwescns zu verwirklichen be-gann, ihr Augenmerk besonders aus K. gerichtet war. Als 1775 auch für Böhmeneine Schulcommission zur Durchführung der Schulverbesserungen in Prag ins Lebentreten sollte, so wurde in diese unser — schon 1772 zum Dechant erhobener — K. alsreferirender Rath und als Oberaufseher des gesummten deutschen Volksschnlwesens be-rufen, zugleich auch zum Professor der Pädagogik am Gymnasium auf der Klcinscite(Prags) ernannt. Damit hatte er ein reiches und weites Feld für seine Thätigkeitgefunden. Seine Hauptaufgabe dabei war die Pflege der unter der unmittelbarenDircction von Amand Schindler neu gegründeten Normalschule, einer Art von Real-schule, an der 1776 auch ein UnterrichMurs für Lehramtscandidaten eingerichtet wurde.Sie ward den 15. November 1775 feierlich eröffnet mit einer Rede K.'s „über denEinfluß der nieder» Schulen auf das bürgerliche Leben und die übrigen Gattungenvon Schulen" und bewährte sich fortan in seiner Hand als ein treffliches Mittel, demneuen Volksschulwescn Böhmens Bahn zu brechen. Als die Seele aller in Böhmenauf Schulverbesserung gerichteten Thätigkeit hatte sich K. der kaiserlichen Gunstbezeu-gungen in einer ganz besonder» Weise zu erfreuen. Die Kaiserin verlieh ihm 1777die Capitnlardechantei der Collcgiatkirche und kön. Landcapelle bei Allerheiligen ob demPrager Schlosse und die infulirte Abtei von Petur in^Ungarn und erhob ihn in denRitterstand mit dem bezeichnenden Prädicat von Schulstein.

lieber die methodischen Grundsätze und die Art der Schulthätigkeit K.'s erfahrenwir allerdings nichts besonderes und einzelnes. Daß er im allgemeinen der Felbigcr'-schen Methode folgte, geht schon aus dem Obigen hervor. Im ganzen zeigt sich jedoch,daß er in seiner Methode sich freier bewegte und ein besonderes Gewicht auf diekatechetische Lchrweise legte. Was aber entschieden zu seinen eigenthümlichenVerdiensten gehört, das ist der von ihm erfaßte und ansgeführte schöpferische Gedankeeiner organischen Verbindung der Volksschule mit Industrieschulen,mit dem er sogar ähnlichen Anregungen dieses Gedankens im protestantischen Deutsch-land vorauseilte. Es war nicht sowohl der überall erhobene Einwurf, daß man durchdas Normalinstitut nur gelehrte Bauern ziehe, der ihn auf jenen Gedanken führte,sondern der Helle Blick in die wesentlichen Bedürfnisse der Volksbildung und die höhereIdee, aus seinem in Bettelei und Müßiggang versunkenen Volke mittelst»einer durch-greifenden Pflege des Fleißes und der Arbeitsamkeit eine indnstriöse Nation zu machen.