Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Jugendlectüre, Jugendliteratur.

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die Uebcrleitung von der Sage zur Geschichte zweckmäßig durch Erzählungen imHerodot'schen Ltile vermittelt und auf den weiteren Stnfen werden vorzugsweise her-vorragende Persönlichkeiten die Mittelpunkte historischer Gemälde bilden, aber auch ansich prägnante Begebenheiten nicht ausgeschlossen werden, denn die neuere Methode, die; ganze Weltgeschichte in Porträts cinzurahmcn, leidet an Uebcrtreibung. Wie aber> schon an den Bildern der Weltgeschichte ungesucht das Walten Gottes zur Anschauung

' kommen und der Patriotismus sich beleben wird, so wird endlich die Biographie

dem Jünglinge Weg und Ziel für seine eigene Entwicklung und seine eigenen Kämpfevorbilden. Ein reiches Material zur Darstellung deutschen Lebens und deutscher Tu-gend liegt iu trefflichen Biographieen vor und harrt noch großenthcils einer angemessenenBearbeitung für die Jugend.

In die Natur- und Völkerkunde führen am besten Rcisebeschreibungen ein,i welche nicht fertige Gemälde geben, sondern den Leser, wie die ausdauernde Arbeit derEntdeckung, so auchden Jubel des erobernden Geistes" mit empfinden lassen. Fürdie Naturgeschichte insbesondere werden zunächst Erzählungen aus dem Leben undHaushalte der Thiere dienen. Die Belehrung über technische Wissenschaften aberwird am besten an Biographieen sich anschließcn.

Auch der Stoff für die didaktische Jugendschrift muß aus elastischenWerken geschöpft werden. Als Motiv der Auswahl kann nur der Werth der Sachean sich entscheiden. Manche elastische Stoffe werden in ihrer ursprünglichen Fassunggegeben werden können, andere werden einer Bearbeitung bedürftig sein, und diese wirdes unbedenklich wagen dürfen, in freiester Weise wissenschaftliche Stoffe zu popülari-siren. Nur darf die Wahrheit nie ins Romanhafte verschwimmen, die Anmuth undLeichtigkeit der Darstellung nicht dem Ernste der Sache schaden und nicht dem Lesereigene Geistesarbeit ersparen. Im übrigen ist 'planmäßige Anordnung, Gleichmäßig-keit der Ausführung und des Colorits erforderlich, cncyklopädische Zerstückelung aberüberall verwerflich.

12) Sehr gewöhnlich ist die Ansicht, daß Volks- und Jugendschrist ziem-lich gleichbedeutend sei, und allerdings sollten beide in dem allgemeinen Begriffe desVolksthümlichcn sich einigen. Auch theilt das Volk mit der Jugend die Neugierdenach Fremdem, Fernem, Abenteuerlichem. Aber neben dieser Uebereinstimmung desGeschmacks finden sich zugleich hinsichtlich des Bildungsstandes und Bildungsbedürf-nisses beider so wesentliche Verschiedenheiten, daß selbst die echte Volksschrift nicht ohneweiteres Anspruch auf die Eigenschaft einer guten Jugendschrift machen darf. Nochviel weniger aber darf ein solcher Anspruch von den modernen Volksschriften erhobenwerden, die ihren Titel nur aus der Absicht herleitcu, zum simplen Volksverstandebocirend und amüsirend sich herabznlassen.

13) Auch für die Ausstattung der Jugendschrift mit Bildern und Illustra-tionen müßen feste Grundsätze befolgt werden. Während das Bilderbuch ohneSchrift verstanden werden soll, oder doch nur eines kurzen Textes zur Erläuterungbedarf, hat das Bild der Jugendschrift im allgemeinen nur den Zweck der Verdeut-lichung. Und hier ist zunächst weise Sparsamkeit zu empfehlen. Jeder Ueberflußan Illustrationen und Bildern muß schaden, indem hierdurch vornweg der Phantasiedie Selbstthätigkeit im Construircn von Vorstellungen erspart und diese Thätigkcit selbstmehr und mehr abgeschwächt wird. Bilder sollten daher nur für solche Gegenständeeintreten, welche ein schriftlicher Vortrag nickt genügend zu veranschaulichen vermag,oder für solche prägnante Sccnen, deren Belebung und Fixirung durch Zeichnung be-sonders erforderlich erscheint, immer aber in der Art, daß sie dem Leser eine geistigeArbeit durch die Zeichnung selbst, die verstanden sein will, von neuem bieten.

Als allgemeine Eigenschaft ist von dem Bilde der Jugendschrift künstlerischeVollkommenheit zu fordern, damit an ihm auch der Geschmack sich bilde; wenig-stens ist Unschönheit und Unrichtigkeit geradezu verwerflich. Unerläßliche Forderung istferner, daß nur wahre und charakteristische Bilder gegeben werden. Wahrheitist vor allem bei Abbildungen von Sachen zu fordern, z. B. für naturhistorischeGegenstände, bei denen überdies die Aufgabe dahin gerichtet sein muß, in dem Indivi-duum, das dargestcllt wird, zugleich einen charakteristischen Repräsentanten des ganzenGeschlechts zu geben. Bei geographischen Illustrationen kommt es darauf an,