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der Königsberger Gymnasien, des 6oIIe§inm I'riäkricmnnm, übernommen hatte, sonahm er den Knaben 1733 in diese Anstalt auf und machte es ihm durch vielfacheUnterstützungen möglich, daß er trotz seiner beschränkten Mittel alle Classen dieser Schuledurchmachen konnte. Auch diese Anstalt beruhte auf dem Princip des Pietismus. Esist nicht zu bezweifeln, daß die strenge Sittlichkeit, die K. in seinem Leben an sichselbst ansübte und später so eindringlich lehrte, durch diese frommen Eindrücke seinerJugend begründet worden ist. Was seine wissenschaftliche Bildung betrifft, so wurdesie besonders durch ein gründliches und umfassendes Studium der römischen Spracheund der römischen Schriftwerke bewirkt. Auch begnügte er sich in seinem Wissens-triebe nicht mit dem, was die Schule bot, sondern er stiftete mit zweien seiner Mit-schüler eine engere Verbindung, die den Zweck hatte, solche lateinische Schriftsteller zulesen, die nicht in den Kreis der Schullcctüre gehörten. So mit gründlichen Kennt-nissen ausgerüstet bezog er 1740 die Universität seiner Vaterstadt, um Theologie zustudircn. Nach der löblichen Sitte jener Zeit hörte K., ehe er an das theologischeStudium heraugieng, eine Reihe von Vorlesungen in der philosophischen Facultät.Dieses war entscheidend für sein Leben; er stndirte zwar auch Theologie, aber seinEntschluß, den philosophischen Wissenschaften sein Leben zu widmen, war unwider-ruflich gefaßt. Er blieb deshalb noch in Königsberg, nachdem er sein akademischesStudium absolvirt hatte, wobei er sich durch Privatunterricht und durch Veranstaltungvon Repetitorien seinen Lebensunterhalt zu erwerben suchte. Als aber 1746 seinVater gestorben war, waren seine finanziellen Verhältnisse so beschränkt, daß er fürserste eine Hanölehrerstellc annchmen mußte. Von dem Hanslehrerlcbcu Kants be-sitzen wir keine ausführlicheren Nachrichten; nur das wissen wir, daß es für seineAusbildung zu einem ausgezeichneten Doccnten und zu einen: trefflichen Gesellschaftervon außerordentlicher Wichtigkeit gewesen, und daß er auf diesem Umwege nur nur sosicherer zu seinem Ziele gelangt ist.
3. Kant als akademischer Docent. 1755 habilitirte'sich K. als Privat-doccnt an der Universität Königsberg. Tie Zeit, wo ein in sich unabhängiger undfreier Geist seine Ueberzeugungen ungehindert und ungefährdet aussprechen konnte,war noch niemals so günstig gewesen, als damals in Preußen. Denn auf demThrone Preußens saß damals Friedrich der Große. Zwar konnte dieser für Kantsäußerliches Fortkommen nicht viel thun; erst 1770 wurde K. ordentlicher Professorder Logik und Metaphysik mit einem Gehalte von 400 Thalern, der später auf600 Thlr. erhöht wurde. Aber er erhielt von Friedrich selbst und von dem Ministervon Zedlitz wiederholt die größten Beweise der Hochachtung. Und daß er seinen Geistin Wort und Schrift völlig frei aussprcchcn durste, so lange Friedrich der Großelebte, diese Freiheit war für ihn um so wcrthvoller, da manche Resultate seiner Philo-sophie mit den hergebrachten Ansichten in Widerspruch standen. Als Universitätslehrerist K. fast ein halbes Jahrhundert die Zierde der Königsbergcr Universität gewesen,und hat sich eine unbegrenzte Achtung erworben. Es liegen über seine akademischeLehrthätigkeit die genauesten Zeugnisse vieler seiner Schüler vor, namentlich auch solcher,die selbst in der literarischen Welt später eine Nolle spielten. Einer der vollgültigstenZeugen ist Herder (s. dessen Briefe zur Beförderung der Humanität). Tie Vorzügevon Kants akademischer Lehrthätigkeit beziehen sich thcils ans den Inhalt, theilsauf die Form und den Geist seiner Vorträge. Was den Inhalt der Kant'schcnVorlesungen betrifft, so müssen wir in dieser Beziehung die außerordentliche Viel-seitigkeit derselben bewundern. Er las nicht bloß über die Gegenstände, in denener sich zunächst habititirt hatte, Logik, Metaphysik, Mathematik und Physik; son-dern a)ich über Naturrccht, Moral, natürliche Theologie, über Pädagogik, physischeGeographie und Anthropologie. In formeller Hinsicht werden die Kant'schcn Vor-lesungen von seinem Biographen Jachmannn, der ihn selbst eine Reihe von Jahrengehört hat, als lichtvoll und anziehend bezeichnet. In den Vorlesungen, die für einallgemeines Publicum berechnet waren, wie in der physischen Geographie und in derAnthropologie, kam ihn: seine umfassende Kenntnis der Natur und des Menschen-lebens und seine ausgezeichnete Belesenheit, so wie seine Gewalt über die Sprache zustatten, um sie anschaulich und interessant zu machen.
In seinen eigentlich philosophischen Vorlesungen verschmähte er die gewöhnliche