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Jugendlectüre, Jugendliteratur.
mit großer Sachkenntnis und methodischer Kunst eine Masse zerstreuten Stoffes inein prägnantes Gesammtbild zusammenzufassen; und für historische, namentlicharchäologische Gegenstände muß antiquarische Einsicht mit künstlerischem Geschick sichverbinden. (Und gerade hier ist großer Mangel an brauchbarem Material.) Von derDarstellung geschichtlicher Begebenheiten ist besonders charakteristische Treuezu fordern. Leichtfertige Bildnereien, die zu jeder beliebigen Schlacht eine beliebigeSchlachtensccne geben, sind schlechthin verwerflich. Uebrigens sollte die historischeMalerei der Jugendschrift nur Begebenheiten von wirklich weltgeschichtlicher Bedeutungdurch bildliche Darstellungen hervorhebcn. Jedes Bild endlich muß ausdrucksvollund verständlich sein und zugleich durch einen tiefen Inhalt das Interesse dauerndfesseln.
IV. Leitung der Jugendlectüre. Die nächste Aufgabe ist auf
1) eine pädagogische Auswahl der Lectüre zu richten. Und hierbei muß vorallem die Meinung zurückgewiesen werden, als ob es sich nur darum handle, ein Buchzu finden, das die müßigen Stunden des Zöglings mit unschädlicher Unterhaltung aus-fülle. Schleiermacher (Erziehungslehre S. 658) hält jedes Lesen zum Zeitvertreib,weil es „die lebendige Anschauung tödte, an den Tisch nagele und öffentlichen Lebensunfähig mache, für absolut scbädlich." In der That ist jedes Buch schädlich, das nichtsweiter ist als unschädlich. Es haben daher diejenigen nicht ganz Unrecht, die, wieStoy (Schrift und Jugend), es für das Sicherste halten, die Auswahl nur ausBibel und Klassiker zu beschränken und die gestimmte specifische Jugendliteraturauszuschließen. Nur ist zu fürchten, daß dem Lesetriebe des früheren Jugendalters,der einmal viel zu tief in einer allgemeinen Zeitrichtung und in der Verkünstelungder Familienverhältnisse wurzelt, als daß er schlechthin ohne Befriedigung gelassen wer-den könnte, mit Bibel und Classikern allein nicht angemessen genügt werden könne.Wir werden daher unsere Auswahl auch auf die eigentliche Jugendliteratur erstreckenmüßen, aber hier freilich auf in ihrer Art elastische Schriften. Niemeyer undBeneke erklären selbst gute Romane für zuläßig, und in der That werden Cooper,Steffens, Walter Scott u. a. selbst in sorgsam gewählten Schülerbibliothekendargeboten. Um recht zu wählen, bedarf es übrigens nicht nur großer pädagogischerEinsicht, sondern auch aufopfernder Gewissenhaftigkeit; denn wir meinen im Ernst, daßder Erzieher seinen: Zöglinge kein Buch in die Hand geben sollte, das er nicht selbstzuvor gelesen und für gut befunden hat.
2) Weise Mäßigung ist die nächste Forderung. Der Lesewuth muß mitEntschiedenheit entgegen gearbeitet werden. Die Schularbeit darf nicht durch Lesenzurückgesetzt, der ernste Arbeitssinn nicht geschwächt werden. Ebenso ist dahin zu sehen,daß die Freiheit der Bewegung in der Natur, in der Geselligkeit und in sclbstscbaffen-der und erfinderischer Thätigkeit, die so schon genugsam eingeengt ist, nicht auch nochdurch Lectüre mehr als billig beschränkt werde. — Ueberdies gelangt nur bei weiserMäßigung des Lesens das Gelesene selbst zu rechter Wirkung, d. h. nur dann, wennjedem einzelnen Buche Raum gelassen wird, deutliche und feste Vorstellungen in derSeele abzusetzen. Mit entschiedener Strenge muß daher der Lesehast gewehrt wer-den. Aber es dabei nicht genug, die Lectüre zu versagen; es muß vielmehr, wennnicht größere Gefahr entstehen soll, dafür gesorgt werden, daß die Mußestunden, inwelchen der Knabe seine Zuflucht zu Büchern zu nehmen pflegt, durch eine andereThätigkeit ausgefüllt werden; und diese Sorge ist zwar schwieriger, als das Darreichenvon Büchern, aber häufig auch viel verdienstlicher. Man entschlage sich der ängstlichenPädagogie, die in der Freiheit des wilden Knaben immer eine größere Gefahr erblickt,als in der Lesesucht des zahmen. — Neben dieser Mäßigung des Lesetriebs muß zu-gleich dahin gesehen werden, daß der Zögling
Z) mit Ausdauer und Besinnung lese. Eine solche Ausdauer läßt sichzwar nicht unmittelbar für jede Lesestunde Herstellen, sondern muß durch die Erziehungüberhaupt ungebildet werden; aber es kann wenigstens abwehrend verfahren werden,indem man Pausen eintreten läßt, in denen die gewonnenen Vorstellungen sich abklärenkönnen, und indem inan ein und dasselbe Buch nach Zwischenräumen immer vonneuem in die Hände des jungen Lesers spielt. — Ebenso ist eine gcwiße Einheitlich-keit der Lectüre zu fordern und das bunte Vielerlei und Durcheinander als gemein-