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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Individualität.

Industrieschule».

Recht und Pflicht der Individualität in das richtige Verhältnis zu setzen, gehörig nach:kommen, so ist vor allem nöthig, daß er die Individualität seiner Zöglinge erkenne.Freilich nur in den wenigsten Fällen wird ihm eine bestimmt ausgesprochene Anlageund Neigung deutlich entgegentretcn, am deutlichsten in dem freilich auch seltenstenFalle einer wirklich genialen Begabung. Tritt auch bei Köpfen von mittlerer Be:gabung eine bestimmtere Neigung hervor, so ist diese um so mehr zu unterstütze», alsdie Freude des Gelingens sie ermuntern wird, was das Talent ihnen versagt, durchum so größeren Eifer zu ersetzen. Meist aber wird der Erzieher sich darauf be:schränken mäßen, sie nicht dadurch ein für alle mal aus der auch ihnen vorgezeichneten,aber noch nicht bestimmt erkennbaren Bahn zu lenken, daß er ihnen gerade das vor-zugsweise zumuthet, wozu sie von Natur weniger berufen sind. Auch bei geringerBegabung wird eine fortgesetzte aufmerksame Beobachtung doch im Stande sein, eineRichtung zu entdecken, welche die der Eigenthümlichkeit des Zöglings entsprechendste ist,und wenn dieser angeleitet wird, wenigstens nach dieser Seite hin etwas brauchbareszu leisten, so ist damit seiner inneren Befriedigung, wie dem Vorthcile des Ganzenam besten gedient.

Die individuellen Verschiedenheiten, welche mehr der Erziehung im engeren Sinnezufallen, wie die Eigenthümlichkeiten des Temperamentes, der vorherrschenden Selbst:thätiqkeit oder Empfänglichkeit n. s. w., sind bereits oben in dem Art. Beobachtungzur Sprache gebracht worden. Indem der Erzieher sich bemüht, die individuelle Eigen-thümlichkeit auch in dieser Rücksicht davor zu bewahren, daß sie nicht in Einseitigkeitausarte, muß er vor allein von dem Grundsätze sich leiten lassen, daß das rechte Maßnicht herzustellen ist durch Zurückdrängnng der vorhandenen und bereits entwickeltenKraft, sondern durch Hervorbildung der entgegengesetzten. In Bezug auf die In-dividualität des Erziehers vgl. d. Art. Erzieher und Erzichungstalent.

Industrieschulen sind Schulen zur Bildung für die Arbeit. Sie gehörenin die Lebenokreise der Volksschule und erstrecken sich auch auf das Alter der Volks-schüler. Die Volksschule ist Unterrichtsschule und hat zunächst die Aufgabe, den Geistfür das geistige Leben auszubilden, die Industrieschule setzt sich den Zweck, die Handzur Arbeit zu befähigen. Die Industrieschule ist eine Schöpfung der neueren Zeit,aber noch keine vollendete Schöpfung. Es steht noch nicht fest, was in ihr gelehrt undgelernt werden soll. Ebensowenig hat sich eine allgemeine Uebcrzeugung von derZweckmäßigkeit oder Nothwendigkcit der Industrieschulen gebildet. Die Sache istüberall noch im Werden, wird aber bei der gewaltigen Strömung der Zeit nach derSeite der materiellen Interessen hin sicherlich sich noch weiter entwickeln.

Die Erweiterung des Blicks aufs praktische Leben ist ein Fortschritt der neuerenZeit, und trat erst ein, als die Bedürfnisse und die Noth des Lebens dazu auffordertenund man anfieng, den Begriff der Volksbildung in seinem vollen Sinne zu fassen, indem der Erziehung des ganzen Menschen, des physischen wie des geistigen, und zuseiner vollen Bestimmung, der zeitlichen und ewigen.Erziehung zur Arbeit" wurdeeines der Schlagwörter auf dem Gebiete der Pädagogik. Man begnügte sich abernicht damit, dem Volksschüler eine Bildung beiznbringen, durch die er Einsicht in dieDinge der Natur und ihre Verwendung im Leben erhalte und mit den Anfängen destechnischen Geschickes ausgestattct werde. Man glaubte, weiter gehen und den Schrittzur wirklichen Arbeit und Uebnng in der Arbeit thun zu mäßen, um die Volksschulevon der Unterrichtsschule zur Arbeitsschule zu erweitern und mit ihr landwirthschaft-liche und gewerbliche Beschäftigung der verschiedensten Art in organischen Zusammen-hang zu bringen.Bilvung zur Arbeit durch Arbeit" war das Losungswort, das mitMacht erhoben ward.

Verfolgen wir den Entwicklungsgang, den das Jndustrieschulwesen von seinenAnfängen an genommen hat, in gedrängter Uebersicht. Für Oesterreich verweisen wirauf den Art. Kindermann. Sonst ist hier zuerst Pestalozzi zu nennen. Inseiner Armenschule zu Neuhof im Aargau machte er 1775 den Versuch, seine Zög-linge in beidem, den Schul- und den landwirthschaftlichen Kenntnissen zu unterweisenund im Sommer mit Feldbau, im Winter aber mit Spinnen, Weben und andernHandarbeiten zu beschäftigen, und zwar so, daß sie während der häuslichen Arbeitenzugleich theoretischen Unterricht empfiengen. Die Arbeit sollte auch dazu dienen, daß