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1 (1877) A - Liebe
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Instrumentalmusik.

Schaden, wenn er nichts dergleichen gelernt hat, also nicht einmal im Stande ist, sichein Lied zu accompagniren.

Niehl hat mit Recht (in seinenmusikalischen Charakterköpfen," I. S. 207 f.)darauf aufmerksam gemacht, wie viel mehr unsere Großväter einst Quartette und selbstSymphonien (für kleines Orchester) als Hausmusik im Freundeskreise spielten als wirwas allerdings auch darin seinen Grund hat, daß ein Beethoven'sches Quartett undvollends eine Symphonie dieses Heros ganz andere quantitative und qualitative Forde-rungen stellt, .als die Haussymphonien von Pleyel und selbst manche Quartette vonHaydn. Allein unsere elastisch - musikalische Literatur ist reich genug, um für alleStufen der musikalischen Fertigkeit das Rechte in Hülle und Fülle darzubicten. Esliegt also alles nur daran, daß 1) in den Familien nicht alles bloß in Clavier undGesang Unterricht erhält, sondern daß die Knaben auch Orchesterinstrumente lernen; unddaß 2) an Lehranstalten jeder Art wo immer möglich für guten Unterricht zumeist aufden Streichinstrumenten gesorgt und frühzeitig ans den Schülern schon ein mmemblegebildet wird. Der Unterricht selbst, soweit er nicht aller Musik überhaupt gemeinsamist, hat für jedes Instrument seinen eignen, durch die Natur und Bestimmung des-selben bedingten Gang; ein Lehrbuch oder Leitfaden (eine Violinschulc, Flötenschule rc.)ist eigentlich nur nöthig und ersprießlich, um die nöthigen, methodisch geordnetenUebungsstückc darzubicten. Die Hauptsache, die Erzeugung des reinen schönen Tones,die vielfachen Schattirungcn des Vortrags, die steigende Fertigkeit in der Handhabungaller Tonmittel, die das Instrument gewährt, das alles erfordert schlechterdingseinen tüchtigen Lehrer und kann durch bloße schriftliche Anweisung niemals erlangtwerden. Welche Instrumente gewählt werden sollen, können wir hier natürlich nurbeziehungsweise sagen. Für das weibliche Geschlecht muß das Clavier als Haupt-instrument wohl beibchaltcn werden; Guitarre und Zither genügen nur auf einemhöchst bescheidenen Standpuncte, weil dies sehr arme Instrumente sind; die Harfe aber,so schön sie sich in weiblichen Händen ausnimmt, und so herrlich, so hochpoetisch dasHarfenspiel ist, bietet dein Dilettanten mehr Schwierigkeiten dar und hat im Vergleichmit denr Clavier doch eine beschränkte Sphäre. Die eigentlichen Orchesterinstrnmenteeignen sich aus verschiedenen Gründen für Frauen nicht; Blasinstrumente namentlich ent-stellen den weiblichen Mund allzu häßlich, als daß die Aesthetik diesen Frevel gestattenkönnte. Dagegen ist auch für die weibliche Hand der Uebergang vom Clavier zumHarmonium und zur Orgel ein leichter und denjenigen anzurathen, die es mit musika-lischen »Studien ernstlicher meinen und Physisch kräftig genug sind, um das großartigstealler Instrumente zu beherrschen. Sehen wir uns sofort im weiteren Kreise um, soist es meist zufällig, daß ein Junge an dieses oder jenes Instrument gerätst, weit ergerade dieses zu hören oder zu sehen Gelegenheit gehabt hat. Oder stellt sich in einemInstitut das Desiderium heraus, daß, um etwas Ganzes auszuführen, dieses oder jenesInstrument noch fehlt, somit der eine oder andere Zögling veranlaßt wird, dasselbe zuerlernen. Die Wahl hängt zum Tsteil auch von physischen Bedingungen ab; werschwach auf der Brust ist, den darf man nicht zum Bläser bestimmen. Ist in derWahl des Instruments keinerlei Rücksicht zu nehmen, also nicht etwa dasselbe Instru-ment in einem Geschwister- oder Freundeskreise schon genügend'vertreten, ist auch durchentschiedene Vorliebe keine besondere Disposition für ein Instrument indicirt, so kanngar kein Zweifel sein, daß der Violine vor allen der Vorrang gebührt. Nächst Clavierund Orgel bedarf sie am wenigsten der Bcihülfe anderer Instrumente; wo aber solchevorhanden sind, da ist cs wieder die Violine, an die sie alle sich am leichtesten an-schließen, durch die sie höhern Schwung bekommen; schon ein Claviertrio, noch mehrein Streichquartett entwickelt ganz andere Tonmassen und Tonschönheiten, als der größteBravourspicler dem Clavier allein entlocken kann. Die Flöte freilich ist leichter, aberauch viel ärmer und einförmiger; so schön sie im Orchester in einzelnen Solostellenwirkt, so gut sich auch ihr Zusammenspicl mit dem Clavier oder mit Streichinstrumen-ten macht: wenn sie längere Zeit allein dominirt, so ermüdet ihr Ton das Gehör. Was von der Violine gesagt ist, gilt in secundärer Weise auch von der Violaund dem Violonccll; crstere lernt jeder leicht, der Violin spielt, und auch das letz-tere ist, wenn mit einem kleinen Exemplar begonnen wird, einem gesunden Knaben