Karl der Große.
Katechese.
707
waren besondere Singschulen in Metz und Soissons Eingerichtet. Das sür Karl ge-schriebene Antiphonar, eines der ehrwürdigsten Denkmäler jener Zeit, befindet sich nochin der Bibliothek des Stifts St. Gallen.
Daß man auf dem besten Wege war, ein eigentliches Volksschulweseu zu begründen,zeigt die berühmte Verordnung des Bischofs Thcodulf von Orleans (ft 821) an diePfarrer seiner Diöcese, daß sie überall (psr villas ob vieos) Schulen halten und dieihnen Angeführten mit Liebe aufnehmen und unterweisen, aber keinen Lohn fordern,sondern nur freiwillige Gaben der Dankbarkeit annehmen sollten. Es ist anzunehmen,daß auch andere Bischöfe in diesem Geiste gehandelt haben. Die classischen Studiengewannen durch Karl einen erfreulichen Aufschwung, die lateinischen Dichter wurdenmit Vorliebe gelesen, unter ihnen besonders Virgil; Einhards Vita Onroli ist bekannt-lich nach Suetons Verbilde geschrieben. Das Studium des Griechischen war sicherlichnoch sehr beschränkt; aber Einhard und Paulus Diakonus waren damit bekannt, undauch sonst fehlt es nicht an Spuren, daß griechische Studien in jener Zeit wieder aus-genommen worden. Was unter Karl dem Kahlen sich entwickelte, dazu hatte doch Karlder Große den Sauren ausgestreut.
Die von ihm veranstaltete Sammlung alter Heldenlieder in unserer Spracheist leider verloren gegangen; aber der Heliand und Otfrieds Krist hängen doch auchmit Karls Sorge für seines Volkes Sprache und seinem eifrigen Bemühen um richtigeAufklärung und Benutzung der hl. Schrift im Unterrichte eng zusammen. Seine Einwir-kungen auf die Romanen im Süden Frankreichs hingegen waren freilich nur sehr gering.
Darüber täuschte sich der große Mann gewiß selbst nicht, daß er es überall erstzu Anfängen gebracht habe und daß eine seltene Gunst der Verhältnisse dazu gehörenwerde, um das Begonnene in echter Weise zur Entwicklung zu bringen. Aber daßsein Werk nicht ganz in seinem Geiste, noch weniger mit seiner Kraft fortgeführt wor-den ist, das mindert seinen Ruhm nicht, kann die Bewunderung nicht beschränken, mitwelcher wir zu seinem Bilde ausschaucn.
Karte», s. Geographie.
Kartenzeichne», s. Geographie.
Katechese. Mit diesem Ausdrucke ist eine Thätigkcit, welche ihre Stätte vonAnbeginn auf dem Gebiete der Kirche gehabt hat, in treffendster Bestimmtheit vor-geführt. Wie bei dem Zusammentreten der mündigen Glieder einer christlichen Ge-meinde zur Versammlung Anlaß und Gegenstand vorliegcn mußte zu einer Aussprachegegen die Personen, welche auf ein und derselben Stufe des geförderten christlichenLebens standen: so konnte das Anliegen für die Gemeinde nicht ausbleiben, die zumAnschlüsse ihr sich Anbietenden in eine zweckmäßige Behandlung zu nehmen, um siefür das Gemeinlebcn zuz übereilen. Der Inbegriff aller dieser Bemühungen wardie Katechese.
Die christliche Kirche hat in ihrem geordneten Beisammensein außer demSacramente immer nur das Wort, durch das sie ihr Leben andern mittheilt oderaufschließt. In der Kirche ward es daher schon in allererster Zeit als äußerst wichtigerkannt, daß das Wort des Glaubens an die neuen Christen als ein Echo ausder Gemeinde gebracht würde. Es wurde ihr deshalb ein heiliges Geschäft, einegeflissentliche Zuleitung des Wortes an die neuen Gemeindeglieder zu veranstalten.Zur Bezeichnung dieser kirchlichen Thätigkcit hatte sich das Wort dargeboten
mit seiner Bedeutung, einen Nachhall (in niederen Schichten) veranlassen, wie es imN. T. (Luc. 1, 4. Äpg. 18, 25 u. s. w.) von Unterweisung in christlichen Dingenim Gebrauch ist. Im kirchlichen Gebrauch ist dieser Ausdruck zu dem Rechte gelangt,welches in seinem Gehalte liegt, und wird nun der Wurzelstock für alle Beziehungen,welche im Gefolge der Katechese entstehen. Die kirchenamtlich mit ihrer Verwal-tung betraute Persönlichkeit heißt der Katechet; diejenigen, welche ihrer Einwirkunguntergeben sind, Katechu menen, der ganze Stand, in welchem sich diese letzterenbefinden, der Kate chumenat, der Inbegriff dessen, was Gegenstand der Katecheseist, wird nachmals,*) wo dasselbe zu einem niedergeschriebenen Lehrorganismus gewor-
*) D. h. von Luther an; vorher hat daS Wort Katechismus andere Bedeutungen gehabt,nach ihm hat auch die römische Kirche sich diesen Gebrauch der Worts angeeignet.