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1 (1877) A - Liebe
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Kant.

der Erziehung erlaubt, so ist es allein die der Abhärtung (S. 390). Eine harteErziehung dient sehr zur Stärkung des Körpers. Was sonst zur Bildung und Ent-wicklung des körperlichen Factors zu thun ist, bezieht sich nach K. (S-. 399) entwederauf den Gebrauch der willkürlichen Bewegung oder der Sinnesorgane. In beiderleiBeziehung hat K. dasjenige, was Rousseau und Basedow über die körperliche Er-ziehung zur Geltung gebracht haben, sorgfältig beachtet und warne empfohlen. Auchüber die Cultur der Seelenkräfte finden sich in der K.'schen Pädagogik recht praktischeBemerkungen, wenn sie auch mehr vereinzelt stehen und weder mit einander recht ineinen organischen Zusammenhang noch auch in den Dienst der Moralisirung gesetztsind. K. theilt die Cultur des Geistes zunächst in die freie und scholastische. Beider scholastischen Erziehung wird der Zögling wie unter dem Zwange betrachtet(IX, 404) und zur Arbeit gewöhnt. Es ist ein Wahn, wenn man meint, daß derZögling alles spielweise lernen solle. Das Kind soll spielen, aber es muß aucharbeiten lernen. Insbesondere hat die Schule die Aufgabe, in den Zöglingen dieNeigung zur Arbeit zu cultiviren. Demnach muß alles vermieden werden, was denTrieb zur Arbeitsamkeit abstumpfen kann. In dieser Beziehung warnt K. sehr vordem Romanlesen. Was die freie Cultur der Gemüthskräfte bekrifft, so unterscheidetK. die unteren und die oberen Gemüthskräfte und verlangt, daß die unteren nur inRücksicht auf die oberen cultivirt werden. Verstand, Urteilskraft und Vernunft sindihm die oberen L-eelenkräfte. Den Verstand erklärt er bei dieser Gelegenheit (IX, 406)als die Erkenntnis des Allgemeinen, die Urtheilskraft als die Anwendung des Allge-meinen auf das Besondere und die Vernunft als das Vermögen, die Verknüpfung desAllgemeinen mit dem Besonderen einzusehen. Auf die Ausbildung dieser höheren Ver-mögen kommt es also an. Wenn daher auch die Cultur des Gedächtnisses sehr not-wendig ist, so muß man das Gedächtnis doch nur mit solchen Dingen beschäftigen, andenen uns gelegen ist, daß wir sie behalten, und die auf das wirkliche Leben Beziehunghaben (IX, 403). Da der Verstand das Vermögen des Allgemeinen ist, so kann ernur dadurch gebildet werden, daß man theils aus einer Fülle von Einzelnheiten dasGemeinsame heraushebt, theils umgekehrt das gegebene Allgemeine auf das Einzelneanwendet. Auf die praktische Verwendung eines gegebenen Allgemeinen legt K. einenunbedingten Werth. Das Verstehen (IX, 412) hat zum größten Hülfsmittel das Her-vorbringen. Man lernt das am gründlichsten und behält das am besten, was mangleichsam aus sich selbst lernt. Diese letztere Vorschrift wendet K. namentlich auch aufdie Ausbildung der Vernunft an. Man mäße dahin sehen, daß man nicht Vernunft-erkenntnisse in die Schüler hineintrage, sondern dieselben aus ihnen heraushole.Bei der Ausbildung der Vernunft müße man daher sokratisch verfahren. Oben istschon bemerkt, daß K. die ethische Wirkung jedes Unterrichts, wenn er in der rechtenArt ertheilt wird, nicht besonders beachtet. Diesem Umstande haben wir es zuzuschreiben,daß in seiner Pädagogik, so sehr dieselbe von einem edlen moralischen Geistegetragen wird, doch mir sehr wenige Mittel zur Erzielung der moralischen Culturausdrücklich hervorgehoben werden. Das eine dieser Mittel besteht in der Vorführungvon guten Beispielen und das andere in der Aneignung von moralischen Maximen.In letzterer Beziehung wünschte K. sogar, daß die der Jugend nahe liegenden Maximenin einer Art Katechismus des Rechts zusammengestellt würden. Dieser müßte, ineinteer, Fälle enthalten, die populär wären, sich im gemeinen Leben zutragen und bei denenimmer die Frage ungesucht einträte, ob etwas recht sei oder nicht (IX, 427). Mansollte meinen, K. hätte in beiderlei Beziehung nämlich in Rücksicht auf die moralischenBeispiele und in Bezug auf die moralischen Maximen auf die Bibel und die christ-liche Religion als ein Hauptmittel der moralischen Erziehung gelangen müßen. Dieabstractrationalistische Strömung jener Zeit läßt aber den scharfsinnigen Philosophenverkennen, welch reiches und wirksames Äildungsmittel für die Moral in den biblischenGeschichten und in der biblischen Lehre liegt. Seine eigene Jugenderziehung hätte ihneines andern belehren können. Aber in diesem einen Puncte ist ihm sein eigenesLeben nicht maßgebend für seine pädagogischen Maximen gewesen.

6) Kant als Muster der Selbsterziehung. Kuno Fischer*) bemerkt über

*) Jmm. Kant, Entwicklungsgeschichte und System der kritischen Philosophie, Mannh. 1860.