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Katechismen.
auch hiezu schon ist die Frage ein ganz geeignetes Mittel. Denn die Texte, die demKatecheten und den Kindern gemeinsam vorliegen, die Personen, die in der heiligenGeschichte auftretcn, ihre Reden, Handlungen und Erlebnisse, wiederum alle sittlichenund religiösen Phänomene im Leben, ans die die christliche Wahrheit ihr Licht wirft:— das alles sind solche Dbjecte, über die das Kind, nachdem ihm durch jene primi-tive Mittheilung einmal das Auge und der Mund geöffnet worden, immer mehr zueiner Aussage befähigt ist. Wenn ich mit einem Knaben eine Reise mache, so werdeich nicht in langen Reden denselben belehren, sondern ich werde seine Beobachtungim Gang erhalten und seine Bemerkungen ihm abnehmcn, werde mich dabei nur an-regend, ergänzend, berichtigend verhalten: — solch eine Wanderung ist das Katechismen;darin eben, daß die Kinder sich aussprechen, liegt der eigentümliche Reiz, den fürden kindcrfreuudlichen Mann das Katechismen hat. Und um so mehr ist gerade dasKatechismen vor allem andern Unterrichten im Stande, diesen Reiz zu gewähren, weilhier nicht, wie in andern Lehrfächern, jeder folgende Lehrsatz den vorhergehenden not-wendig voraussetzt; hier vielmehr können ohne allen logischen Nachtheil Lehren, dieim System am Schluffe stehen, ihrem Hauptinhalte nach schon längst den Kindernbekannt sein, ehe die theoretisch notwendigen Vermittlungen gegeben sind. Denn diereligiösen Erkenntnisse, sei es auch in allerlei Bruchstücken, theilen sich dem Kindenoch auf ganz andern Wegen mit, als bloß durch die Katechese; die ganze Atmosphäre,in welcher ein Christcnkind lebt, ist erfüllt von christlichen Stoffen.
d. Dies führt von selbst auf eine weitere Seite der Sache. In einer Katcchi-sation wirb vieles ausgesprochen, was den Kindern schon bekannt ist, so viel, wie inkeiner andern Lehrstunde ohne Zeitverlust Altes und Bekanntes gesprochen, abgefragt,geantwortet werden dürste. Warum nun ermüdet das nicht? Warum hören auchErwachsene einer guten Katechisation so gerne zu, da doch möglicher Weise kein Wortgesprochen wird, das sie nicht längst wüßten? Der Grund ist ein zwiefacher: wirmöchten sagen ein allgemein christlicher, und ein speciell kirchlicher. Erstens hat derkatechetische Stoff vor allem andern Lehrstoffe das voraus, daß er nicht als Neuesnur intcressirt; sondern in diesen: Stoffe liegt eine Kraft geistiger Nahrung — waswir als das Erbauende zu bezeichnen Pflegen —, infolge dessen jede Analyse auch deslängst Bekannten immer wieder Geist und Gemüth anspricht. DaS Zweite aber ist,daß wir, die erwachsenen Glieder der Kirche, in jeder richtigen Antwort der Katechu-menen nicht nur eine uns mit ihnen gemeinsame Erkenntnis sehen, sondern: das unsmit ihnen gemeinsame Bekenntnis; darum eben freuen wir uns einer guten Antwortzwiefach, weil wir in: Erkennen zugleich das werdende Bekennen, also auch darin denNachwuchs der Kirche, die Sicherung ihres dauernden Bestandes sehen.
ö) Aus alledem ergeben sich nun die persönlichen Bedingungen, unter denenallein das Katechismen ersprießlich ist.
u. Wer die biblischen und kirchlichen Sätze soll analysiren und entwickeln können,der muß dieser Sätze und ihres Inhalts nach allen theoretischen und praktischen Be-ziehungen mächtig sein. Nur wer gründliche Erkenntnis hat, kann darüber katechisiren.Warme und tiefe Religiosität allein reicht zur Kunst des Katechisirens noch wenigeraus, als zur Kunst des Predigens. Nur der Verstand kann auch die höchsten undtiefsten Wahrheiten zum Zwecke der Darstellung ordnen; nur der Verstand des Lehrerswird auch den Verstand der Kinder so ansprechen und in Bewegung setzen, daß Be-griffe daraus werden; und die evangelische Wahrheit, obgleich sie über allen Verstandhinausgrcift, giebt sich doch auch wieder echt menschlich dazu her, vom Verstände er-griffen und behandelt, d. h. in Begriffe, Urtheile, Schlüsse gebracht zu werden.
k>. Der Katechet muß die Gabe der Rede besitzen, und zwar speciell die Gabe,ein Gespräch zu führen, noch spccieller, die Gabe, ein Gespräch mit Unmündigen zuführen. Ein Gespräch zu führen, ist eine eigene Kunst, durch die Fähigkeit bedingt,mittelst der eigenen Gedanken die Gedanken anderer wach zu rufen, und dann wiedersie augenblicklich so aufzufassen und mit gewandter Hand ihnen die Wendung zu geben,daß sie weiter führen, und so Schlag auf Schlag erfolgt. In der Katechisation stehtnur Ein Mann unter vielen Kindern; er hat die Kosten des Gesprächs allein zutragen. Das fordert erstens von ihm, daß er es versteht, die Kinder zum Reden zubringen, d. h. daß er materiell immer weiß, was auszusprechen sie in: Stande sind;