Jncipienz.
Individualität.
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um Gotteswillen der Heranwachsenden Jugend in Liebe anzunehmcn Lust und Befähigunghaben: hat sich jenes Verlangen verloren.
Factisch dagegen ist die Sachlage die, daß die Jncipienz auf den Aussterbeetatgesetzt erscheint. In Württemberg z. B. nimmt sie mehr und mehr ab, weil sie denbei der Prüfung gestellten Anforderungen, welche für die Jncipientcn die gleichen wiefür die Seminaristen sind, nur unvollkommen genügen kann. In Preußen sind dieAnregungen der Regierung, welche noch vor zehn Jahren bemüht war, Geistliche undLehrer darauf hinzuweisen, wie wichtig und verdienstlich es sei, in ihren Schulen unddurch besondern Unterricht einzelne junge Leute für das Elcmentarschulamt heranzu-bilden, fast ohne allen Erfolg geblieben. In der öffentlichen Meinung steht vielmehrdiese Art der Vorbildung so tief, daß man die außerhalb der Seminare vorbereitetenSchulamtscandidaten mit den Spottnamen Feldflüchter oder Wilde bezeichnet. Undwährend durch eine Ministerial-Verordnung vom Jahre 1857 bestimmt ist, daß auchdie Nichtseminaristen unter denselben Anforderungen und in derselben Weise geprüftwerden, wie die Seminarzöglinge, muß in Wirklichkeit eine bedeutende Ermäßigungder Ansprüche eintreten, wenn wenigstens ein Theil die Prüfung bestehen soll. Con-sequent hat das Unterrichtsministerium in Preußen angeordnet, daß den Zöglingen derSeminare vor andern Schulamtsbcwerbern ein Vorzug zuzngestehen ist. Angesichtsder Sachlage und der Zeitströmnng gehört ein starker Glaube dazu, um an der ge-doppelten Hoffnung festzuhalten, sowohl daß auch diese Art der Vorbildung in Zukunftgute Früchte tragen könne, als insbesondere daß sich bei den aus den Seminaren her-vorgegangenen, im Amte gereiften Lehrern eine größere Freudigkeit zu diesem Zweigeder BerufSthätigkeit dereinst finden wird, als sie augenblicklich sich beobachten läßt.
Individualität. Literatur: I. I. Wagner, Philosophie der Erziehungs-kunst, S. 87 ff. — I. Paul, Levana, §. 27. — Herbart, Briefe über die An-wendung der Psychologie auf die Pädagogik. Sämmtliche ^W. X, 1. S. 343 ff. —Schleiermacher, Monologen, S. 26; Grundriß der philos. Ethik, herausgeg. vonTwesten, §. 130; Erziehungslehre, S. 692 u. a. a. O. — W. v. Humboldt,Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen.Ges. W. VII, S. 10 ff. — Beneke, Erziehungs- und Unterrichtslehre, 9. —Waih, Pädagogik, S. 156 ff. — Stoy, Encyktopädie der Pädagogik, bes.S. 107 ff., über die Individualität des Lehrers, S. 261. — G. Baur, „Grund-züge der Erziehungslehre", §. 25 — 35. — Vergl. d. Art. Anlagen, Beobachtung,Charakter.
Das Individuum ist „ein Einzclding, welches von allen andern durch gewißeeigcnthümliche Merkmale oder Bestimmungen sich unterscheidet." In dem strengerenSinn, in welchem man nur einem organischen Wesen Individualität zuschreibt, gehörtaber weiter zu diesem Begriffe, daß die eigenthümlichen Merkmale und Bestimmungennicht bloß zufällig geworden sind, sondern aus der Natur des Dinges, aus einemeigenthümlichen Lebensprincip hervorgehen; und in dem strengsten Lünne, in welchemwir den Menschen namentlich auch durch das Prädicat der Individualität von denWesen niederer Ordnungen unterscheiden, schließt der Begriff der Individualität diesesein, daß „die einzelnen Menschen ursprünglich begriffsmäßig von einander verschieden"sind. Die Individualität ist also eine in der Natur des Menschen ursprünglich an-gelegte, mithin gottgewollte und angeborene. Von der Persönlichkeit ist dieIndividualität so unterschieden, daß die Individualität der Inbegriff ist der in derNatur des einzelnen Menschen angelegten und aus ihr entwickelten Eigenthümlichkeiten,wodurch er von allen andern Einzelwesen sich unterscheidet; während er vermöge seinerPersönlichkeit Selbstzweck ist, in dieser seiner Bestimmung sich erkennt, von andernunterscheidet und ihnen gegenüber mit sittlicher Freiheit sich behauptet. Der Cha-rakter (s. d. Art.) ist die sittlich vermittelte Individualität und steht insofern demNaturell gegenüber, worunter wir die in natürlicher Unmittelbarkeit hervortretendeEigenthümlichkeit des Einzelnen verstehen. Als Subjektivität bezeichnen wir dieIndividualität, insofern sie in der Sphäre deS Urtheils sich geltend macht; als Ge-müth saßt sie in der Tiefe deS Selbstbewußtseins und zugleich in ihrer Beziehungzu dem Unendlichen und Göttlichen sich zusammen.
In der vorchristlichen orientalischen Welt vermissen wir mit der An-