Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Jugendlectüre, Jugendliteratur.

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triebs entstanden ist und nicht schlechthin durch Verbote, sondern nur durch die Gegen-wirkung einer guten Lcctüre beseitigt werden kann. Die Aufgabe muß daher dahingerichtet sein, daß eine gute Jugendlectüre beschafft und die gute gut ge-leitet werdet)

III. Eigenschaften einer guten Jugendschrist. 1) Die Jugendschrift hat dieAufgabe, durch belehrende Unterhaltung die Jugend in ihrer allgemeinen Bildungzu fördern. Sie soll ihr eine willkommene Erholung von der Schularbeit bieten unddoch zugleich eine Ergänzung des Schulunterrichts bilden. Von dem Schullesebuchcunterscheidet sich die Jugendschrift dadurch, daß jenes ausdrücklich zum Schulunterrichtebenutzt, von dem Lehrer erklärt und von dem Schüler bearbeitet wird, diese dagegenaus freier Liebe gelesen, ohne Hülfe eines andern verstanden werden soll und nur indieser (inductivcn) Weise die Sprachbildung fördern will. Es muß daher dem ent-sprechend die methodische Einrichtung beider Schriften verschieden sein. Dagegenmäßen beide in ihrem pädagogischen Zwecke übereinstimmen, den Gedanken- undAnschauungskreis zu erweitern, die Phantasie zu beleben und zu zügeln, edle Gesin-nungen und religiösen Sinn zu erwecken und zu nähren und den Geschmack zu bilden.Wenn aber der Grundsatz der Didaktik richtig ist, daß der Jugcndunterricht überhauptnicht eine subjective Lehre, sondern nur einen als bestes Eigenthum und treibende Kraftder Volksbildung bewährten Inhalt geben dürfe, und wenn diesem Grundsätze gemäßdas Schullesebuch schon seit Jahrzehnten zu der Erkenntnis gekommen ist, daß seinempädagogischen Zwecke nicht durch selbstcrfundcne Geschichten genügt werden könne, son-dern nur dadurch, daß es aus den bewährtesten Schätzen der NationalliteraturdasSchönste, Edelste und Reinste, das Gesundeste und Heilsamste darweiche" (Vichoff), soist damit auch für die Auffindung eines guten Stoffs der Jugcndschrift in: allgemeinender richtige Weg vorgezeichnct. Auch hier muß der Grundsatz gelten,daß das Bcstenur eben gut genug für die Jugend sei."

2) Das Beste aber, was die Lectüre geben kann und soll, ist die aus dentiefsten Quellen der Volksbildung entsprungene, dem Gesammt-bewußtsein der Nation als classisch bewährte und in das Volk ein-gelcbte Dichtung und praktische Weisheit, oder im weiteren Sinnealles, was als Welt- und Völkergabe verehrt wird." (Rosenkranz.)Von solchem Gehalte war auch größtenthcils die Jugendlectüre der Vorzeit.

Aus dem Begriffe des Classisch-Volksthümlichen crgiebt sich eine Eigenschaft, dievon der Jugcndschrift mit Nothwendigkcit gefordert werden muß, nämlich die einespädagogischen Zusammenhangs mit dem natürlichen Bildungsgängedes Heranwachsenden Geschlechts, denndaS Einzelne ist unbedeutend und unwirksam,wenn es allein bleibt, es muß in der Mitte oder an der Spitze einer langen Reihevon andern Bi ldungs Mitteln stehen, so daß die allgemeine Verbindung denGewinn des Einzelnen auffange und erhalte." (Herbart.) Die classisch-volksthümlichcnWerke bilden aber, wenn man von früheren Culturcpochen ausgeht, eben eine solchezusammenhängende Reihe von Bildungsmitteln, die, wie sie in der Entwicklung derCultur des Volkes wirksam gewesen sind, so es auch für den Entwicklungsgang desKnaben sein werden. Daß solche Mittel, die auf den früheren Entwicklungsstufen, wiesie der Knabe erst durchschreiten soll, gewirkt haben, nicht aus der Gegenwart heraus-gcdichtet werden können, läßt sich leicht begreifen. Tic Aufgabe eines Jugendschrift-

*) Das Gefährliche der Lcctüre beleuchtet Hollenberg't (deutsche Zeitschrift) unter anderemmit folgenden Worten:Die höher» Stände, die lesenden Stände leiden alle an demselben

Uebel, und diese? ist kein anderes, als der Mangel an Selbstbesinnung, das Doppel-leben in uns, vermöge welches neben einem dürftigen, vernachläßigten wirklichen Ich ohneFähigkeit der Selbstverleugnung und wahren Liebe ein bunte? Aggregat von allerlei schönenPhantastischen Vorstellungen und Gedanken in unserer Seele durch Lectüre entstanden ist, da?sich öfters an die Stelle de? Ich setzen will, das auch gerührt werden kann, da? kritische Urtheileabgiebt, das sympathetisch und abstoßend afsicirt wird, während der innere Mensch, wenn er sichgenau fragte, oft die gerade entgegengesetzte Empfindung in sich bewegen würde. Eine kräftigeBewahrung vor der genießlichen Träumerei des Geiste? wird nur in der hingebenden Arbeitfür das Ganze einer Gemeinschaft gegeben sein."

Pädag. Handbuch, l.