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Herrnhutisches Erziehungswesen.
Lebens und corporativer Bildungen überhaupt. Er war sich indessen selbst dessen klarbewußt, daß die Kinderinstitute an sich etwas ungehöriges waren, und weder bleibenkonnten noch sollten, wie er in den Naturellen Reflexionen (1747) bezeugt. DerErfolg scheint dies nur zu sehr gerechtfertigt zu haben, indem ein Menschenalter späterviel Klage erhoben wurde über zahlreiche unbrauchbare Subjecte unter der jüngerenGeneration. Indes lag die Schuld ohne Zweifel auch daran, daß es theils an dengeeigneten Kräften vielfach fehlte, oder doch bei dem ziemlich zahlreichen Aufsichts-Personal auch viele Untaugliche mitgebraucht wurden, und andcrnthcils an dem Mangelrechten Ernstes und rechter Methode im Unterricht. Einer der einsichtsvollsten Mit-arbeiter an dem Werk urtheilte wenigstens von den in den vierziger Jahren in derWetterau, zu Marienborn und Herrnhaag, blühenden Anstalten, „daß nichts rechtesgelernt werde, sei ein Hauptmangel derselben." Die letztgenannten Anstalten erreichtenihr Ende mit der Auflösung der Gemeine in Herrnhaag (1750), und waren zumTheil schon vorher nach der Ober-Lausitz übergesiedelt.
Hier wurde für die nächste Zeit Hennersdorf bei Herrnhut der Hauptsitz derAnstalten, wo Paul Eugen Lcyritz (geb. 1707, ch 1788), der fromme und geübteJugenderzieher und Schulmann, weiland Rector zu Neustadt an der Aisch, später imWettcrauischen Anstaltenwesen mitthätig, nun der eigentliche Patriarch des Erziehungs-werkes der Brüdergemeine wurde. Er war einer jener alten frommen Lateiner, ord-nungsliebend, leutselig, verständig und fest. Es kam nun mehr Ordnung und Gründ-lichkeit in den Unterricht. Wie man die Herzen der Kinder in Christo zu erziehensuchte, davon können Zinzendorfs „Kinderreden" aus diesen Jahren einen Beweisgeben. Sie werden auf evangelische Weise in den kindlichen Glauben an ihren Hei-land eingeführt und nicht mehr durch den extravaganten Ton des vorigen Jahrzehndsverwirrt, aber theils muthet man der Jugend in Beziehung auf inneres Erfahrungs-leben noch manches zu, was in der Regel erst einem späteren Stadium des Glaubens-lebens angehört, und dann stand gar zu unvermittelt und fremdartig daneben einegesetzlich-strenge, oft peinliche und kleinliche Disciplin im Leben.
Diese Mängel blieben indes nicht unbemerkt, und fanden besonders von derSynode des Jahres 1769 an nach und nach ihre Heilung. Von entscheidender Be-deutung war die damals beschlossene Aufhebung des bisherigen Systems der Anstalts-Erziehung für die Gemeinjugend. Man gründete nun in allen Gemeinen regelmäßigeOrtsschulen für Knaben und Mädchen gesondert, unter unmittelbarer Aufsicht undLeitung des Predigers; hie und da, zur Unterstützung der Eltern, als Tagesschulen,d. h. so, daß die Kinder den ganzen Tag über unter Aufsicht der Lehrer bleiben und nurAbends zu den Eltern zurückkehren. Die Institute wurden infolge davon selbständigerund concentrirter. Zur Hebung der häuslichen Erziehung schrieb Leyritz ein kleinestreffliches Werk (Betrachtungen über eine verständige und christliche Erziehung derKinder. Barby 1776), welches die Entwicklung des Lebens bis zum 21. Jahre ineinfacher aber praktischer und lebendiger Weise umfaßt. Später schrieb Spangenbergeinen kleinen Tractat: „Etwas von der Pflege des Leibes, für Kinder," und hieltseine „Reden an die Kinder," welche, die Zinzendorf'schen an Einfalt, Naivetät undechter, gesunder Kindlichkeit unendlich Lbertreffend, für alle Zeit ein Muster in dieserBeziehung bleiben. Hier zeigt sich, wie in der That das innerste Wesen des Brüder-geistes zu einer Reform der Jugenderziehung trieb und einen selbständigen Ansatzdazu nahm, ehe noch fremde Einflüsse es näher berührten. Naive Herzlichkeit derReligiosität und verständige Einfalt im Blick auf das Leben charakterisiren dieseRichtung.
Nachdem von jeher mit dem Pädagogium der Gemeine ein Institut für jüngereKnaben von 8—14 Jahren, eine „Knabenanstalt", verbunden gewesen war, wurdemit dem Pädagogium für auswärtige Pensionärs zu Uhyst in der Lausitz, gegründet1784, auch insofern eine neue Bahn betreten, als von nun an durch ähnliche Institutefür Knaben und Mädchen in verschiedenen Brüdergemeinen die Erziehungsthätigkcit derBrüder einen immer weiter über ihren Kreis hinausgreifenden Einfluß bekam. Dasderartige Institut zu Neuwied, gegründet im I. 1756, war nur ein vereinzelter Vor-läufer in dieser Richtung gewesen.
Während die (außerhalb unserer Betrachtung fallenden) höheren Unitäts-Jnstitnte