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Unterwerfung geschieht durch Gewalt." — Was ist nun Zucht nach Herbarth Siei"st nichts anderes, als die Erziehung selbst, insofern«: sie unmittelbar auf das Gemüthwirkt. Sie unterscheidet sich durch diesen Zug von dem Unterricht, der die objectiveMacht der Vorstellungen als ein Drittes zwischen Zögling und Erzieher eintretenläßt, und nähert sich durch ihn der Regierung. Aber während diese den Willen nurbiegt, so will sie ihn bilden, hierin dem Unterrichte verwandt und verbündet, mitwelchem sie das Ganze der Erziehung ausmacht.*) Ihre Mittel hat sie zwar zumTheil mit der Regierung gemein; aber sie wendet sie in anderer Weise an. Der Zweckder Regierung liegt in der Gegenwart, während die Zucht die künftigen Erwachsenenim Auge hat. Es kommt also bei der Negierung auf die momentane, bloß factische
Ordnung an, auf die That als solche, abgesehen von der Sinnesweise, aus welcher
sie hervorgehen mag. Die rechte Gesinnung soll erst durch Zucht und Unterricht er-j zeugt werden.
Die vorliegenden Angaben reichen hin, um einer Prüfung der fraglicken Unter-scheidung von Niegierung und Zucht zur Unterlage zu dienen. Es ist nicht zu be-
zweifeln, daß Kinder wie Erwachsene geleitet und bestimmt werden können durch8 Mittel, welche auf ihre Erziehung nicht berechnet sind und nicht zur Förderung der-I selben dienen. Wäre nun dieses alles nur indifferent für die Zwecke der Erziehung,
I würden diese durch Anwendung solcher Mittel zwar nicht gefördert, aber auch nicht
gehindert oder vereitelt, so wäre nichts dagegen einzuwenden. Aber jene Voraus-setzung muß geläugnet werden. Keine Einwirkung auf die Gemüther, am wenigstendie, welche den Willen bestimmt, kann gleichgültig sein für die Erziehung. Wie solltenicht Drohung und Aufsicht mit ihrer Furcht, Strafe mit ihrem Schmerz,wenn hier nichts weiter als eine rein persönliche Rücksicht ohne bas Hinzutreten einessittlichen Elements entscheidet, die Gemüther verderben und Motiven besserer Art denZugang schwer machen? Strafe, Drohung und Aufsicht wollen wir also vielmehr in derErziehung als außer derselben haben; wir glauben, nur dadurch werden diese Mittelanwendbar, unschädlich und wohlthätig, daß ein sittliches Verhältnis nicht bloß vomErzieher zum Zögling, sondern auch vom Zögling zum Erzieher besteht und daß siemit steter Berücksichtigung auch dieser Seite angewendet werden.
Aber läugnet denn Herbart ein sittliches Verhältnis des Zöglings in sich undzu dem Erzieher? Nein, aber er setzt es nicht voraus, auch im Keime nicht, sondernwill es ganz und gar erst durch Erziehung begründen, und eben dies ist es,wodurch uns seine Sonderung von Regierung und Erziehung erklärlich wird. Wieer überhaupt keine ursprüngliche Anlage anerkennt, so kennt er auch die sittliche An-lage nicht. Im frühen Knabenalter sieht er nichts als jenen blinden Ungestüm;ja er sieht in ihm nicht einmal „einen echten Willen, der sich zu entschließen fähigwäre." Ist nun kein Wille da, so ist auch keiner zu verderben; ist keine Ahnungdes Sittlichen vorhanden, so kann auch auf diese nichts gegründet werden. Ist aberjener Wille da mit seiner nahen Gefahr selbstsüchtiger Üeberlegung, ist andererseits» die sittliche Anlage vorauszusetzen, so fällt auch der Begriff einer erziehungslosen Re-»I gierung als eine unpraktische und gefährliche Abstraction hinweg.
8 Aber redet Herbart nicht auch von Auctorität und Liebe, nicht erst bei der8 Zucht, sondern schon bei der Regierung? Und Auctorität und Liebe setzen ja8 doch auf Seiten des Kindes eine moralische Grundlage voraus! Wohl, nur faßtö Herbart weder Auctorität noch Liebe in dieser Weise, und könnte es auch nicht. In8 der allgemeinen Pädagogik (W. W. X. S. 24) wird Auctorität ganz und gar aufI überwiegende Kraft, auf geistige Ueberlegenheit gegründet, und die strafe mit der-8 selben in unmittelbarste Verbindung gebracht. Es ist theils die Erfahrung der Ueber-8 macht und das Gefühl ihr nicht widerstehen zu können gemeint, theils jener dunkle,sür den Augenblick mächtige, gleichsam betäubende Eindruck ihrer Erscheinung, den
*) Daß Herbart aus diesem Ganzen den Theil durch einen besonderen Namen hervorhobmd dazu das altpädagogische, ursprünglich ganz edle Wort Zucht wählte, ist anerkennen?-Werth und würde ein Bedürfnis befriedigen, wenn zu hoffen wäre, daß die Vereinseitigungmd Entartung, die dieses Wort durch den neueren Sprachgebrauch erfahren, rückgängig wer-den könne.