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Hintergehung.
Hrabanus Maurus.
edelsten Kräfte in den Behörden im Anfertigen von Verfügungen und Berichten besteht,auch unbeachtet bleiben muß. — Fast noch schlimmer als das Princip des Mistrauensschlechthin scheint die macchiavellistische Maxime, welche für die Militärpädagogik fastaller stehenden Heere maßgebend ist: „Stets Vertrauen zeigen, aber nie Vertrauenhegen." Dennoch steht die praktische Handhabung dieser Maxime in ihren sittlichenWirkungen meist höher; denn das mit Ostentation ausgesprochene Vertrauen gilt derwirklichen Mehrzahl der Guten, daS in den Anordnungen und Vorkehrungenliegende Mistrauen der nur als mögli ch gedachten Minderzahl der Schlechten.'
Die Verhütung der Hintergehung kann sowohl neben andern Principien insAuge gefaßt, als auch selbst zum Princip erhoben werden. Letzteres wird sie, wennman von der Verfolgung aller nicht gerade handgreiflichen oder offenkundigenFälle grundsätzlich absieht und jede Spur der Hintergehung sich nur zum Sporn fürErfindung neuer Verhütungsmaßregeln dienen läßt. Dies Princip steht um so höher,je mehr die Verhütung durch solche Mittel herbeigeführt wird, welche schon an sichzur guten Erziehung oder zu einer geläuterten Methodik des Unterrichtes gehören.Und da sind cs denn namentlich zwei Puncte, auf die sich das meiste zurückführenläßt, die genaue individuelle Kenntnis der Schüler, bei welcher vereinzelte Hinter-gehungen, selbst wenn sie nicht entdeckt werden, dem Schüler nichts helfen und dadurchihren Reiz verlieren, und der beständige geistige Rapport des Lehrers mit seinenSchülern während des Unterrichts selbst (vgl. Aufmerksamkeit). Wenn endlichder Lehrer in seinem Wirkungskreis eine feste, eingewurzelte Stellung gewonnen hat,wird es Zeit sein, auch der Hintergehung gegenüber, das Vertrauen geradezuzum Princip zu erheben. Die sittliche Wirkung, welche eine solche Stellung derSchüler zu einem geachteten Lehrer hat, ist unendlich höher anzuschlagen, als diestricteste Verhütung von Hintergehungen durch Umsicht und Strenge. Allein offenbarwürde ein pelagianisches Vertrauen, welches die Jugend für unverdorben gelten läßt,nur schädliche Schlaffheit wirken. Noch schlimmer ist das Princip des Selbstver-trauens, wonach der Lehrer sich gar nicht denken mag, daß die Schüler einen Mann,wie er ist, hintergehen können. Das wahre Vertrauen, welches allein die Hinter-gehung in der Wurzel besiegen kann, ruht auf dem Glauben an die Berufung allerzum Heil durch Selbstverläuguung und persönlichen Kampf wider die Sünde. — Obein Lehrer mehr das Vertrauen oder die Vorsicht und bei letzterer wieder die Verfol-gung oder die Verhütung zu seinem Hauptgesichtspunct machen solle, muß übrigensin hohem Grade von seiner Persönlichkeit und von andern Verhältnissen abhängen.In den meisten Fällen wird der junge Mann mehr erreichen, wenn er als eistigerVekämpfcr der Hintergehung austritt. Auch ist die daraus gewonnene psychologischeBildung nicht gering auzuschlagcn. Dem gereiften Alter ziemt eher die höhere Artder Einwirkung. Andererseits kann es nicht fehlen, daß die langjährige Beschäftigungeines Lehrers mit Schülern einer bestimmten Altersclasse einen bestimmten Typusseines Auftretens erzeugen muß.
Hochmnth, s. Selbstgefühl.
Höflichkeit, s. Anstand.
Hofmeistern, s. Tadel.
Hofirchl, s. Fellcnberg.
Hrabanus Maurus, geb. zu Mainz ums Jahr 776, später Schüler, Mönch,Lehrer und Abt im Kloster Fulda, zuletzt Erzbischof in Mainz und als solcher am4. Febr. 836 gestorben, wird als Schöpfer des deutschen Schulwesens, als der xrimusOsrmauius xrusosxtor gepriesen, sofern unter ihm die Klosterschule zu Fulda inhöchster Blüte stand, zu welcher aus Deutschland, Frankreich und Italien die Jüng-linge herbeiströmtcn, deren Schüler man sich erbat, wo man für ähnliche Anstalteneinen tüchtigen Lehrer haben wollte. Der Wissensdurst hatte ihn zu Alcuin, der ihnnach dem gleichnamigen Lieblingsschüler des h. Benedictus „Maurus" benannte (s. d.Art. Alcuin), nach Tours geführt, wo in der berühmten ueuäomia lburonansis außerdem Trivium und Ouadrivium die Theologie eifrigst betrieben wurde. Dorther hatteer wohl seine außerordentliche Bekanntschaft mit der Bibel, dorther auch seine Lustzur lateinischen Verskunst und seine Gewandtheit darin. Nach Fulda zurückgckehrtwurde er als maxister (— rootor, sebolustüeus) der Klosterschule der Mittelpunct