Jugendlectüre, Jugendliteratur.
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Thomas, Wenzig, Pütz u. a.) entstanden, die in bearbeiteten oder unveränderten Ex-cerpten ans größeren Werken eine Gallerte von geographischen Illustrationen für dieJugend zu geben suchen. Aber das ernstere Interesse, dessen manche dieser Schriftenwürdig wären, wird von ihnen abgezogen durch eine andere Art von Schriften, derenCharakter wesentlich darin besteht, daß sie die Geographie in die Reize eines Romanskleiden. Hier finden sich, aus Büchern aller Art, am meisten aus der modernen Reise-,Touristen- und Journalliteratur zusammengelesen, Bilder in verschiedenartigster Darstellungund in den verschiedensten religiösen und irreligiösen Koloriten. Das Allerwunder-barste, Außerordentlichste, Unglaublichste wird für den lüsternen Geschmack ausgesuchtoder eigens zugerichtet. Selbst bessere, wie Theod. Diclitz, der zuerst und zwaranfangs mit wirklich pädagogischem Lünne die geographische Romantik in die Jugend-literatur hereinzog, sowie O. W. v. Horn (z. B. in der Korsarcnjagd), Kör der u. a.verfallen in solche Ausartungen. — Charakteristisch für unsere Jugendliteratur sindendlich
8) die Bilder der Jugendschrift. Schon seit dem 14. Jahrh. pflegtendie Abschreiber die Ränder ihrer Bücher mit Bildern zu schmücken, deren explicativenWerth Thomasin mit den Worten bezeichnet, sie seien für den Bauer, der die Schriftnicht verstehe. In den Drucken des 15. Jahrh. machten die Holzschnitte meistens deneigentlichen Kern des Buches aus, während die Erzählung zu kurzen Sätzen ein-schrumpfte. Die Bildnerei war aber in zweifacher Richtung thätig; zunächst dientesie kirchlichen Motiven, indem sie sich auf Legenden, Mariengcschichten und anderemystische und fromme Werke warf (Gervinus, II. 319. Heller, Geschichte derHolzschneidekunst, Beil. 2), und daneben auch Schriften, wie der „Sele Trost", mitHolzschnitten zierte, bis sie (inj 16. und 17. Jahrh.) vorzugsweise der Bibel sich zu-wandte und hierbei bald von den groben Holzschnitten der sogen. Laienbibel bis zudm schönen S andrart'schen Kupfern zur Nürnberger Foliobibel sortschritt (vgl. d. Art.Bilderbibel). Die weltliche Richtung der Kunst dagegen trat etwas später, namentlichin den trefflichen Holzschnitten jvon Hans Burg meier zum Theuerdank und Weiß-kunig hervor, schmückte die neubearbeitete Kirchenchronik von Gottfried von Viterbo mitSandrarts Kupfern und setzte sich in dem Tüsutrum Iluropusum u. a. Werken fort.
Als pädagogisches Mittel trat die Bildnerei erst nach dem Untergang der echtenKunst auf, nämlich im Orbis piotus (1658), der bald viele encyklopädstche Bilder-werke hervorrief und noch neuerdings (1856) in Lauckhardts Orbis piotus eineVerjüngung erhalten hat. Der Jrrthum des Comenius, als ob Bilder hinreichten,„die Welt im Originale kennen zu lernen", zog sich auch noch durch Basedowsvielbändiges Elementarwerk (1774) fort. — Das Bilderbuch wurde nun ein starkcultivirtcs Mittel der Erziehung und — ein sehr kostbares. Alles vorhandene über-traf Bertuchs Bilderbuch (1790— 1832, 85 Thlr.), dessen künstlerischen undinstructivcn Werth noch jetzt in gleicher Ausdehnung kein anderes Bilderwerk er-reicht hat.
Auch als beiläufige Explication der Jugendschrift wurde das Bild angewendet,z. B. in Schröckhs Weltgeschichte mit Kupfern von Rode (1786, 8 Thlr.), indem „historischen Bilderbuch" (auch unter dem Titel: Geschichte der Teutschen 1797bis 1805, 8 Bde., 20 Thlr.), in Campes versificirter Weltgeschichte, und wohlam besten in der moralischen Bilderbibel von Lossius mit Kupfern nach der Zeich-nung von Schubart (5 Bde., unter dem Titel Bildersaal fortgesetzt von Schultze).Aber im ganzen waren Bilderbücher ohne Text oder mit kurzer Erklärung vielhäufiger, als bildliche Illustrationen zum Text.
Erst in neuerer Zeit hat sich das Verhältnis umgekehrt gestaltet. Das Bilder-buch dauert zwar in einzelnen Erscheinungen noch fort, namentlich im geographischenund naturhistorischen Fache, wie in Emil Wendts Album für Länder- und Völker-kunde (1847—1850 mit 5—600 guten Abbildungen), in der „systematisch geordnetenBildergallerie" im Herder'schen Verlag, sowie auf dem historischen Gebiete in der„deutschen Geschichte in Bildern" re. mit Text von Bülau und für das zartere Alterin Fr. Gülls „systematischer Bilderschule", den Münchener Bilderbogen u. dgl. m.Aber an Umfang und pädagogischer Bedeutung hat das Bilderbuch verloren, währenddagegen die beiläufigen Illustrationen zum Texte der Jugendschriften zu einem luxuriösen