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Jesuiten, Jesuitenschulen.
sittlichen Persönlichkeit von allen falschen menschlichen Auctoritäten, andererseits allseitigeAusbildung derselben für ihre gottgeordnete Bestimmung. — Wenn nun die alte Kirchedem neuen Princip gegenüber ihren Besitzstand retten und wieder befestigen wollte, somußte sie einerseits das Princip der Auctorität mit rücksichtsloser Consequenz zumPanier erheben; andererseits aber mußte sie sich doch auch Mühe oder doch wenigstensden Schein geben, als wollte und könnte sie dem menschlichen Geiste für seinen Wissens-uud Wahrheitstrieb und dem christlichen Gewissen für sein Versöhnungs- und Selig-keitsbedürfnis eben so vollgültige, ja noch leichtere Befriedigung bieten, als das evan-gelische Christcnthum.
Man sah bald, daß die päpstlichen Bannflüche und tridentinischen Anathemc wiedie Scheiterhaufen der Inquisition nicht ausreichten. Man mußte dem Feind auf die-' jenigen Gebiete folgen, wo er seine Stärke besaß. Namentlich mußte inan auf demGebiete der Erziehung und des Unterrichtes dem Protestantismus eine erfolgreicheConcurrenz zu machen versuchen, um durch Beherrschung der jüngeren Generation dieWillen und Geister allmählich wieder unter die alte Auctorität zu beugen. Die Refor-mation hatte ja keinen einflußreicheren Vorläufer und Mitarbeiter gehabt als den ,
Humanismus. Umgekehrt hatte die evangelische Kirche von Anfang an auf die Neu- k
gestaltnng und Besserung des Schulwesens nach seinen verschiedenen Seiten und Stufenein Hauptaugenmerk gerichtet. H^r galt cs also dein Bunde des Evangeliums mit
der Wissenschaft und allgemeinen Bildung eine ähnliche und doch wieder gänzlich ver-
schiedene heilige Liga des römischen Auctoritätsprincips mit der Wissenschaft, einekatholische Erziehung und katholische Wissenschaft entgegenzustellcn.
Zu solcher Gegenwirkung gegen die rcformatorischen Principicn bedurfte es einerNeubclebung der alten Formen, einer neuen noch schärferen Zuspitzung der hierarchi-schen Organisation, einer praktischen Anpassung des Alten an die neuen Ideen undBedürfnisse.
Da gieng — gerade in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts — aus demalten Stamme des Mönchthums ein neuer Zweig hervor, ein kirchlicher Verein, dernicht eine beschauliche Zurückziehung von der Welt, sondern die praktische Wirksamkeitin Kirche und Welt, den allscitigen und energischen Kampf wider die neuen Ideensich zum Zweck setzte, und diesen Zweck mit rücksichtslosester Consequenz und mit einerseltenen Mischung schwärmerischer Hingebung und bewußtester Verständigkeit, starrerFestigkeit und elastischer Schmiegsamkeit verfolgte. Vernichtung der Reformation undUnterwerfung der Welt unter die absolute Herrschaft des Papstthums ist das Ziel desJesuitenordens; Mission, Predigt und Beichte, Jugendunterricht und Erziehung dievornehmsten Mittel zum Zweck.
Ein seltenes Zusammentreffen der scheinbar entgegengesetztesten psychologischen Fac-toren, geistiger Beschränktheit mit einem weit reichenden Blick, phantastischer Schwär-merei mit bewußter Verständigkeit, einer bis zur Willenlosigkeit gehenden Unterwerfungunter fremde Auctorität mit eiserner Willensfestigkcit in der Verfolgung des einmalerfaßten Zieles, ist es, wodurch schon der Stifter des Ordens, der Spanier DonJnigo, oder wie er sich später nannte, Ignatius von Loyola, sich auszeichuete(vgl. über ihn besonders Ranke, Geschichte der Päpste Bd. I. S. 180).
Zur pädagogischen Wirksamkeit schien freilich der spanische Ritter weder geborennoch erzogen zu sein. Erst spät, nachdem seine Verwundung zu Pampelona 1521 ihnvom weltlichen zum geistlichen Ritterthum geführt hatte, begann er, 33 Jahre alt, zuBarcelona das Studium der Grammatik. Bei all seinem Eifer ließ doch theils seinvorgerücktes Alter, theils seine schwärmerische Ueberschwänglichkeit ihn keine raschenFortschritte machen. In Paris, wohin sich I. 1528 begeben hatte, gelang es ihm,seine grammatischen Studien so weit zu fördern, daß er zum Studium der Philosophieuud Theologie übergehen konnte. Aber so beschränkt auch seine wissenschaftlichen An-lagen waren, so dürftig seine gelehrten Kenntnisse blieben, so besaß I. dennoch Eigen-schaften, die ihn zum erziehenden Einfluß in ausgezeichneter Weise befähigten: eine fastinstinctmäßige, durch aufmerksame Sclbstbctrachtung gesteigerte Menschenkenntnis undein angeborenes, in der Schule der Selbstbeherrschung ausgebildctes Hcrrschertalent.Dadurch gelang es ihm, einen kleinen Verein Gleichgesinnter um sich zu versammeln,die, an geistiger Begabung und Bildung ihm zum Theil weit überlegen, doch alle