Kant.
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selbst zum Gegenstände hat. Aber um bestimmter zu erkennen, worin der Kern der
K.'schcn Philosophie zu suchen ist, haben wir die verschiedenen Sphären des Geistes
zu unterscheiden. K. blieb dabei stehen, daß alle Seelcnvermögcn auf die drei zurück- /
geführt werden: das Erkenntnisvermögen, das Begehrungsvcrmögcn und das Gefühl
und daß sich diese nicht weiter aus einem gemeinschaftlichen Grunde ablciten lassen.
Dieser Trichotomie des Geistes entsprechen die drei Hauptwerke der K.'scheu Philo-sophie; indem die Kritik der reinen Vernunft die Bedingungen, die Grenzen und dieMethode der Erkenntnis, die Kritik der praktischen Vernunft den Willen unddie Kritik der Urtheilskraft besonders das Gefühl, namentlich das Gefühl für dasSchöne und Erhabene untersucht. Da die Kritik der rcincu Vernunft mit dem Wesender Philosophie am innigsten zusammenhängt, die Kritik der praktischen Vernunft un-mittelbar in das Gebiet der Pädagogik übergrcift, so mögen über beide hier einigeBemerkungen Platz finden, die dazu dienen können, K.'s Bedeutung für die Fort-bildung des deutschen Geistes richtig zu würdigen. Alle Wissenschaften sind darineins, daß sie sich zur Erforschung der Dinge der Erkenntnis bedienen. Es istalso klar, daß der Erfolg jeder Wissenschaft und jedes menschlichen Denkens überhauptdavon abhängig ist, daß wir im Erkennen uns der rechten Principien und der rechtenMethode bedienen. So besteht denn die K.'schc Philosophie vor allem in einer Kritikdes Erkenntnisvermögens und zwar des Erkenntnisvermögens, wie es in si ch ist, ab-gesehen von aller Erfahrung.
K. selbst faßt die Aufgaben seiner Kritik in der Frage zusammen: Wie sind syn-thetische Urtheile u priori möglich? Hiernach untersucht er in seiner Kritik der reinenVernunft das reine Erkenntnisvermögen, wie cs dem Menschen abgesehen von allerErfahrung innewohnt, in seiner produclivcn Kraft, synthetische Urtheile zu fällen, undsucht seine Möglichkeit, seine Grenzen, sein Wesen und sein Verfahren zu bestimmen.
So viel ist klar, daß er mit dieser Untersuchung in das Innerste aller Philosophie,ja alles Nachdenkens eingedrungen ist, denn die Wurzel aller menschlichen Wirksamkeit,sofern sie sich von dem Thicrischcn unterscheidet, liegt in dieser Schöpferkraftder reinen Vernunftthätigkeit. Wüßten wir also von K. auch weiter nichts,als daß zuerst durch ihn die Vernunft gleichsam ihre Einkehr bei sich gehalten, somüßten wir ihn schon deshalb für einen Philosophen halten, der in der Geschichteder Philosophie und somit auch aller anderen Wissenschaften eine neue Epoche eröffnet.
— Aber mit welcher Virtuosität hat er nun vollends diese Aufgabe gelöst! Hat csjemals einen freien, von aller äußeren Auctorität unabhängigen Mann gegeben, so wares K., und hat er diese Fähigkeit zu einer freien Forschung irgendwo bewährt, so istes in der Kritik der reinen Vernunft geschehen. Von ihm wurden nicht bloß die festenVoraussetzungen seiner dogmatisirendcn Zeitgenossen in Frage gestellt, sondern selbstsogenannte Denkgesetze, an die sich die forschenden Menschen seit vielen Jahrhundertengewöhnt hatten, in Zweifel gezogen. Mit einer grenzenlosen Unerbittlichkeit geht eran alle solche verfesteten Voraussetzungen des Denkens heran, zerstört sie mit seinemscharfen Verstände, löst gleichsam alles Feste durch seine Kritik auf, um aus der flüssiggewordenen Masse neue Krystallisarionen der forschenden Vernunft hervorgehen zulassen. Er fängt so die Philosophie von vorne an; er zertrümmert die alte Gedanken-welt, um ohne alle Voraussetzungen aus der reinen Vernunft eine neue Gedankenweltmöglich zu machen und aufzubaucn. Dabei kommt es, um die Epoche machendeGröße des Mannes richtig zu schätzen, gar nicht so ' sehr auf die Resultate seinerKritik an. Vielmehr wird man zugebcu mäßen, daß gar manche dieser Resultate einerueucn Kritik zu unterwerfen sind und auf unerwicscncu VorauSsetzungcu ruheu. Aberdurch dieses und Achnliches wird die Größe des Mannes nicht im geringsten angc-tastct. Diese Freiheit von aller äußeren Auctorität, dieses reine Beruhen auf derdenkenden Vernunft ist und bleibt der absolute Anfang einer selbständigen Philosophieund wenn auch von dem K.'schen Systeme hinsichtlick' der Resultate gleichsam keinStein auf dem andern bliebe, so würde dennoch K. in der Philosophie dasselbe bleiben,was Copernicus in der Astronomie und Luther im religiösen Glauben.
5. Kants moralische und pädagogische Grundsätze. Achnliches giltvon seinen moralischen Anschauungen, die in seiner Grundlegung zur Metaphysik derSitten und in seiner Kritik der praktischen Vernunft niedcrgelegt sind. Alle Sittlich-