Kant.
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bei denen der Zögling sich passiv verhält. Die praktische Erziehung aber ist dieErziehung zur Persönlichkeit, Erziehung eines frei handelnden Wesens. Sic umfaßteinen negativen Thcil, die Disciplin, die bloß Fehler abhält, und einen positiven oderdie Unterweisung und Anführung. Die positive Bildung besteht 1) ans der scholastisch-mechanischen Bildung in Ansehung der Geschicklichkeit; 2) aus der pragmatischen inAnsehung der Klugheit; und 3) aus der moralischen in Ansehung der Sittlichkeit.Da K. den letzten Zweck des Menschen in die sittliche Freiheit setzt, so muß er natur-gemäß auch den letzten Zweck der Erziehung in die Erziehung zur Sittlichkeit setzen.Und zwar kommt es bei der moralischen Erziehung darauf an, daß der Zögling dieGesinnung bekomme, sich nur lauter gute Zwecke zu erwählen, während ihn dieCultivirung zu allerlei Zwecken geschickt macht. Man muß dahin sehen, daß das Kindsich gewöhne, nach Maximen, deren Billigkeit cs selbst einsicht, und nicht nach äußerenTriebfedern zu handeln. Da diese Maximen allgemeine Bestimmungen sind, so sindsic eine Schranke gegen die individuelle Willkür. Daher gilt als ein Gesetz dermoralischen Erziehung die Gewöhnung an Gehorsam. Zum Charakter eines Kindes(IX, 417), besonders eines Schülers, gehört vor allen Dingen Gehorsam. Dieserist zwiefach: erstens ein Gehorsam gegen den absoluten, dann zweitens aber auch gegenden für vernünftig und gut erkannten Willen eines Führers. Der Gehorsam kannabgeleitet werden aus dem Zwange, und dann ist er absolut, oder aus dem Zutrauen,und dann ist er von der anderen Art. Dieser freiwillige Gehorsam ist sehr wichtig,jener aber auch äußerst nothwendig, indem er das Kind zur Erfüllung solcher Gesetzevorbereitet, die es künftighin, als Bürger, erfüllen muß, wenn sie ihm auch gleichnicht gefallen. Einen zweiten Hauptzug in der Gründung des sittlichen Charaktersder Kinder setzt K. in die Wahrhaftigkeit und einen dritten in die Geselligkeit; namentlichhält er die Wahrhaftigkeit für das allerwesentlichstc Stück der Sittlichkeit. Da K.den letzten Zweck der Erziehung in die Moralisirung des Menschen setzt, so sollte manerwarten, daß er die Disciplinirung, die Cultivirung und Civilisirung und selbst diephysische Cultur als Mittel zur Moralisirung betrachten und in den Dienst derselbenstellen würde; aber wir finden diese von K. angegebenen Theile der Erziehung mehr-äußerlich neben einander gestellt, ohne daß ihre gegenseitige Wechselwirkung bestimmthervorgehoben wäre. Und da K. die ethischen Wirkungen namentlich der Disciplinund des Unterrichts nicht deutlich erkannt hat, so entsteht der weitere Mangel, daß dieMittel, die er zum Zwecke der sittlichen Bildung des Menschen anführt, nur sehr-dürftig und unvollständig erscheinen können. Was zuerst die Disciplin betrifft, soverwahrt sich K. ausdrücklich dagegen, daß man sich ihrer zu bedienen habe, umMoralität zu begründen. Die moralische Cultur (IX, 415) muß sich auf Maximengründen, nicht auf Disciplin. Die Disciplin verhindert die Unarten, jene bildet dieDenkungsart. Durch Disciplin bleibe nur eine Angewohnheit übrig, die doch auchmit den Jahren verlösche. Wenn man Moralität gründen wolle (vgl. IX, 416), somüße man nicht strafen. Moralität sei etwas so heiliges und erhabenes, daß mansic nicht so wegwerfen und mit Disciplin in einen Rang setzen dürfe. Gewiß wirdman nicht leugnen können, daß diese Behauptungen etwas einseitiges haben und denpositiven Zweck, den die richtige Disciplin zu verfolgen hat, verkennen. Dagegen könnenwir den disciplinarischen Vorschriften, die gegeben werden, mcistcuthcils unsere vollsteBilligung nicht versagen. K. verlangt mit Recht, daß die Kinder von Jugend aufeiner strengen Disciplin unterworfen werden; die Vcrabsäumung der Disciplin sei, sagter, ein weit größeres Uebel, als die Vcrabsäumung der Cultur, denn diese könne manspäter nachholen, dagegen lasse sich Wildheit, wenn diese einmal durch eine schlaffeDisciplin sich eingewurzelt habe, niemals wieder wegbringen. Die Disciplin bestehtdarin, daß man den unvernünftigen Willen der Kinder beschränkt. Geschieht das nichtund zwar von der frühesten Jugend an, so werden sie verzogen. Verständigen Wünschendes Kindes soll man willfahren, unverständigen mit Festigkeit und Konsequenz cntgegen-treten. Eine jede abschlägige Antwort muß unwiderruflich sein. Wenn man dieKinder alles durch Schreien erhalten läßt, so werden sic boshaft, erhalten sie uber-alles durch Bitten, so werden sie weichlich (S. 415).
Die Disciplinirung greift auch sehr in die Physische Erziehung ein. Ein Haupt-grundsatz K.'s in dieser Beziehung ist das Princip der Abhärtung. Ist je die Kunst in