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1 (1877) A - Liebe
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Jugendleetüre, Jugendliteratur.

des Pfarrers von Mainau (2 Bde. 1825), in denen die Darstellung eines anmuthigenStilllebens und edler (nur hie und da durch einen weichlichen Zug geschwächter)Charaktere eine tief sittigende Wirkung nicht verfehlt. Noch weit bedeutenderenEinfluß aber übten einerseits die Brüder Grimm, die mit ihren köstlichenKinder-und Hausmärchen" (1812) der Jugend einen neuen Hauch frischen Lebens zuführtenund die Jugendliteratur selbst auf eine neue Spur lenkten, und nach einer anderenSeite hin der Domherr Christoph v. Schmid, der in seiner biblischen Geschichtefür Kinder (6 Bde. 1801, später in mehr als 20 Ausl.) und in seinenmoralischenErzählungen" auf biblisch-christlichen Grund zurückgicng, dabei nach altem LcgcndenstoffGenovefa 1819) und nach einfach rührenden Bildern aus der alten Nitterzeit (Ostereier1819, Heinrich v. Eichenfels, Rosa v. Tannenburg) zurückgriff. Seine freundlicheAbsicht, seine herzliche Kinderliebe und seine christliche Gesinnung, obschon diese mit-unter zu tendenziös hervortritt, gewann ihm die Herzen; von Jung und Alt wurdeer mit Liebe und selbst Erbauung gelesen. Auf die Entwicklung der Jugendliteraturselbst übte er bedeutenden Einfluß, und zwar nicht allein innerlich durch seine christlicheTendenz, sondern auch äußerlich durch seine Wohlfeilheit. Erst des frommen undlieben Domherrn 9- und 12- Kreuzer-Büchlein fanden ihren Weg auch zu den unternSchichten der Bevölkerung und setzten sich als erster Keim der Kinderbibliotheken fest,die man nunmehr auch für Dorfschulen zu errichten für Pflicht hielt.

7) Der neu erweiterte Markt aber wurde alsbald von hundert und aber hundertConcurrenten ausgebeutet, und unter diesen zeichneten sich durch Industrie und Beliebtheitvor allen zwei aus. Gustav Nieritz begann (1829), von Salzmanns Sitten-büchlein begeistert und vom Hunger getrieben, den ersten der kleinen Kinderromane,deren Zahl auf über hundert gestiegen ist (s. seine Selbstbekenntnisse in SchwerinsCentralblatt für deutsche Volks- und Jugendliteratur, 1857, 1. Heft), uud 10 Jahrespäter folgte Franz Hosfmanu, der auf Grund eines Buchhändlercontractes noth-gedrungcn und, wie er selbst rührend eingestcht (Schwcrdts Ccntralbl. 1857, 3. H.),nicht ohne Widerwillen und Schmerz mitunter in einem Jahre 20 Stücke für "dieJugend schrieb. Nieritz zeigt bei einer gewißcn Weichlichkeit doch gute Gesinnung,weiß ^ oft rührende Saiten anzuschlagen und ist mitunter glücklich in der Wahl desStoffes; F. Hoffmann dagegen versteht in gleicher Weise die Kunst, das Interessehaarsträubend zu spannen und das Interessante ins Langweilige zu verwässern. DieSpeculation auf den Phantasiereiz ist indes bei ihm noch mehr als bei Nieritz fast dieeinzige Tendenz seiner «Schriften. In der Flut solcher Schriften sind bessere, wie z. B.Vogels Kinderfreund (183639, 12 Bde.), zu dem K. Bormann, A. Merzet,H. Gräfe beitrugen, fast spurlos verloren gegangen.

Die Worte Gedike's (s. o.) gelten im verstärkten Grade für unsere Zeit. DieJugendliteratur ist in unseren Tagen das üppigste Feld der Pädagogik und zugleichdas am meisten verwahrloste. Die Masse der Producte hier zu registriren, ist aberso unmöglich, als es unersprießlich sein würde. Wir beschränken uns daher auf denVersuch einer

d. übersichtlichen Charakteristik der modernen Jugendliteratur.

1) Die philauthropistisch-realistischen Schriften. In angenehmerUnterhaltung den Kleinen unmerklich allerlei nützliche Kenntnisse beizubringen, war derwesentliche Zweck der Basedow'schen Schule. Diesem Zwecke sollte die breite Verständ-lichkeit und die kinderfreundliche Herablassung dienen. Unter dein Einflüsse solcherSchriften, durch welche die Kinder in den Horizont, über den sie hinausstreben solltenund auch möchten, zurückgedrängt und zur Weichlichkeit, Selbstgefälligkeit und Nase-weisheit erzogen wurden, wuchs die Jugend heran, die in den nächsten Jahrzehntenfür die höchsten Güter der Nation kämpfen uud sterben sollte. Dazu kam die päda-gogische Lehre, daß man Kindern nur Wahres und Wirkliches, nur vcrstandesmäßigGreifbares erzählen dürfe. So entstanden jene Schriften, die, um wahr zu sein, dietiefe Wahrheit des Wunderbaren, Unbegreiflichen und Idealen aus dem Bilde desLebens strichen, um nach einigenabstracten Regeln des sogenannten gesunden Menschen-verstandes für die hausbackene Welt dieses Verstandes selbst" (Waitz) zu erziehen.Und die Spur jener Verirrungen zieht sich selbst durch unsere neueste Jugendliteraturfort, wie denn z. B. die Lehre von der handgreiflichen Wirklichkeit noch neuerdings