Katechismus.
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vorgeschlagen hat; wichtiger ist, daß Inhalt und Form des K. ebenfalls von Lntherzum Abschluß gebracht worden, daß aber beide nicht willkürlich von ihm bestimmt,sondern der durch Jahrhunderte geheiligten Praxis der Kirche entlehnt sind. In deralten Kirche und im Mittelalter ist K. soviel als Taufbelehrung, Tanfexamen.Die Stücke, welche während des Mittelalters den K. bilden, sind der Glaube(apostol. Glaubensbekenntnis), das V aterunser und die Sacramentc, von denendie letztem in den frühem Jahrhunderten häufig noch wegblieben. Nirgends aberwird der Dekalog zum K. jener Zeit gerechnet, weil er niemals eine Stelle beider Taufe gehabt hat. Wenn er gleichwohl in den letzten Jahrhunderten vor derReformation im kirchlichen Volks- und Jngendunterrichte eine wichtige Bedeutung er-hielt, so hatte dieses seinen Grund in dem Gebrauche, welchen man von ihm in derBeichte machte; da die Beichte namentlich auch die Jugend oft schon vom 7. Lebens-jahre an umfaßte, so mußte nun der Dekalog neben den alten Katechismusstückcn einHaupttheil des Jugendunterrichts werden. An die in der Kirche übliche Praxis schloßsich Luther bei Abfassung seiner Katechismen an, indem er die vorhandenen, allgemeinanerkannten Unterrichtsstoffe zu einem Ganzen verband, und dieses unter einem altehr-würdigen Namen zum Dienste der Kirche weihte.*) In der Art, wie Luther hierbeiverfahren, ist das Festhalten an dem, was als christliches Bekenntnis im Volke heimischwar, der echt evangelische Takt, welcher ihn bei der Auswahl des Materials leitete,und die Meisterschaft der Behandlung gleich bewunderungswürdig. Nicht nur erhieltendie Hauptstücke ihre Stelle im K., sondern auch die beim Taufkatechismus und beider Beichte übliche Frageform wurde beibehalten. Dagegen schloß er alles aus, wasden Stempel des göttlichen Gebots oder des kirchlichen L>ymbols nicht in gleicherWeise, wie jene Stücke, an sich trug. Dieselbe Ueberzeugung, daß in den K. nur diewirklichen Hauptstücke des christlichen Bekenntnisses gehören, bestimmte ihn, alles, waser sonst behufs der Belebung des religiösen Lebens in der Gemeinde und Familie bei-zufügen für nöthig erachtete: die Anweisung zur Beichte, den Morgen- und Abend-segen u. a. m., als eine besondere Beigabe unter dem Titel Enchiridion (Hand-büchlein) dem K. anzuschließen. Nicht minder bemcrkenswerth ist die Art und Weise,wie er das Ganze gegliedert und wiederum abgerundet, das Einzelne in seinen tiefstenBeziehungen erfaßt, dein Verständnis erschlossen und zum Bekenntnis dargereicht hat.Jedes Hauptstück bildet ein Ganzes für sich; aber schon in der Aufeinanderfolge dereinzelnen liegt ein tiefer Sinn.**) Die Erklärungen gehen nicht neben dein Text her,um ihn zu commentiren, sie verbinden sich mit ihm organisch zu einem lebensvollenGanzen. Darum tragen diese Erklärungen selbst den Charakter eines Textes an sichund lassen eine weitere katechetische Entfaltung zu. Das spccifisch confessionelle Be-kenntnis wird nicht verleugnet, aber nirgends tritt eine Polemik oder eine Betonungindividueller Ansichten hervor; das allgemein Christliche erhält durch die kirchlicheFassung nur ein desto ausdruckvolleres Gepräge. Zu allem kommt die hohe Vollendungder Sprache, die Kunst, in wenigem viel zu sagen, und dennoch nirgends unklar,schwerfällig, unpopulär zu werden; und dabei der warme, herzliche Ton, kraft dessenman, wie Löhe davon rühmt, den lutherischen K. beten kann.
Während Luther im großen K. aus dem Vollen des Glaubens und Lebensgreifend den Sinn der Hanptstücke mit besonderer Rücksicht auf die Pfarrer und Lehrerentwickelt, faßt er in dem kleinen alles kürzer zusammen. In der Kürze aber liegtdie Reife. Man kann wohl sagen, am großen K. hat sich für Luther selbst erst dieIdee des K. vollkommen abgeklärt; erst nachdem der große fertig war, hat er gesehen,was für das Volk zu leisten noch übrig sei. Der kleine K. ist nicht ein bloßer
*) Die Idee des K. hat er zuerst in der .deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstesvom 1.1526" bestimmt ausgesprochen; als Titel für ein allgemeines Religionslehrbuch bezeichneter das Wort zuerst in einem Briefe vom 2. Februar 1525 an Nie. Hausmann. Zur Aus-führung gab die sächsische Kirchenvisitation vom I. 1529 den letzten Anstoß, und innerhalbweniger Monate erschien das Buch in doppelter Redaction, zuerst der große, dann der kleineKatechismus.
**) S. Luther? Vorw. zum 4. Hauptst. deS gr. K.