Jugendlectüre, Jugendliteratur.
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von Schmid aus Schwarzenberg in seiner Pädagogik vcrtheidigt und in seinenKindcrschristen befolgt wird. Der vorherrschend banausischen Tendenz solcher Büchersuchte man
2) in den moralischen Kinderschriften ein Gegengewicht zu geben. Aberdie Moral wurde dabei zunächst nur an einer Mustcrkarte von allen erdenklichen kleinenKindcrunarten und Kinderartigkeiten gelehrt, ohne einen Gedanken an die eine Quelle,aus der alle Tugenden lebendig hervortreiben. Zuletzt vollendete sich der Schematismusund die Ueberhäusung in C. L. Simons (im einzelnen ziemlich guten) „Beispielendes Guten und Bösen, nach der Pflichtenlehre geordnet" (1837) und in Franz Hoff-manns 360 moralischen Erzählungen für Kinder von 5—8 Jahren ( 1848 — 50 ).Schon die handgreifliche Absichtlichkeit eines solchen Tugendunterrichts schwächt dieWirkung. Jene Kleinmeisterlichkeit mußte aber zugleich zur Unwahrheit führen;denn indem man Kinder zu Tngendhelden machen wollte, kamen wesenlose Engclchenund lächerliche Zierpüppchen heraus. Und doch wimmelt noch jetzt jeder Weihnachts-markt von ähnlichen Schriften, nur daß nunmehr die kleinen Helden auch colorirt zusehen sind, und daß wohl auch, echt pädagogisch, die pädagogischen Künste der Elternaus den Coulissen hervorgezogcn und den Engeln von Kindern zur Folie Teufel vonStiefmüttern oder Pflegevätern beigegeben werden. Viele dieser Geschichten verfallenbei ihrem Jdcalisiren zugleich in eine Sentimentalität und Ueberschwäng-lichkeit, die ganz dazu angethan ist, aus natürlichen Kindern empfindsame Narren -zu machen. Solche Schriften (wir erinnern nur an die versisicirten Kinderkomödicnvon Ernst v. Hon Wald, 1839) fließen über von rührender Kinderliebe, erstaun-licher Wohlthätigkeit und unerhörtem Edelmuth; die heiligsten und geheimsten Regungendes kindlichen Herzens werden theatralisch herausparlirt, und die Hätscheleien undLiebesbezeugungen, mit denen „Herzenseltern" und „Herzenskinder" sich stets in denAnnen und am Halse liegen, treten in widrigster Weise -hervor. Am stärksten sinddarin schriftstellernde Damen, wie z. B. Therese Huber, die in ihrer „Weihe derJungfrau" die jungfräuliche Schau: durch declamirendes Bloßlegen ihrer heiligstenRegungen wahrhaft entweiht.
Hiermit zusammen hängt die altkluge Reflexion des Kindes über das Glückund die Unschuld seiner eigenen Kindheit, wie sie namentlich in poetischen Kinderschriftenaufzutreten pflegt. Selbst der sinnige und kindliche Hey streift in seinem: „Ein Herz,ein Herz Hab' ich in der Brust" re. und „Zwei Augen Hab' ich re." an diese Reflexions-Weise. Zu welcher Widerlichkeit und Leichtfertigkeit aber eine solche S>elbstbespiegelungausartcn kann, ist z. B. bei der viel verkauften Thekla v. Gumpcrt (im Tochter-Album, 1858) in dem Aussatze „die Metamorphose der Backfische" zu sehen. — Einealtclassische Form der Moral,
3) die Fabel, ist von der modernen Kinderlitcratnr zumeist alten Quellen ent-lehnt und nur in einer besonderen Art, die wir die fabulirende Kinderpoesienennen möchten, einigermaßen selbständig sortgebildet worden. Der glückliche Erfinderdieser Gattung wurde Wilhelm Hey (Superintendent in Ichtershausen, ft 1854),aus Anregung von Otto Speckters sinnigen Zeichnungen, die er mit illustrircndemText begleitete. Seine 50 Fabeln für Kinder (1833) sind nicht immer eigentlicheFabeln, sondern oft nur Personificationen der Natur, aber durchweg liebliche, mit liebe-vollem, kindlich reinem und echt poetischen: Sinne ausgeführte Bilder. Nur die zweiten,die Moral enthaltenden Verse, die, um das Octavformat auszufüllen, nachträglich bei-gefügt werden mußten, tragen die Spuren der Absichtlichkeit. Hcy's Fabeln habenneben der Wirkung ihres Werthes noch in zweifacher Hinsicht bleibenden Einfluß ge-übt; sie haben mit ihrem reinen Kindcrton der Jugendliteratur eine neue Spur zu demfrühesten, noch buchstabirendcn Kindesalter verrathen und zugleich durch Speckterslebensvolle Zeichnungen den Holzschnitt wieder zu Ehren gebracht. Der von Heyangeschlagene Ton klingt in zahlreichen Variationen nach, so bei Fröhlich, FriedrichGüll, Pocci, Reinick, Diefsenbach u. a. Das Vorbild ist aber von keinemerreicht worden, auch nicht von Hey selbst in seiner zweiten Reihe von 50 Fabelnund in seinen Texten zu Prätorius Kriegspferd und H. I. Schneiders „dasKind von der Wiege bis zur Schule". Dagegen sind Speckters Holzschnitte vonvielen, z. B. von Pocci, L. Richter und anderen Dresdener Künstlern, mit Glück