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1 (1877) A - Liebe
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Kinderheilanstalten.

Kindermaniu

das Bedürfnis sich kund giebt und der rechte Arzt die Sache in die Hand nimmt,ein Verein sich bildet, mit einer kleinen Anstalt beginnt und nach Maßgabe deswachsenden Vertrauens und den steigenden Zuflüssen den: Werke nach und nach einegrößere Ausdehnung giebt.

Reine Staatsanstalten sind, als zu kostspielig, nicht in genügender Zahl zu er-warten und bei ihnen handelt es sich für die Aerztc und Wärterinnen viel wenigerum eine Herzensangelegenheit als bei den freien Unternehmungen; diese gemächlicheSeite muß aber gerade hier in den Vordergrund gestellt werden.

Literatur. Die einzige Monographie des Gegenstandes ist die „Beschreibungsämmtlicher Kinderheilanstalten in Europa", von vr. Fr. S. Hügel,Wien 1849; einen Auszug daraus mit weiteren Nachweisen gab vr. O. Kohlschütter,vereinte deutsche Zeitschr. für Staats-Arzneikunde, Jahrg. 1850, VIII. 21.

Kindermann, Ferdinand, nimmt eine hervorragende Stellung in dem Kreisevon Männern ein, welche im letzten Drittel des verflossenen Jahrhunderts innerhalbdes österreichischen Staates und des katholischen Theils Deutschlands auf dem Gebietedes Volksschulwesens in schöpferischer Weise thätig waren, und nach dieser Seite dieedlen Bestrebungen der großen Kaiserin Maria Theresia förderten. Die Betrachtungseiner schulorganisatorischen Thätigkeit führt uns nach Böhmen (und Mähren).

Hier besonders hatte „jene unerbittliche Härte der Gegenreformation gewüthet,unter deren eisernen Schritten die blühenden ^schulen der Protestanten in allenStädten und Marktflecken schon darum ihren Untergang finden mußten, weil (nachder Ansicht der Jesuiten) durch die deutschen Schulmeister nur der Ketzerei die Thoregeöffnet wurden." (Helfert, die Gründung der österreichischen Volksschulen unter MariaTheresia. Prag, Tempsky 1860. S. 51.) Dazu traten später die Drangsale desErbfolge- und siebenjährigen Kriegs, die abermals auf Böhmen und Mähren beson-ders empfindlich drückten. So konnte, was von Anstalten für Bildung des Volksnach dem siebenjährigen Krieg noch vorhanden war, nur von der spärlichsten undkümmerlichsten Art sein. Kindermanu selbst schildert den Zustand seiner Schule, alser die Seelsorge in Kaplitz antrat, folgendermaßen (Nachricht von der Landschule zuK. 2te Ausg. Prag 1774. S. 8 f.): „Die Kinder waren alle, große und kleine, unter-einander vermengt. Die einen verlangten, daß man ihnen Brot bräche, Me andern wolltenMilchspeise, und noch andere schienen gar nichts zu wollen. Bald lief eines hinaus,bald kam eines herein. Wenn eines >die Lection laut aufsagte, so schwatzte einanderes, das dritte lallte oder murmelte des ersten Worte nach. Viele kamen nuralsdann in die Schule, wenn sie die Zeit nicht anders zuzubringen wußten. DerSchulmeister mitten unter ihnen war nicht vermögend, dem Nebel abzuhelfen. DieLeichtfertigkeiten der Kinder konnte er so wenig verhüten als ihnen das Essen undLachen verwehren. — Die Lehrart war ganz mechanisch. Sie gieng nur dahin, denKopf mit Wörtern anzufüllen, mit denen die Schüler keine Begriffe verbanden; inden Verstand kam davon wenig und in das Herz noch weniger — gar nichts. Tie»Religion war ein bloßes Gedächtniswerk und einige Fragen aus dem Katechismusbeantworten machte das ganze Wesen des Religionsunterrichts aus."

Das Unerträgliche solcher Zustände in Verbindung mit dem erwachten eigenthümlichenZeitgciste war es, was auch hier das Bestreben denkender Menschenfreunde weckte undihre Blicke aist die seit 1763 in Preußisch-Schlesien hervortrctende Thätigkeit Felbigersmit seiner „Lagan'schen Methode" richtete. Der Mann, welcher mit dem größtenEifer, unermüdlicher Geduld und bclohnendstcm Erfolg diese Angelegenheit in seineHand nahm, war Ferdinand Kindermann, geb. 27. Tee? 1740 (1741?) zuKönigswalde bei Schluckenau, gebildet auf der Universität zu Prag, 1771 zum Pfarrerin Kaplitz, einem Städtchen im Budweißer Kreise, ernannt. „Da ich die Reihe derPflichten überdachte," sagt er, „die mir oblagen, so fiel mir unter den Grundlinien,die ich zu dem Plane meiner Seelsorge zog, jene von der Erziehung der Jugend undvon der Verbesserung der Schulen vorzüglich in die Augen." Ehe er daher sein Amtantritt, macht sich K. selbst auf den Weg nach Sagan, um durch deu Augenschein diedortigen schulen und ihre Methode kennen zu lernen. Nachdem er zuruckgekehrt,wendet er das Gewonnene alsbald an. „Ter erste Tag, den ich der Seelsorge widmete,war auch der erste, den ich auf die Schule verwendete." Er fieng damit an, den