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Herrnhutisches Erziehungswesen.
Hintergehung.
Erziehung im Unterricht tritt auch hier zu sehr zurück, wie Wiese offen bekennt(a. a. O. S. 152), der in seinen Briefen über englische Erziehung dringend gemahnthat, nicht bloß das Wissen, sondern mehr noch das Können, das zu arbeiten Wissenund das lernen Können zum Ziel des Unterrichts zu nehmen. Und dasselbe gilt vonder oft gemachten wahren Bemerkung über den eigenthümlich belebenden und bilden-den Einfluß, welchen cs ans die Schüler hat, wenn der Lehrer selbst noch mit ihnenfortlernt.
Eine Eigenthümlichkeit des herrnhutischen Unterrichtssystems in fast allen Anstaltenist, daß, nach dem Vorgang der sranckischen Institute, die einzelnen Zöglinge je nachihren Fortschritten in den einzelnen Fächern einer höheren oder niederen Elaste an-gehören. Ebenso findet nur ausnahmsweise das Element des Fachlehrerthums statt,nirgends ist es vollständig durchgebildet. Beides ist für die innige Verbindung desUnterrichts mit der Erziehung, wie sie hier Princip ist, wesentlich und wichtig, aberzugleich das erste für die speciellere Berücksichtigung der einzelnen Schüler, das zweitefür die Lebendigkeit und Allseitigkeit des Unterrichtslcbens überhaupt von Bedeutung.Folge davon ist, daß gerade auch Schwächere oder Vernachläßigte in diesen Institutenleichter als anderwärts gefördert und gehoben werden, überhaupt wohl eine gleich-mäßigere Durchschnittsbildung in den verschiedenen Fächern erreicht wird und derEinzelne leichter die Fähigkeit ins Leben mithinübernimmt, sich selbst fortzubilden.
So sind nach allem Mängel und Vorzüge der Brüdcrinstitute sehr nahe mit ein-ander verbunden und beide untrennbar gegeben mit der scharf ausgeprägten Eigen-thümlichkeit des Geistes und göttlich geschichtlichen Berufes der Brüdergemeine. Die-selbe steht nach der pädagogischen Seite hin als ein christlicher Orden für Jugend-bildung da, mit einem echt christlich evangelischen Bildungsideal, allenthalben bestrebt,das höchste und allgemeine Bildungsziel der echten Humanität in Christo iinAuge zu behalten, durch innige persönliche Hinweisung jedes einzelnen zu Christo alsgottmenschlicher Person und durch Normirung alles einzelnen in Schule und Lebennach Christo als gottmenschlichem Princip. Wenn das Gebiet, in welchem die Brüder-anstalten diesem ihrem Ziel nachjagen, vorzugsweise das der früheren Jugend, daszwischen dem eigentlichen Elementarunterricht und dem höheren wissenschaftlichen lie-gende Stadium ist, so ist eben dafür ihr Charisma ausreichend und geeignet, und siehaben neben den übrigen privaten und öffentlichen Instituten ihre berechtigte und ge-segnete Stellung.
Herrschsucht, s. Verträglichkeit.
Herz, s. Gemüth.
Heuchelei, s. Wahrhaftigkeit.
Heuristisch, s. Unterrichtsform.
Hintergehung (vgl. d. Art. Abschreiben, Complottiren, Einflnstcrn)ist ein dem natürlichen Menschen ganz nahe liegendes Auskunftsmittel, um im Verkehrmit andern, namentlich mit Vorgesetzten, Vorthcile zu erreichen oder Nebeln zu ent-gehen, die sich auf dem Wege der Wahrheit nicht erreichen oder vermeiden lassen.Hinsichtlich des Wesens und der pädagogischen Behandlung der Hintergehung, als einesBildungsfehlers im allgemeinen, verweisen wir auf den Artikel Wahrhaftigkeitund wenden uns hier derjenigen Art von Hintergehung zu, welche sich direct den Er-ziehungszwecken, namentlich in Schulen, entgegensetzt.
Zunächst verdient das sehr verbreitete Streben der Schüler Erwähnung, ihreStellung in der Schule, ihre Leistungen, den Grad der Zufriedenheit des Lehrers, denEltern und andern Hausgenossen gegenüber in ein möglichst günstiges Licht zu stellen;ein Streben, das nur zu oft in bewußte Täuschung ausartet. Die Eltern habennatürlich zunächst die Aufgabe, diese Art der Hintergehung zu verhüten oder zu strafen.Persönlicher Verkehr mit den Lehrern und nachhaltiges Interesse für die Schule undihr Werk an den Kindern sind die sichersten Mittel, Täuschungen der Art zu verhüten.Dem Lehrer ist in der Regel nicht zuzumuthcn, zu solchem Verkehr den Anfang zumachen, dagegen wird das Mittel der amtlichen Benachrichtigung von allen erheblichenVorkommnissen wohl weit mehr in Anwendung gebracht werden dürfen, als auf denmeisten Schulen bereits geschieht. Namentlich ist bei den regelmäßigen Censuren zubedenken, daß der Schlüssel zu jeder Schulccnsur im Grunde nur in ihrer Vergleichung