Katechese.
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Wenn man den Entwicklungsgang, welchen die Katechese bisher genommen, über-blickt, so muß man entdecken, daß man nunmehr erheblich anders in der Sache steht,als ursprünglich. Nun giebt es theils unberechtigtes Privatmeiucn, welches in dievon Alters her berechtigten Grundformen christlichen Unterrichts, d. h. in die Katechesehineinschwatzt, ohne davon etwas zu verstehen, theils ein zu sehr vorgreifendes Staats-sentiment, wie in den preußischen Regulativen, welche, ungeachtet ihnen diePflege aller historischen und positiven Elemente christlichen Lebens, also auch der Kate-chismus selbst, crust am Herzen lagen, doch mit unhaltbaren Aeußerungcn überdas Katechismen zu voreilig waren. Wie für die katechetische Welt Luther undSpener, so haben auch Dinier, Möller und Palmer nicht vergeblich gelebt,und wie es um die Geschicklichkeit im Predigen doch etwas ist, so behält die geschickteHandhabung der Katechese ihren Werth. Wo man daher die Aufgabe hat, in evan-gelischer Weise unterrichten zu lehren, darf man sich der Pflicht nicht entschlagen,diejenige Kunst zu pflegen, welche auf dem Wege der Unterredung zu christlichen Er-kenntnissen zu verhelfen sucht.
Die Schule ist etwas anderes als das gottesdienstliche Beisammensein der Er-wachsenen. Wie nun ohne Widerrede die Schule die Pflicht hat, die Fähigkeit zuchristlicher Erfahrung und die Anfänge christlichen Wissens nach allen Seiten hin durchZuführung von Geschichte, Spruch, Lied und Lehre zu begründen, so hat sie dasRecht, diese Gegenstände betrachtungsmäßig zu durchbringen und zu vcrwerthcn,und dies kann nur im Wege der Unterredung mit Erfolg geschehen. Mag dies mitviel oder mit wenig Kunst vollbracht werden, ohne alle und jedwede Lchrkunstgeht es nicht. Diese künstlerische Thätigkeit in ihrer Vollbringung ist dieKatechese, und damit sie verstanden werde, muß sie erlernt werden. Die Katechesemisachten heißt nichts anderes als annchmen, der Katechismus Luthers werde vonselbst Verständnis und Beherzigung finden, oder die Lehrenden für unfähig erachten,solches zu bewirken.
Die Einrichtung der Katechese bestimmt sich danach, ob sie mittelbar durchdie Kirche vollzogen wird oder unmittelbar. Es war in der ersten Zeit der Re-formation in der That den evangelischen Familien angemuthet, den katcchetischenDienst zu thun, wie dies aus Luthers kleinem Katechismus zu ersehen. Mit demZustandekommen der Schule aber wurde derselbe ein Geschäft der Schule im Auf-träge und Sinne der Kirche. Die Schule erforderte ihre eigene Einrichtung. Zwarursprünglich wurde der katechetische Betrieb mehr instinctiv vollzogen. Er erhielt seineEinrichtung im Hinblick auf den durch den Pfarrer nochmals zu ertheilcnden Confir-mandenunterricht. Er war daher mehr überliefernd, mittheilend, als eingehend aufErklärung des Einzelnen und auf Zusammenfügung desselben zu einem Ganzen. Alsman aber die Lehrthätigkeit der Schule mehr und mehr als ein Geschäft zu vollziehensich befliß, dessen man sich nicht weniger künstlerisch als im Predigen bewußt werdenkönne, konnte es nicht ausbleibcn, daß man in den katcchetischen Betrieb die Sorgeum Angemessenheit beim Verfahren hineinzog. Wie es nun nicht gefehlt hat, alleKünste, welche die Rhetorik entdeckt hat, auf die Predigt überzutragen, so hat esauch nicht gefehlt an der Bemühung, alle Künste, welche bei der Unterredung inAnwendung kommen können, in Verbindung zu setzen mit der Katechese. Aus demAufeinanderbezuge von homiletischer und katechetischer Thätigkeit, wozu man in demGrade mehr Recht erhielt, als die Predigt immer mehr bloßer Unterricht wurde , istes zu erklären, wenn man der katcchetischen Leistung nicht weniger eine doctrinelleEinheit und künstlerische Gliederung und Abrundung zu geben trachtete als der Pre-digt, und auf die Ausbildung derjenigen Form es anlegte, welche man eine Katechi-sation nannte (s. o.). Die katechetische Sphäre hat, man mag von der Bedeutungfür die Entwicklung des religiösen Moments denken wie man will, nicht wenigermeisterliche Leistungen in dieser Form als die Homiletik, von welcher bekanntlich auchnickt anzunehmen ist, daß die Größe ihres Kunstwerths im geraden Verhältnis mitdem bewirkten Segen stehe. Wie der Predigende in der Kunstgercchtigkeit seiner Pre-digt sich eine Genüge that, so der Lehrende auf der entsprechenden Schulstufe in derfür diese kunstgerecht eingerichteten Katechisation. Der Lchrzwcck mußte allem einzelnenin ihr die Richtung und die Stelle geben. Galt es zuzuschen, was von Erkenntnis