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Katechistren.
kirchlichen Gesichtspunct nicht näher ein. Der didaktische Grund aber ist, daß beieinem Lehrgegenstande, der so gar keine sinnliche Seite darbietet, der Text in denHänden der Katechumenen als etwas sinnlich warnehmbares, worauf immer wiederrecurrirt werden kann, den Dienst leistet, die Aufmerksamkeit der Kinder Zusammen-halten zu helfen.
II. Jeder Text hat einen bestimmten Inhalt, den er in bestimmter Form aus-spricht. Der Inhalt hat für das religiöse Bewußtsein und Leben des Kindes, weiles ein Christenkind ist und ein vollbürtiges Glied der Kirche werden soll, einen abso-luten Werth; indem ich den Tcxtinhalt ihm aneigne, Pflanze ich ihn: ein Stück Lebenein. Auf christlichem Boden ist ferner Stoff und Form, ist das Allgemeine und dasGeschichtliche nicht aneinander gelöthet, sondern, ob auch beides nicht identisch ist, sogehört doch die zeitliche Form wesentlich mit zu dem für alle Zeiten gültigen Inhalt.Mithin katechisirt nur derjenige richtig über einen Text, der nicht bloß davon einenAnlaß nimmt, irgend einen dadurch in Erinnerung gebrachten Gegenstand zu behan-deln, der also eigentlich über den Text wegkatechisirt, sondern der darein cingeht undden Gehalt für den Schüler so auseinanderlegt, daß auch dieser nach Maßgabe seinergeistigen Kraft sich denselben aneigne. Der Schüler hat zunächst an seinem Textenur einen Gedanken (oder eine Gedankenreihe), der ihm zwar, weil im Wort aus-gedrückt, schon an sich verständlich ist, aber den er doch gleichsam nur erst von außensieht, ohne darin noch den Reichthum an Wahrheit zu erkennen, den der Lehrer daringefunden. Wie wird er nun desselben theilhaftig gewacht werden? Ohne Zweifelnur dadurch, daß nnt dem Text eine Analyst vorgenommen wird, bannt erst dasEinzelne gefaßt werde, und dann durch Synthese das Ganze als ein nun durchschautessich rcproducire. Aber diese Reproduction ist bei dem Gegenstand, den der Katechetvor sich hat, nicht die bloße Zusammensetzung einer auseinandergelcgten Maschine,sondern, wie dem christlichen Lehrer bei seiner Meditation über den Text dieser unterden Händen sich ausdehnt, die Textgedankcn mächtig herübcrgreifen in bas concreteLeben: so hat er auch dem Zögling das Auge zu öffnen, daß er in einem Wortechristlicher Wahrheit, je primitiver es ist — und nur solche, d. h. Schrift- undKatcchismusworte sind würdig, Texte zur Katechisation zu sein, während das Kirchen-lied nur unter großen Beschränkungen für denselben Zweck verwendet werden kann —um so mehr eine frische Quelle von heilbringender Wahrheit erkennt. Der Zöglingmuß also in den Text hinein- und aus demselben wieder hcrausgeführt werden.
So haben auch wir zwei Operationen gefunden, die jede Katechisation in sichschließen muß; wir können sie mit den seit Dinter üblichen Namen des Zergliedernsund des Entwickelns bezeichnen, nur freilich mit der Klausel, daß beides für uns eineandere Bedeutung hat. Wenn Dinter und seine Schule Zergliedern und Entwickelnunterscheiden, so nehmen sie für diese beiden Tätigkeiten ganz verschiedene Objecte an.Zergliedert wird ein Text, entwickelt aber wird des Schülers eigenes Denken, daherdas Entwickeln im wesentlichen durchs Ablockcn bewerkstelligt wird. Uns stellt sichdie Sache etwas anders. Was wir entwickeln, das ist der durch die Zergliederungeines Textes bloßgelegtc Gedankcnstoff; und das Ablocken, also das Charakteristischeder Sokratik, d. h. das Abfragen statt der direct lehrenden Mittheilung, wenden wirnicht bloß zum Zwecke des Entwickelns, sondern ebenso sehr schon znm Zwecke desZergliederns an. Beides, Zergliedern und Entwickeln, sind uns darum auch gar nichtverschiedene Gattungen des Katcchisirens, sondern zwei Operationen, die jedesmalmüßcn vorgenommen und lebendig mit einander verbunden werben. Denn das Ein-führen in den Text ist nicht möglich, ohne daß man denselben auflöst in seine einzelnenBestandtheile; es ist das elementarische Verfahren, was hier seine Anwendung findet.Dies aber geschieht schon in der Form, die wir mit den Sokratikern ablocken heißenkönnen: wir locken dem Katechumenen dasjenige ab, was er an einem gegebenen Textewarmimmt; es sind seine eigenen Gedanken, die sich aus dieser unter richtiger Leitunggeschehenden Warnehmung ergeben. — Sofort tritt für den Katecheten die anderweitigeAufgabe ein, die wir entwickeln nennen. Dieses Entwickeln faßt folgende Thätig-keiten in sich:
^ 1) Von den durch das Zergliedern des Textes bloßgelegten Begriffen ist jederselbst wieder die Einheit eines Mannigfaltigen, es muß also der Katechumene seine