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Helfersystem.
Herbart.
die Pflege der Sittlichkeit in der Schule angewendet wissen. Seine Vorschläge sollenjedoch hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden; denn ohne Frage übertragen sie anUnmündige Rechte und Pflichten, deren sich die Mündigen, die Lehrer und Erzieher,nicht entänßern dürfen. Ein anderes isl es, das Princip der brüderlichen Liebe inder Schulgemcinschaft zu pflegen, welche ohne besondere Bestallung und Controle auspersönlichem Trieb und nach freier Wahl den Bruder hütet.
Nicht weniger, als die Schulzucht, ist es die Schulordnung, die eine Mit-hülfe der Schüler für den Lehrer wie für die Schulzweckc selbst wünschenswerthmacht. Auch in dieser Hinsicht läßt sich also ein Helferdienst organischen. Wir ver-weisen in dieser Beziehung ans den Art. Ordnung und beschränken uns hier aufwenige Bemerkungen. Einmal nämlich muß auch dieser Dienst unter den Schülernmöglichst wechseln. Ja, ein verständiger Lehrer wird hie und da gerade diejenigenSchüler zu Ordnungsgchülscn wählen, die eine Neigung zu Unordnung oder Gleich-gültigkeit gegen äußere Ordnung zeigen. Sodann aber ist auch hiebei nicht aus demAuge zu lassen, daß alles von den Gehüsten in fcstbestimmicr, jede Laune, Willkür,Parteilichkeit und Angeberei möglichst ausschließcndcr Form geschehe.
Herbart, Joh. Fricdr. (geb. 4. Mai 1776 zu Oldenburg, Sohn des fürst-lichen Kanzleiraths H., — ein scharfsinniger Denker von unermüdetcm Forschungs-geiste und großer Gewissenhaftigkeit, Schöpfer eines eigcnthümlichen und durch-gcbildeten Systems der Philosophie, wendete auch auf die wissenschaftliche Ausbildungder Pädagogik vom ethisch praktischen Gcsichtspuncte aus eine nicht bloß gelegentlicheoder nur durch die Conscqucnz des Systems hervorgcrufene Aufmerksamkeit und einenernsten und ausdauernden Fleiß. Ja wir werden kaum zu weit gehen, wenn wirannchmen, daß ihm die Pädagogik der AuSgangspunct und Hauptantrieb war fürdenjenigen Thcil seiner philosophischen Leistungen, der seinen Namen am meisten er-höht hat, für seine Psychologie. Wenigstens haben wir dafür sein eignes ausdrück-liches Zeugnis. 2 ) Es wird daher gerechtfertigt sein, H. und seiner Pädagogik hiereine eingehendere Besprechung zu widmen.
Der junge H. wurde von seinen Eltern mit großer Sorgfalt erzogen, wobei sichLiebe und Strenge auf eine glückliche Weise verbunden zu haben scheint; Verzärtelungblieb fern. Die Mutter hauptsächlich, Lucia Margarete, geb. Schütten, „eine seltneund merkwürdige Frau, welche lebhafte Phantasie mit schnellem Ueberblicke, raschemEntschlüsse, mannhafter Willensstärke und Ausdauer in der Consequenz des Gewolltenvereinigte," übte einen tiefgreifenden Einfluß auf Charakterbildung und Geistescntwick-lung des ihr geistesverwandten Sohnes, wie denn auch ein Verhältnis der Sympathieund deS innigen Verständnisses zwischen beiden gewaltet zu haben scheint. H- zeigt?früh bei einer sehr lebhaften Auffassung ein nachdenkliches Wesen und einen für seineJahre ungewöhnlichen Ernst. Acht Jahre alt war er über die gewöhnlichen Kinder-interesscn hinaus; wovon er selbst eine allgemeine Norm für ,^vohlangelcgie" Knabenhergenommen hat (Sämmtl. W. Bd. X. S. 15). Er zog den Umgang mit Er-wachsenen dem mit Kindern vor, liebte geographische und mathematische Spiele undversuchte fick früh in physikalischen Experimenten. Der Religionsunterricht, der inhohem Grade anregend für ihn war, führte ihn zuerst auf den Weg philosophischerForschung, indem der Lehrer in seinen sorgfältigen Vorträgen, die der Schüler mitFleiß ansarbeitete, die protestantische Orthodoxie mit philosophischen Betrachtungen imSinne leibnizisch-wolstscher Denkweise verknüpfte. 1790 wurde H. Schüler desGymnasiums zu Oldenburg, woselbst er schon die Bekanntschaft des Kantischen Sy-stems inachte. — Unter den Talenten Herbarts ist das musikalische besonders zunennen. Die Ucbung der Musik hat ihn durch sein ganzes Leben begleitet. —1794 begann Herbart seine akademischen Studien zu Jena, als eben Fichte daselbstsein Lehramt antrat. Der Geist des Mannes riß ihn hin und er wurde für einigeZeit sein Anhänger, entwickelte jedoch bald die Anfänge einer eignen Denkart. 1797finden wir ihn sodann als Hauslehrer in Bern, in der Familie des Herrn vonSteiger; und dieser sein erster pädagogischer Wirkungskreis darf als die Keimstätte
*) S. Herbarts sämmtl. Werke hcrausgeg. v. Hartenstein Bd. XI., S. 380 f.