Jugciidlcctürc, Jugendliteratur.
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Motive sich beschränkt und das Interesse in naiver Weise nach dem Frieden einerirdischen und himmlischen Heimat hinzulenkcn versteht*). — Eine Verbesserung derJugendliteratur bilden oder versuchen wenigstens
6) die volksthümlicheu Iugendschriftcn. Pestalozzi und Hebel,die Meister in volksthümlicher Schriftwcise, hatten in später Zeit, jener in JeremiasGotthclfs treuherzig-kluger Baucrneinfalt, dieser in B. Auerbachs poetischemTorflebcn, einen Hauch ihres Geistes sortgepflanzt und ihnen nach weckten W. D.v. Horns, Glaubrcchts, Redenbachers ec. Schriftcn im weitesten Kreisedie Liebe für Schilderungen ländlicher Zustande. Diese volksthümliche Richtung übteihren wohlthuenden Einfluß auch auf die Jugendliteratur. Manche, wie hin undwieder Nieritz, fanden den Weg zu volksthümlichcn Stoffen und auch den rechtenTon dazu. G. H. v. Schubert zeigte in seinen biographischen Erzählungen,namentlich in seinem Prinzen Eugen, sich größer und wirksamer als in allen seinengefühlrcichen Geschichten; auch D. W. v. Horn, Körb er u. a. trafen in einigenihrer populären Kindcrschriftcn nahezu au das Ziel. Von noch größerer Bedeutungaber waren die Versuche, die Quellen uralter, abgeklärter Volkspocsie und Volkssagein nnsere Jugendlectüre überzuleiten. Das Märchen, diese „fast verlorene, unschein-bare, aber reine und köstliche Perle unserer Volkspocsie" (Vilmar) wurde von denBrüdern Grimm in Schrift gefaßt und entzückt noch jetzt unsere Kinder (s. d. Art.Märchen). — llcbrigens hat unter den vielen, welche der Gritnm'schen Spur folgten,kaum einer mit gleichem Takte zu sammeln verstanden. Wenn wir W. HauffsMärchen ausnehmen, so finden nur in allen diesen Sammlungen, auch in den besseren,nur wenig Echtes und Werthvolles. Jedenfalls schaden sie durch Ueberhäufung; denneine mäßige Sammlung echter Märchen wäre genügend für unsere Jugend.
Wirklich dem Volks- und namentlich dem Muttermunde abgclauscht ist eine andereArt der Kinderpoesie: die Wiegen- und Ammen-, Spiel- und Ringclreihcn-lieder, Kindersprüche und Kinderverse und all der lustige Klingklang undsinnige Unsinn, wie er jetzt in „des Knaben Wunderhorn" von A. v. Arnimund Clemens Brentano (3 Bdc. 1806), in Wcikerts Kindcrgärtlein, in der schönenEßlinger Liederfibel, bei Pocci und K. v. Raumer, in der Ammen uh r mitmir ihren charakteristischen Zeichnungen, bei Ernst Meier und besonders in demdeutschen Kinderbuche von K. Simrock (1848) sich gedruckt findet. Diese Schriftenhaben ein culturhistorisches Interesse; aber im ganzen sind sie nicht viel mehr, alsrührende Grabdenkmale einer erstorbenen Kinderpoesie.
Bedeutender ist der Gewinn aus der Sagenlitcratur, welche ebenfalls mitHülfe und aus Anregung der Brüder Grimm (deutsche Sagen 1806—18, 2 Bde.)mehr und mehr auch der Iugcndwclt erschlossen wurde. S. Marbach gab 52Bändchen (1838—1849) und K. Simrock mit weiserer Auswahl und auch innaiverer Fassung 3b Bdc. Volksbücher heraus. — Weit besser als sie und selbst alsdie derbmarkirte, kernige Sprache der Grimm, traf der elegante Stil G- Schwabsin seinem Buche der „schönsten Sagen und Geschichten für Alt und Jung" (auchunter dem Titel: die deutschen Volksbücher, 4. Anfl. 1859, mit Illustrationen) denGeschmack der Zeit. Auch hie edelsten Schätze, Nibelungen, Gudrun, so wie Fritjofs-sage, Wilhelm von Aquitanien u. s. w. sind nunmehr durch Ferd in. Bäßler (1843),K. W. Qsterwald (1848—51), Krieger, O. Klopp (1851), Adolph Bac-meister (das Nibelungenlied für die Jugend bearbeitet, mit Schnorr'schcn Zeich-nungen, 1858), in ziemlich lesbaren Bearbeitungen der Jugend zugänglich geworden.Freilich liegt unserer Jugend jene Sagenwelt zu fern, um von ihr aus der Gegen-wart heraus unmittelbar begriffen, und doch auch zu nahe, um ganz objectiv mitruhig beschaulichem Sinuc aufgcfaßt zu werden. Schlegel zwar empfahl dasNibelungenlied als Hauptbuch der Erziehung; Gcrvinus dagegen räth zur äußerstenVorsicht und will es höchstens für Primaner zulasten. Das Bedenken gegen jene
*) Eine rühmliche Ausnahme macht auch die vielgelesene Schrift von der st Frau Rath usins:Aus dem Tagebuch eines armen Fräuleins, ein Büchlein, das daS Christliche mit oem Roman-haften mit Glück zu verbinden sucht.