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Katechese.
den ist, Katechismus genannt; das kunstmäßig betriebene Unterrichtsgeschäft imDienste des Katechismus erhält die Bezeichnung Katechismen und die kunstgemaßdurchgeführte Behandlung einer bestimmten katechctischcn Lehraufgabe den einer Kate-chisation, die Wissenschaft aber, welche in Bezug auf die Geschichte und die Gesetzeder katechctischcn Thätigkeit schließlich erwächst, gewinnt den Namen Katechetik.
Tie Katechese ist nach diesen Vorerörterungcn eine wesentlich pädagogischeFunction der Kirche, denn als Kinder und nicht als Vollwüchsige im Glauben er-scheinen alle diejenigen, welche noch nöthig haben, zur Selbständigkeit in der Mitglied-schaft einer Gemeinde herangebildet zu werden. Das Bekenntnis, das Tanfsymbol istder Ausdruck, in welchem anfänglich alle Erkenntnis der Kirche in Absicht ihresGlaubens niedergelegt und zusammengefaßt erscheint. Im Verständnis desselben, sowiein seiner Aneignung vollzieht sich im Katechnmcnen sein Katcchumenat und er wirdmit Erwerbung des Bekenntnisses mündiges Mitglied der Gemeinde entweder durchTazukommen der Taufe, oder, wenn diese schon erlangt worden ist, durch die Kon-firmation.
So ist die Katechese in ihrer Grundgcstalt Unterweisung, d. h. Unterrichtmit der Absicht, den Einzelnen in die Kirche dadurch einzuführen, daß man ihm vonihrer Anschauungsweise, Sprache, Sitte Kenntnis und Uebung verschafft. SolcheUnterweisung wird einestheils nöthig haben, einzuführen in den Inhalt des Bekennt-nisses, andrerseits sich einzulasscn auf die praktische Umbildung des subjectiven Zu-standes, in welchem der Katechumene steht. Jene Unterweisung im Inhalte des Be-kenntnisses wird um so nöthiger, je reicher entwickelt und schärfer bestimmt das Einzelneim Bekenntnisse geworden ist, und die Bearbeitung des innern Zustandes des Kate-chumenen wird um so unabweislicher, je mehr der Katechumene mit Anschauungenund Gewöhnungen zum Christenthum nahet, welche diesem fremd und feindlich sind.
Diese der Katechese notwendige Richtung hat die Kirche immer mit mehr oderweniger Energie eingchalten. (Vgl. G. Arnold: Die erste Liebe. B. I, 2. II, 13. 14.LI. PH. Heinr. Schüler, Geschichte des katechetischen Religionsunterrichts unter denProtestanten von der Reformation bis 1762. Halle 1802. D. Augusti, Versuch einerhistorisch-kritischen Einleitung in die beiden Haupt-Katechismen der evangelischenKirche. Elberfeld 1824. Dr. Ehrenfcuchter: Zur Geschichte des Katechismus. Göttin-gen 1857, Palmer u. a.) Freilich schien es in derjenigen Zeit, in welcher die Kirchezur Anerkennung und allgemach zur Herrschaft im Staat gelangte, solcher Anstrengungwie früher nicht weiter zu bedürfen, weil aus dem Schoße des christlichen Familien-lebens die Ergänzung der Gemeinde heranwuchs. Und gewiß in dein Grade, inwelchem eine Familie von dem Leben der Kirche durchdrungen ist, wird es auch zuhoffen sein, daß der Sprößling von dem Geiste sich erfüllt sehen werde, welchen dieKirche an ihren Gliedern erkennen will. „Dadurch, daß unsere Vorfahren den Dekalog,das apostolische Glaubensbekenntnis und das Vaterunser ihre Kinder zu Hause hersagenließen, hat Gott in der furchtbaren Finsternis, womit die Religionslehre bisher bedecktgewesen, als durch einen Hauskatechismus sich eine Kirche erhalten." (Brenz.) Gleich-wohl mußte, wenn die dienstliche Thätigkeit der Kirche zur Erhaltung des Erkenntnis-und Bekenntnisstandes allmählich zurücktrat, die Einbuße, welche das Leben der Kircheerlitt, an der einreißenden Unwissenheit u. s. w. sich im allgemeinen bemerklich machen.Es scheint, als ob der Kirche sowohl die Wege als die Organe, um lehrend aufdie Familienglieder einzugreifen, bei dem Mangel an Schulen gefehlt haben. Beson-ders war die geistliche Pflege des gemeinen Mannes, der in Unfreiheit lebte, sich völligselbst überlassen. Was die Bettelmönche in einzelnen Gegenden Katcchetisches gemacht,ist nicht von Belang gewesen. Der Lern- und Erkenntnistricb brach indes auch injenen Zeiten aus dem Schoße von Familien wieder hervor, welche von lebendigeremChristenthume erfaßt waren; so entsteht bei den Waldensern, Hussiten rc. ein sichererkennbarer Zug zur Unterweisung der Jugend. Aus den „Brüdern vom gemeinsamenLeben", welche dem Leben des Volkes nahe blieben, bildete sich in der Uebergangs-periode vom Mittelalter zur Reformation eine Genossenschaft hervor, die sich einGeschäft daraus machte, auch im Christenthume Unterricht zu ertheilen, insonderheitan jüngere Leute aus den ärmeren Classen. (Vgl. Joh. Mathcsius Historien rc.VI. Predigt. Geffcken, Bilderkatechismus des 15. Jahrhunderts.)