Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
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709
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Katechese.

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Ein neues Leben kommt in die christliche Unterweisung der Jugend mit der Re-formation (vgl. N. G. Vecsenmcyer, Literarisch-bibliographische Nachrichtenvon einigen evangelischen katechetischcn Schriften und Katechismen vor und nachLuthers Katechismus. Ulm 1830; I. Hartmann, Aelteste katcchetische Denkmaleder evangelischen Kirche re. Stuttgart 1844; Palmer an s. O.; K. F. Th. Schnei-der, O. Martin Luthers kleiner Katechismus, Berlin 1853, Einleitung). Hat Lutherin Schreibung von Katechismen auch nicht zuerst Katechese getrieben, so hat er dochwie kein andrer vor ihm ihren Werth erkannt und aus ihre Ilebung hingearbeitet. Hater auch nicht den ersten Katechismus in der evangelischen Kirche verfaßt, so wird ihmdoch der Ruhm verbleiben, nicht bloß die allerersten Versuche (1520) gemacht, dasAnliegen der Katechese von Anbeginn auf dem Herzen getragen, die Anregung zurAnfertigung derartiger Bücher wiederholentlich gegeben, sondern auch schließlich in derHerausgabe seiner beiden Katechismen das Ei als ein Colnmbus ans seine Spitzegestellt und ein Werk geliefert zu haben, durch das für ein katechetisches Bestreben inseiner Kirche Lust und Leben erweckt, sowie Stoff und Form in allcrvortrefflichster,nämlich in einfachster Weise gegeben war.

Wenn die Katechese der alten Kirche sich in einem Erkenntnisintcresse am Ver-ständnis von Ausdruck und Inhalt des Symbols zu beschäftigen hatte: so er-weckt Luther, indem er die Thatsachen, welche in der christlichen Kirche in Kraftund Leben stehen, , ins Auge nimmt, ein historisches und psychologisches durchdie Beschäftigung mit dem Dekalog, und ein praktisches durch die Beziehung desGlaubens auf Gebet und Sacrament. Brenz deutet an, daß Zehngebot, Glaubenund Vaterunser auch schon vor der Reformation in den Häusern hin und her gelerntworden seien, aber gewiß ist, daß durch Luther diese Lehrstücke in ihrer gegenseitigenbedentungsrcichen Beziehung wieder ans Licht gebracht worden sind.

Zu den thcils biblischen, theils kirchlichen Grundwerten der sogenanntenHanptstückc that Luther nun seinerseits eine Erklärung. Diese Erklärung wirdsofort entwerthet, wenn inan sie aus dem Gesichtspuncte einer allgemeinen didaktischenErläuterung ansieht, da sie vielmehr angesehen sein will als ein Wort, aus welchemerkannt werden soll, wie die Persönlichkeit Luthers fick zu dem Text der Haupt-stücke stellt. In seiner Erklärung giebt Er seine Stimme zur Sache ab, sein Votumund Zeugnis; und beides ist von diesem Zeugen von Belang. Hiedurch verliert diekatcchetische Handlung sofort alle Schulmäßigkeit und wird Lebenszeugnis. lindebendamit ist mm der Anlaß geboten, in derartiger Form weiter zu geheu.

Auf Grund dieser Anregungen ward in den lateinischen L-chulen, welche inund nach dem Ncformationszeitalter gestiftet wurden, der Katechismus Luthers dieUnterlage für eine mehr und mehr sich aufstufende, entfaltende und doctrinalwerdendeUnterweisung. In den niederen Schulen, soweit es deren damals gab und soweit sie nach und nach entstanden, kam es zunächst nur auf die Cercmonie der Kate-chismusübung und auf ein reichliches Verhören des deutschen Textes an, um ihnanzueigncn. Von geeigneten lchrhaftigen Männern, wie Joh. Mathesius, Joh.und Cyriak Spangenberg, wurde dann einige Auslegung dazu gethan. All-mählich mochte aber mit Ausnahme mancher Städte und Landschaften in dem Grade,als die evangelische Kirche zu einem gesicherten Rechts- und Besitzstände gelangte undtheologisches Gezänk auch die bessern Kräfte hinnahm, der katcchetische Eifer nach-gelassen haben und nur noch traurige Ruinen von früheren lebensvollen Veranstal-tungen mochten nach dem 30jährigen Kriege, als Spener seine Wirksamkeit zu übenbegann, übrig sein. Dieser lebenskundige Mann hatte erkannt, welch ein Segen ent-halten sein könne in einer wohlangerichtetcn Katechese und zugleich, warum der Erfolgder bisherigen so kümmerlich geworden. So wird er der Regenerator der Katechesedadurch, daß er 1) der seelsorg erlichen und kirchlichen Thätigkeit des Geistlichenbestimmte Arten von Versammlungen schuf, in welchen der Katechismusnicht bloß verhört, auch nicht, wie bereits vordem geschehen, bepredigt, sondernin katechctischer Weise verhandelt wurde, die sogenannten Katechismus-Examina;2) dadurch, daß er den im Katechismus dargebotenen Stoff unterrichtshalber n) dis-st onirte (Katechismus-Tabellen), b) katechetisch entfaltete (Einfältige Erklärungder christlichen Lehr), o) mit seiner Erklärung biblische Sprüche in Verbin-