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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Herrnhutisches Erziehungswese».

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dem Einfluß dieses Geistes hat eS sich aufs neue erwiesen, wie das brüderische Er-ziehungöwerk seine Abstammung von dem hallischen zwar nicht verläugncn kann undwill, wohl aber dessen Abirrungen in freudlos peinliche Gesetzlichkeit vermeidet, undstatt dessen eine Richtung auf einfältig kindliche und regsam verständige, christlicheJugcndbildung verfolgt, in welcher es an dem großen Pädagogen der alten Brüder-kirche, Comenius, ein Helles Vorbild hat. In der ganzen bisherigen Schilderung liegtklar ausgesprochen, daß die Stärke dieses Systems der Jugendbildung in der Er-ziehung hauptsächlich liegt, und dies bestätigt auch die Erfahrung. Von einemkindlich evangelischen Geist durchdrungene deutsche Geinüthsinnigkeit ist hier derTräger oft schwer verfolgbarer, aber weithinreichcnder ScgenSwirkungen, auch inGebieten, welche sonst mit der Brüdergemcine und ihrem Wirken in gar keiner Ver-bindung stehen.

Wenn gleichwohl die Zahl dieser Institute und ihrer Zöglinge vergleichungsweiseimmer nur eine beschränkte genannt werden kann, so hat dies verschiedene Ursachen.Theils sind die pädagogischen Kräfte der Brüdergemcine nicht eben zahlreich. Theilsist wohl die äußerlich etwas isolirte Stellung, wie der Brüdergemcine überhaupt, soauch dieses ihres pädagogischen Treibens von Einfluß, um so mehr, da sie ihrerseitsgegenüber einem prahlerischen Selbstruhm oder auch nur einem feurig betriebsamenTrachten nach dem Interesse einflußreicher Personen oft beinahe in das entgegengesetzteExtrem der Zurückhaltung zu gerathcn in Gefahr ist. Zudem kann in der gegen-wärtigen Zeit auch wohl die confessionellc und hochkirchliche Geistesströmung mituntersonst christlich gesinnte Eltern abhalten, ihre Kinder hieher zu geben. Endlich sindauch die Kosten für die Unterhaltung eines Zöglings bei aller Einfachheit des Lebensin diesen Instituten doch von der Art, daß viele Eltern andere Bildungswege ver-ziehen müßen. Aber abgesehen von dem allen dürfte vielleicht die Ursache des ver-hältnismäßig beschränkten Besuchs derselben nicht am wenigsten in dem verbreitetenUrtheil zu suchen sein, daß sie in Beziehung auf den Unterricht zu wenig leisten.Zwar hat sich hierin unläugbar viel im Laufe eines Jahrhunderts geändert und ge-bessert; aber gleichwohl ist nicht zu verkennen, daß gerade der Unterricht im allgemeinennicht die starke Seite derselben ist. Es liegt dies nicht nur an einer gewißen Ab-neigung des herrnhutischcn Geistes gegen streng systematische Wissenschaft und theo-retisch durchgebildete Methode, sondern vielfach auch an den Verhältnissen. Die Lehrersind leicht zu jung, doch mehr theologisch als pädagogisch vorgcbildet, dabei zu häu-figem Stellungswechsel unterworfen, und zum größten Theil nicht für das ganzeLeben auf den pädagogischen Beruf angewiesen. Noch größer sind die Mängel, wieschon angedcutct, auf weiblicher Seile, wo es an der gehörigen Vorbereitung denLehrerinnen oft nur zu sehr fehlt. Am wenigsten kann man unter diesen Umständenden Brüdcrinstituten nachrühmcn, daß sie durch selbständige Leistungen und schrift-stellerische Arbeiten das didaktische Gebiet bereichert hätten. Dagegen hat die Sacheallerdings auch eine andere Seite, wonach sich das Urtheil einigermaßen modificirenkann und wird. So ist ja, was die mangelnde schriftstellerische Productivität betrifft,in unserer Zeit das Erfahrungszeugnis laut genug vorhanden, daß auf diesem Wegeverhältnismäßig nur in geringem Maße wahre Hülfe geschafft wird. Ferner werdenja seit 30 Jahren die Stimmen immer lauter und zahlreicher, welche auf Vereinfachungdes Unterrichtsstoffs dringen und gegen den Götzendienst mit der Methode, gegen deneinseitigen JntcllectualiSmns überhaupt, Zeugnis geben. Zumal in Ansehung derMädchenbildung kann wohl nicht geläugnet werden, daß die gangbaren Anforderungenan dieselbe, wonach ein oft nur zu oberflächliches Vielwisscn und Allcskönncn erzieltwerden soll, vielmehr eine gründliche Verbildung nach sich ziehen müßen. Ja mansagt nicht zu viel, wenn man behauptet, daß überhaupt Mädcheninstitute an und fürsich nur ein nothwendigcs Uebcl seien, veranlaßt allein durch tiefe, religiös-sittlicheund sociale Störungen im öffentlichen und häuslichen Leben. Und damit ist denngegeben, daß doch das Schlußurtheil über den Werth eines solchen Instituts sich über-haupt nicht sowohl zu richten hat nach der Mannigfaltigkeit und dem Glanz des Unter-richtssystems, als vielmehr nach dem bestimmenden Erziehungsprincip. Etwasanders stellt sich das Verhältnis natürlich bei der Knabenerziehung. Aber doch gehendie vorhererwähnten Klagen zunächst immer auf diese, und wahrlich mit Grund. Die