Hintergehung.
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mit allen andern gleichzeitig für dieselbe Classc ansgestellten liegt, daher das einzigeMittel, sich gegen MiSverständnisse sicher zu stellen, in der Beifügung einer Rang-numer unter Angabe der Schülerzahl bestände.
Außer dieser Art der Hintergehung sind alle übrigen, welche hier zur Sprachekommen, solche, welche sich direct gegen Lehrer und Erzieher richten, daher die Fragegestellt werden muß, wie sich dieser überhaupt uud grundsätzlich der Hintergehunggegenüber zu verhalten habe. Und hier dreht sich für die Praxis alles um den einenWiderstreit zwischen den Anforderungen der Vorsicht und denen des Vertrauens. Datritt denn zunächst die Forderung der Vorsicht und Gewissenhaftigkeit für den Lehrerhervor, wenn er bedenkt, wie zahlreiche Arten von Hintergehung, von der plumpstenbis zur raffinirtesten, an Schulen üblich sind. Beim Aussagen von Gcdächtnispenscnist es gar nichts ungewöhnliches, daß Schüler ihre Bücher offen vor sich liegen lassenund das ganze Pensum ablesen. Außer dem Verstecken hinter dem Vordermann istnamentlich auch das Spielen mit den geschlossenen Büchern durchaus nicht zu dulden.Man bekämpfe dergleichen als Unart an sich und ohne auf ein mögliches Ableseuhinzudeuteu. Gleichzeitiges, fast tcmpomäßiges Schließen der Bücher ist sehr zuempfehlen. Außer den geschlossenen Büchern dürfen natürlich keine andern auf denTischen umherliegcn; das Buch, welches das Pensum enthält, sollte aber nicht mit beiSeite gelegt, noch weniger eingesammclt werden. Abgesehen von dem mit Leidemverbundenen Zeitverlust verführt crsteres leicht zum Misbrauch des Buches; daS Ein-sammcln dagegen durch das offenbare Mistrauen, welches eö verräth, zum Aufsuchenraffinirterer Arten der Hintergehung. Nicht als ob sich das Gebiet derselben erschöpfenließe, vielmehr gerade um die Unerschöpflichkeit desselben anzudeuten, wollen wireinige derselben erwähne». Oft wird die Lection auf den Tisch geschrieben und zwarauch aus schwarze Tische nicht nur mit Bleistift, sondern auch mit Tinte. Fürchtetder Schüler Revision der Subscllien, so wäscht er die Spur nach der Stunde sorg-fältig ab. Zu gleichem Zwecke dienen Ueberzüge von Büchern, die weiße Innenflächedes Deckels, Lineale, Federhalter, die eigenen Hände, die Nägel, der Raum zwischendm Fingern oder endlich kleine Blättchen, welche im Aermel oder sonstwo verborgengehalten werden. Selbst die Stenographie soll schon benutzt worden sein; der Lehrerbedenke daher, daß seine eignen Jugenderinnerungcn nicht ausreichcn; denn die Schülerschreiten am schnellsten mit ihrem Zeitalter fort. — Ein anderer Zweig häufigerHintergehung ist der der Beschäftigung mit fremdartigen Dingen bei anscheinenderAufmerksamkeit. Die unter „Aufmerksamkeit" angegebenen Merkmale der Zer-streutheit reichen sür höhere Schulen insofern nicht aus, als hier sehr gewöhnlich zer-streute Schüler in Haltung des Körpers, des Kopfes, im Blick, sogar in den Mieneneine Aufmerksamkeit zu heucheln wissen, bei der das Stottern und Stocken, wenn siegefragt werden, leicht als bloße Unbeholfcnheit des Ausdrucks erscheint. — Wiederandere Arten von Hintergehung betreffen die häuslichen Arbeiten. Neben dem bloßenAbschreiben von Arbeiten, das um so weniger Vorkommen kann, je höher die Lehr-stufe ist, kommt hier namentlich die Benutzung fremder Arbeiten in freierer Weise vor.Um von selteneren und ganz vereinzelten Vorkommnissen zu schweigen, wollen wirschließlich noch die Erheuchelung von Unwohlsein erwähnen. Das wirksamste Gegen-mittel ist meist die sofortige Sorge für Krankendiät.
Es ist genug, um zu zeigen, daß der Lehrer, wenn er mit bloßer Vorsicht undunablässiger Verfolgung der einzelnen Uebelthätcr zu Werke gehen wollte, die Talenteeines Polizeispions und Untersuchungsrichters in sich vereinigen müßte, und es giebtunzweifelhaft Lehrer, die hierin Bedeutendes leisten. Es schadet vielleicht keinem, wenner diese Stufe einmal durchgemacht hat; allein es ist doch gar zu offenbar, daß diesesStreben den eigentlichen Boden aller wahren Erziehung, das Vertrauen, untergräbt.Leider ist es eine Folge des gegenwärtigen Stadiums in der Centralisation unseresErzichungswesens, daß eine erfolgreiche Thätigkcit in dieser Hinsicht, weil sie sichäußerlich Nachweisen läßt und oft jahrelangem Unfug anscheinend ein Ende macht, vonden Behörden überschätzt werden muß, während die stillen, aber unendlich wichtigerenWirkungen der Ertödtung sittlicher Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern, derPflanzung von raffinirtcr List uud Bosheit an der Stelle stiller, achtungsvoller Zu-neigung und Pietät ganz unbeachtet bleiben und, so lange die Hauptthätigkeit der