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Herbart.
inan mit dem Worte Jmponiren zu bezeichnen pflegt. Beide Momente kommenvor, aber das eigentliche Wesen der Auctorität machen sie nicht aus, und ihre un-mittelbar gemüthbildende Macht können sie natürlich nicht begründen. — Auch Her-barts Auffassung der Liebe hat einen realistischen Charakter. Sie beruht nach ihm„auf dem Einklänge der Empfindungen und auf Gewöhnung." Darum sei es soschwer für eineu Fremden sie zu erwerben. Dieses könne geschehen, indem man ent-weder in die Empfindungen der Kinder eingehe, oder selbst auf gewiße Weise derMitempfindung des Zöglings erreichbar werde, was schwieriger, aber wirksamer sei.Aber die Liebe beruht nicht auf dem bloßen Einklänge der Empfindungen, nochweniger natürlich auf Gewöhnung. Sie wirkt vielmehr ihrerseits zur Ausgleichungder Empfindungsweise, und es pflegt ihr zu gelingen, wo sie gegenseitig ist; dochkann sie auch den Mangel des Einklanges schmerzlich empfinden und läßt doch vonder Treue nicht. Man wird erkannt haben, daß Herbart, indem er die Liebe alseine Kraft der Regierung hcrvorhebt, dieselbe wie die Auctorität ausschließlich vonder realistischen Seite faßt.
Es bleibt uns noch übrig, von dem Zweck und der Aufgabe, sowie von den Maß-regeln der Zucht zu berichten. Ihr Zweck, welchen sie mit dem Unterrichte theilt, istErzeugung des sittlichen Charakters. Wie stellt sich aber hierbei ihre Aufgabe? Wersich an den Satz erinnert, daß der Wille aus der Begierde durch die That entspringe,wird vermuthcn, daß die Aufgabe der Zucht vorzugsweise in der Hervorrufung undLeitung der That bestehen werde. Diese wird denn auch von ihr gefordert, dochweder als die einzige, noch als die wichtigste ihrer Aufgaben nach Herbarts Urtheile.Der Schwerpunct seines pädagogischen Systems fällt entschieden in den Unterricht;dieser ist nach seiner Ansicht von so überwiegender Wichtigkeit für die Bildung desCharakters, daß auch die Zucht ihre erste und wichtigste Aufgabe darin finden muß,ihm zu dienen. Als ihre zweite wird dann freilich auch die Pflege der That aner-kannt, aber die Bedenklichkeit, mit welcher selbst diese beschränkte Anerkennung aus-gesprochen wird, ist unverkennbar. Der Grund hiervon liegt in Herbarts Besorgnis,daß durch die willenerzeugende That zu einer Zeit, da das vielseitige Interesse nochnicht hinreichend gewonnen und belebt, das ästhetische Urtheil noch nicht hervorgcrufenund gesichert sei, ein unrichtiges oder unkräftiges Wollen erzeugt werden möchte;weshalb denn auch die der Zucht von ihm zugethciltc Pflege der That nicht nur inder Hervorrufung, sondern wesentlich auch in der Zurückhaltung derselben besteht(Sämmtl. W. B. X. S. 136). Zwei Anerkenntnisse fehlten ihm: einmal, daß derMensch im Spiel wollen und handeln lernt und dadurch sich für den Ernst vor-bereitet, zweitens, daß das Gehorchen ein sittliches Thun ist, das den Willenund den Charakter zu bilden vermag. Er forderte von der That, welche den Willenerzeugen dürfe, zwei Merkmale, die sich bei der Jugend, vollends in der Kindheit,selten vereinigt finden, erstens, daß sie einen Zweck habe von reeller Bedeutung, einenernsten Zweck, zweitens, daß sie aus dem eigensten Begehren hervorgehe. Er beklagtes, daß unsre Lebensweise vor dem Eintritt des Manncsalters so wenig Anlaß zueiner reellen und zugleich sclbstgewählten Beschäftigung biete, und räth, daß jederHausvater in seinem Kreise Gelegenheiten aufsuche, die Kinder bei häuslichen An-gelegenheiten zu betheiligen und zu beschäftigen (Sämmtl. W. B. X. S. 135). IhreAufgabe im Dienste des Unterrichts erfüllt nach Herbart die Zucht nicht etwa dadurch,daß sie auf äußere Ordnung hält, denn das ist die Sache der Regierung, sondernihre Sorge ist, in dem Schüler die richtige dem Unterricht förderlicheStimmung zu begründen und habituell zu machen. Sie strebt dahin, daßdie ganze Lebensart frei sei von störenden Einflüssen, daß nichts für den Augenblicküberwiegend intcressirendes das Gemüth erfülle. Die sucht das Gefühl, wie sehrdem Lehrer an der Aufmerksamkeit gelegen sei, so einzuprägen, daß der Knabe es sichnicht mehr verzeihe, anders als völlig gesammelt zum Unterrichte zu erscheinen; undwenn der Zögling schon so weit gekommen ist, daß er selbstthälig seinen rechten Wegverfolgt, so sorgt sie ihm für die erwünschte Ruhe, damit der innere Mensch bald insReine komme (Sämmtl. W. Bd. X. S. 154). — In ihrer unmittelbaren Einwirkungauf den Willen durch das Thun hat die Zucht zum eigentlichen Zielpuncte die Festig-keit des Charakters. Indem sie die Sorge für die Richtigkeit desselben dem