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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Industrieschulen.

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die Kinder sich ihren Unterhalt verdienten. Das Unternehmen mußte bald wieder auf-gegeben werden; gleichwohl war dieser Versuch ein Samenkorn, das viele andere Händeergriffen, und mit mehr oder minder Geschick und Erfolg ausstrcuten. GelungenereAusführungen des Pcstalozzi'schen Gedankens konnte man in den Anstalten Feilen-bergs warnehmen. Hier kommt besonders die im Jahr 1804 gestiftete Armcnschuleunter Wehrli in Betracht, welche seitdem Muster für viele ähnliche Anstalten nicht nurin Deutschland, sondern auch in Frankreich, Belgien und England wurde. Die Zög-linge waren nicht die Kinder von Gemeinden, wie sie die arbeitenden Elasten darbotcn,sondern eine Auswahl von armen, bettelnden, vagirenden, aus Strafanstalten entlassenenKindern, die man aus dem Verderben zu retten und zu einem geeigneten Berufe tüchtigzu machen suchte.

In Deutschland ist vor allem der Anstalten des Rauhen Hauses zu gedenken,in welchen bedürftige Kinder neben der sittlichen Erziehung zugleich zu allen Feld- undHausgeschäfteu und mehrfachen gewerblichen Arbeiten angeleitet werden, und zwarin der Form des Familienlebens. In einer Linie mit ihnen stehen die sogenanntenKinderrettungsanstalten, die sich in steigender Zahl über ganz Deutschlandverbreiten; s. d. Art. Rettungsanstalten.

So fruchtbar sich die Pestalozzi'sche Idee in der Reihe der genannten Anstaltenentwickelt hat, so sind das alles doch nur abgeschlossene Institute. Es lag aber inder Idee der Trieb, die engen Grenzen der Anstalten zu sprengen und sich eine nähereVerbindung mit der Volksschule zu verschaffen. Und in der That hat es an Versuchennicht gefehlt, für die Besucher der Volksschule ebenfalls Arbeitsschulen zu errichten, indenen sie bestimmte Stunden des Tages unter besondern Lehrern oder Lehrerinnen zumancherlei Handarbeiten angcleitct wurden. Dieser Zweck an und für sich, aber auchder weitere, die Schuljugend vor Müßiggang zu bewahren und ihr Gelegenheit zueinem kleinen Verdienst zu geben, empfahl die Sache sehr, wie denn auch das Hunger-jahr 1817 allgemein zur Errichtung von Industrieschulen einen Anstoß gab.

Im Jahr 1793 wurde in Berlin eine Erwerbschule für arme Mädchengegründet, in welcher neben dem Schulunterricht genäht und gestrickt wurde. DieSchule gab 1853 800 bis 1000 Mädchen Beschäftigung mit einem jährlichen Ver-dienste je von etwa 3'/- Thlr. Mehrere ähnliche Anstalten wurden 1817 im Oden-wald ins Leben gerufen durch die Fürstin von Erbach-Fürstenau. Für Michelstadtund die Umgegend wurde eine Arbeitsschule errichtet; sie nimmt ihre Schülerinnen mitdem Eintritt ins schulpflichtige Alter auf und beschäftigt sie fünfmal in der Wochetäglich 3 Stunden. Man bezahlt ein Schulgeld, für das Stricken 4 kr., Nähen 6 kr.,Hackeln 5 kr. in der Woche. Aermere Kinder bezahlen nichts und werden anfangs vonihrem Arbeitsverdienst gekleidet. Die Fabrikate werden theils durch Verkauf, theilsdurch Lotterie verwerthet.

Diese und ähnliche Arbeitsschulen gehen neben der Volksschule her und haben mitihr nur die Schüler gemein, die aber außer der Schulzeit unter eigenen Lehrern be-schäftigt werden. Dieselbe Stellung nehmen die JndusUieschulcn in Straßburg undLyon ein. Noch enger ist die Verbindung der Industrieschulen mit der Volksschuleund noch häufiger ihre Einführung in den Gemeinden in Belgien.Hier werden in den Fabrikbezirkcn die Mädchen den ganzen Tag meist mit Spihen-klöppeln, daneben aber auch, um Einseitigkeit zu vermeiden, mit Stricken, Nähen,Spinnen beschäftigt, und zwischen den Arbeitsstunden und auch Abends in täglichen2 Schulstunden in den gewöhnlichen Schulfächern unterrichtet.

Aehnliche Schulen wurden aus den gleichen Gründen im sächsischen Erz-gebirge und Voigtlande für die aussichtslosen Kinder der Arbeiterfamilien ge-gründet. In diesen Schulen herrschte die Rücksicht auf sittliche Bewahrung und aus-giebigen Verdienst vor, wie noch mehr in den Kindcrbeschäftigungsanstalten, die anvielen Orten errichtet wurden, in welchen die Kinder Spinnen, Spulen, Schuh-, Stroh-,Korbflechten und dgl. treiben.

In Württemberg wurden im Theurungsjahr 1817 in allen Gemeinden Wohl-thätigkeitsvereine gestiftet und ihnen besonders auch die Gründung und Unterhaltungder Industrieschulen übertragen. Ihr ausgesprochener Zweck war: Hebung in denPädal,. Handbuch. I. 41