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Herbart.
strebenden unmittelbaren. Dennoch aber sei auch sie nicht ganz zu entbehren, zumalda, wo Selbstbeherrschung erforderlich sei, wie beim Beobachten und beim Aus-wendiglernen. Dieses letztere dürfe in der Regel nicht den Anfang machen, zuvrrsei Klarheit des Einzelnen nnd Association desselben zu erstreben, durch Sprechendarüber und Beschäftigung damit mäße eine Geläufigkeit der Vorstellungen erreichtwerden; ferner sei nichts zu übereilen,, anfangs langsam zu gehen; eine körperlicheMitbethätigung, lautes Sprechen, selbst im Chor, Schreiben, Zeichnen, dürfe alsHülfsmittel nicht ausgeschlossen werden. Ncbrigens sei nicht alles Memorirte bestimmtimmer behalten zu werden. Wo dieses aber erfordert werde, da sei die stete Wieder-holung des Mcmorirens ein zweideutiges Nothmittel, das leicht Ncberdruß zur Folgehabe. Vorzuziehen: Ucbung durch beständige 'Anwendung, in Verbindung mit solchem,das wirklich interesfire.
Die unwillkürliche Aufmerksamkeit zerfällt nach Herbart in die primitive unddie appercipirende. In jener wirkt die Vorstellung für sich allein, durch ihreeigene Kraft, in dieser wird sie unterstützt durch ihren Zusammenhang mit anderenschon vorhandenen Vorstellungen. Für die primitive Aufmerksamkeit gelten vierRegeln. Erstens habe der sinnliche Eindruck die hinreichende Stärke, weshalb auchdie Anschauung der Sache und in Ermangelung derselben ein Bild der bloßen Be-schreibung vorzuziehen. Dabei werde jedoch zweitens das Uebermaß des sinnlichenEindrucks vermieden. Drittens vermeide es der Unterricht zu schnell eins auf dasandere zu häufen. Endlich viertens gebe der Lehrer gewählte Absätze und Ruhe-puncte, damit „die aufgeregten Vorstellungen ihr Gleichgewicht wieder Herstellen"können; weshalb es nicht rathsam ist, sich langer Perioden beim Jugendunterricht zubedienen. — Die appercipirende (aneignende) Aufmerksamkeit ist für den Unterrichtvon höchster Wichtigkeit. Jeder Unterricht in Worten nimmt sie in Anspruch, denn„die Vorstellungen zu den Worten, worauf der Sinn der Rede beruht, müßen ausdem Innern des Hörenden kommen." Ter Unterricht baut fort auf den Grundlagender Erfahrung und des Umganges, welche er zu ergänzen hat; ebenso der spätere ausdem, was der frühere gegeben. Eben dieses, daß das schon Besessene erweitert, ver-stärkt, geordnet werden soll, regt das Merken und das Erwarten an. Ist jenes nichtstark und lebendig genug mehr gegenwärtig, so kommt es darauf an, es zu reprodu-ciren. Ist dies geschehen und das appercipirende Merken im Gange, so ist ein stetigerund der jedesmaligen Erwartung entsprechender Gang nöthig. Unzeitigc Pausen undfremdartige Einmischungen sind zu vermeiden, das was im Schatten bleiben sollte,darf nicht ins Licht gestellt werden; insbesondere darf die Sprache nicht auf Kostender Sache hervorgehoben werden, was z. B. durch zu oft wiederholte Worte, durchangewöhnte Redensarten, durch unzeitig angebrachten rhetorischen Schmuck geschehenwürde.
Wenden wir uns nun zu der Thätigkeit des Geistes in Erfassung der Vorstel-lungen selbst und ihrer Mannigfaltigkeit, so begegnen wir den Begriffen der Ver-tiefung und der Besinnung. Vertiefung ist die Hingebung an einen bestimm-ten Gegenstand im Vorstellen, die Sorgfalt, welche man gerade für ihn verwendet,um ihn richtig und ganz zu fassen. Doch nicht eine Vertiefung nur wird dem Vor-stellenden zugemuthet; er soll vielseitig sein, soll jedes mit reinlicher Hand fassen, sichjedem ganz geben; „das Gemüth soll nach vielen Seiten hin deutlich auseinander-treten." Aber bei fortgesetzter Vertiefung würde die Persönlichkeit, welche auf derEinheit des Bewußtseins beruht, nicht bestehen, wenn nicht die Sammlung oder Be-sinnung hinzuträte und die mannigfaltigen Vertiefungen zusammcnfaßte. Dieses istmöglich, sofern in ihnen nichts widersprechendes liegt. Wo aber innerer Widerspruchdie Einigung hindert, da ist der Mensch entweder zerstreut, oder er ist in Zweifelund unmöglichen Wünschen befangen. Da nun diese beiden Zustände, Vertiefung undBesinnung sich einander ausschließen, so müßen sie wechselnd in einander übergehen.— Wenn wir hier durch eine kritische Bemerkung unterbrechen dürfen, so scheint unsder Begriff der Besinnung etwas schwankendes zu haben und mit dem feststehendenGebrauche des Wortes nicht rein übereinzustimmcn. Tenn Herbart fordert von derBesinnung eine objective Harmonie der Vorstellungen, und steht es so an, als ob dieUnmöglichkeit widerspruchsloser Verknüpfung zugleich die Besinnung unmöglich mache;