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Jncipien,.
folgten Errichtung des ersten Schullehrerseminars in Württemberg weitaus die meistenLehrlinge ihre Vorbildung durch die praktisch-theoretische Unterweisung einzelner Schul-meister erhalten hatten, so verblieb die Bezeichnung „Jncipient" im Unterschiede vonSeminarist bis in die neuere Zeit solchen Lehrlingen, welche unter der speciellen Lei-tung eines Schulmeisters sich ausbilden, obwohl die neueste officielle Bezeichnung„Privat-Schulamtszöglinge" lautet. Jncipienz bezeichnet somit diejenige Einrich-tung, wonach junge Leute, welche sich dem Schnlstand widmen wollen, nicht in einemSeminar, sondern unter der Anweisung eines Schulmeisters und nach dessen Vorbildtheils die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten sich sammeln, theils am Schul-unterricht praktisch thcilnehmen, um dadurch zur Erstehung des Examens befähigtzu werden.
Die Erlaubnis, auf dem bezeichneten Wege sich für das Lehramt vorzubilden,liegt theils in der Natur der Sache, theils ist sie durch die Schulgesehgebnng einzelnerLänder ausdrücklich ausgesprochen. Jener Weg kommt daher auch anderwärts, wo derName „Jncipienz" unbekannt ist, heute noch vor.
Hat diese Art der Lehrerbildung aber auch eine wirkliche Berechtigung? DieseFrage kann verschieden beantwortet werden, je nachdem man das eine oder andereMoment der Lehrerbildung betont, oder je nachdem die Musterlehrcr, bei welchen dieLehrlinge sich heranbildcn, beschaffen sind. Daß die scicntifische Bildung der Zöglingein einem wohleingcrichteten Seminar weit mehr gefördert werde, als durch die Unter-weisung eines Musterlehrers, unterliegt keinem Zweifel. Dagegen gewährt das Se-minar dem einzelnen Zögling wegen der Masse derselben zu wenig Gelegenheit, sichpraktisch im Schulhalten zu üben. Während es ferner im Seminar schwieriger ist,den einzelnen Zögling je nach seiner Individualität anzufassen und zu leiten, kannder Musterlehrer seinen Lehrling concreter und individueller behandeln. Dazu kommtder Vortheil der größeren Einfachheit der seinem späteren Berufsleben angemessenenVerhältnisse, der Vortheil einer Art von Familienerziehung, der Bewahrung vor man-chen sittlichen Gefahren, welche das Zusammenleben einer größern Zahl von jungenLeuten im Gefolge hat, der Gewöhnung an Anspruchslosigkeit, Bescheidenheit u. s. w.
Diese günstigen Momente werden aber nur dann eine heilsame Frucht tragen,wenn der Musterlehrer seinem Begriffe in sittlich-religiöser, scientifischer und praktischerBeziehung entspricht. Allein die Auffindung ganz tüchtiger Musterlehrcr ist eben dasSchwierige an der Sache. Manche, die sich qnalificiren würden, haben entweder keineLust, oder sind sie durch die Schularbeit nebst Privatstunden vollauf in Anspruchgenommen. Andere erbieten sich zu solchem Geschäft mehr um des pecuniären Gewinnswillen, als aus innerem Berufe. Da fehlt eS denn häufig an der gewissenhaftenUnterweisung oder Ueberwachung, und statt gründlicher Kenntnisse ist cs oft nur einoberflächliches, ganz fragmentarisches Wissen und eine mechanische Fertigkeit im Schul-halten, was die Zöglinge davon tragen. Fehlt es dabei noch an der Mitwirkungeines tüchtigen Geistlichen, so ist es mit der Kenntnis der Bibel und der Glaubens-und Pflichtenlehren schlimm bestellt. Selbst die Sittlichkeit leidet nicht selten Schiff-bruch durch den Umgang mit der rohen und ausschweifenden bäuerlichen Jugend.
Nach Vorstehendem kann also die Bildung bei einzelnen Schulmeistern nur untergewitzen günstigen Bedingungen, insbesondere auch der Mitwirkung eines tüchtigenund pädagogisch gebildeten Geistlichen, ersprießliche Früchte tragen. Wo aber diesesich finden und mit ihnen das eigene tüchtige Streben der Zöglinge sich verbindet,da sind schon recht wackere Glieder des Schulstandes herangebildet worden. Dahererkennen die Berechtigung dieser Art von Lehrerbildung selbst Männer an, welchesich sonst entschieden für die Seminarbildung erklären, so Eisenlohr, Harnischu. s. w.
In den Jahren, wo die Emancipationsgelüste stark im Schwange waren unddie Zcitströmungen auch die Seminarzöglinge nicht unberührt ließen, erweckte die beieinem Theile derselben hervortretende Eitelkeit und Selbstüberhebung, das Cokcttirenmit der Philosophie und der materialistischen Naturwissenschaft in crnstgesinnten Män-nern das Verlangen nach der alten Art der Lehrerbildung. Seitdem man sich aberüberzeugt hat, daß Seminare auch Pflanzstätten für fromme, treue, verständige, demLeben des Volkes nahestehende Lehrer sein können, die sich in Selbstverläugnung und