Herrnhutischcs Erziehungswcsc».
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in der folgenden Blütezeit des Rationalismus und außerchristlichen Humanismus durchdie Einflüsse der Zcitrichtung mannigfach gestört und am rechten Gedeihen auf ihremGrunde gehindert wurden, wirkte gerade das Ueberhandnehmen des Unglaubens inder evangelischen Kirche für jene Pensionsinstitute überaus günstig, indem viele Eltern,die etwas besseres für ihre Kinder wünschten, aucb wenn sie nicht gerade in engererVerbindung mit der Brüdergemeine standen, deren Erziehungsinstitute aufsuchtcn. Undwie früher der siebenjährige Krieg viel dazu beigetragen hatte, Herrnhut mit seinenEinrichtungen durch ganz Deutschland, unter Protestanten und Katholiken, bekannterund geachtet zu machen, so wirkte auch die Kriegszeit am Anfang des neunzehntenJahrhunderts für die Erziehungsanstalten in ähnlicher Weise. Dies geschah um somehr, da sich in denselben bei Lehrern und Schülern ein reger, deutscher Patriotismuszeigte. Auch die auf die Freiheitskriege folgende Periode des wiedercrwachenden Glau-benSlebens konnte diese Stellung der Brüderinstitnte nur fördern, da das, was mandamals suchte, Herzenschristenthum ohne confessionell kirchliche Schranken, hier in einerzumal für die Jugend geeigneten Gestalt gefunden wurde. Für die Brüdcrinstituteselbst aber erwuchs aus dieser regeren Berührung mit weiteren Lcbcnskreisen der großeVortheil, daß man seinen Gesichtskreis, namentlich in didaktischer Hinsicht, was Stoffund Methode betrifft, erweiterte, auch in Bezug ans Kunstübung und Pflege der kör-perlichen Ausbildung sich eine höhere und freiere Aufgabe stellen lernte und so ineinen allseitigen Wetteifer trat mit den besonders durch die pestalozzische Anregungallenthalben sich hebenden anderweitigen Schulen und Instituten. So sind besondersseit dem Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts, namentlich seit den Kriegsjahren,diese Pensionsanstaltcn in einer frischen Weise aufgeblüht. Es ist fast keine der 16Brüdergemeincn des europäischen Festlandes, welche nicht ein solches Institut entwedergehabt hat oder noch hat. Ebenso sind einige in England und Nordamerika vonlangem Bestehen und gutem Nus. Dagegen sind die Ortsschulen der einzelnen Ge-meinen, nach Verhältnis der geringen Einwohnerzahl dieser Orte, überall sehr klein;desto zahlreicher aber wiederum die in den letzten Jahrzchndcn sehr angewachscncn undsorgfältig gepflegten Schulen auf den Missionen der Brüder.
Bleiben wir nun bei den Pensionsinstituten der Brüder in Deutschland und denNachbarländern, sowohl für Knaben als für Mädchen, näher stehen, so ist zwar auchunter diesen eine nicht geringe Mannigfaltigkeit, sofern einige, außerhalb des deutschenSprachgebiets gelegen, theilweise oder ganz auf den Gebrauch der fremden Spracheangewiesen sind, zu deren Erlernung eben die Zöglinge großenteils in diese Anstalten ge-schickt werden, und andere Institute, in Deutschland gelegen, hauptsächlich von Engländernund französischen Schweizern, um der Erlernung der deutschen Sprache willen, besuchtwerden. Gleichwohl übcrwiegt in diesem ganzen Gebiet das Gleichartige weit dieuntergeordneten Verschiedenheiten. Die Oberaufsicht im Innern und Aeußeren ist demErziehungsdepartement der Unitäts-Aeltestenconferenz zu Berthelsdorf bei Hcrrnhutübertragen (seit der Synode von 1818). In ökonomischer Hinsicht steht jedes Institutzunächst selbständig da, aber die wohlhabenderen sind gehalten, jährliche Beiträge zumgemeinen Besten an die Obcrbehördc zu geben. Die Gehalte der Inspektoren, Lehrerund Lehrerinnen sind im allgemeinen gleich und nur auf das Bedürfnis berechnet.Ebenso, mit nur einzelnen Ausnahmen, die Pensionen für die Zöglinge, welche nochgeringer sein würden, wenn nicht das Grundprincip der brüderischen Erziehung eineverhältnismäßig große Anzahl von Angestellten erforderte. Es ist dies, ohne daß,wie seit Pestalozzi mehrfach der Fall ist, gerade der Name „Familie" regelmäßiggebraucht würde, doch eben dasjenige einer christlichen Familienerziehung. TieLeitung jedes Instituts hat ein „Jnspector"; ein Mitinspcctor oder „Pfleger" (Seel-sorger) ist an einigen Instituten des Inspektors nächster Gehülfe, ebenso in Mädchcn-instituten eine Directrice oder erste Lehrerin. Die Lehrer empfangen ihre Vorbildungtheils in dem Pädagogium und Seminarium der Brüderunität, theils werden auchNichtmitglicdcr der Brüdergemeine aus befreundeten Kreisen angcstellt. Außerdem sindaber auch noch Untcrlehrer oder Aufseher angestellt, welche meist aus den Brüdcr-hänsern der Gemeinen in diesen Dienst übergehen und hier für den Missionsberuf,besonders für die Leitung der Missionsschulen praktisch ausgebildet werden. In denMädcheninstituten unterrichten außer dem Inspektor und einzelnen verheirateten Leh-