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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Heimatsinn.

Helfersystcui.

da und dort am Heimatsinn zu versündigen scheinen, wenn sie in bester Absicht pro-vinzielle Besonderheiten zu unterdrücken unternehmen. In der Schule sorgen auchohnedies gewöhnlich die Mitschüler dafür, daß allerlei abgeschliffen wird, was in dieneue Umgebung nicht paßt. Wenn ein Kindergemüth in herzlose fremde Um-gebungen kommt, kann sogar eine krankhafte Sehnsucht nach der Heimat, ein Heim-weh entstehen, in welchem es auch körperlich dahin schmachtet. Es sind Fälle be-kannt, in weichen sich dieses Sehnen zu jenem Trübsinn steigerte, in dem einschleichendes Fieber den Kranken dein Grabe zuführt, wenn er nicht eine Heimat ge-winnen kann; und in geringerem Grade hat es schon oft zu Handlungen der Ver-zweiflung geführt.

Als ganz verkehrt ist ferner von unserem Gesichtspuncte aus das moderne Extremzu bezeichnen, nach welchem die Schule das Haus absorbiren und überflüßig machenwill. Als Basedow den durch Locke und Rousseau vorbereitete» Philanthropismusbegründete, welcher Hand in Hand geht mit dem Weltbürgcrthum, beziehungsweiseder Heimatlosigkeit, da trieb die Erziehung zunächst nicht bloß den Geist der häus-lichen Zucht, wie des echt häuslichen und heimischen Behagens aus der Schule,sondern sie suchte geradezu die Schule an die Stelle des HauseS zu setzen. Hierinarbeiteten diese Lehrer, ohne es zu wissen, dem bureaukratischeu Staat vortrefflich indie Hände, welcher ebenfalls alleS cigentbümliche sociale Leben verneinte und daherden Sieg der reinen Schulerziehung nach Kräften förderte. Es war eine Zeit, wodem Hause die Berechtigung eines selbständigen sittlichen Kreises im öffentlichen Lebengar nicht mehr zuerkannt werden wollte. Die Zucht- und Mcisterlosigkeit aber jenesGeschlechtes, welches Deutschlands tiefste Erniedrigung erlebt und zum Theil mit-verschuldet hat, bieng nicht wenig mit diesen Zuständen zusammen. Selbstsüchtige,genug- und herrschsüchkige Verstandesmenschen, mit lauter Phrasen vom öffentlichenWohl erfüllt, waren in Menge herangebildet worden, ohne allen historischen Sinn,ohne Pietät; auch der Heimatsinn war fast ganz überwunden, bei vielen Gebildetenwenigstens.

Wiederum sind wir hier auf die Aufgabe hingeführt, vom Heimatsinn aus dieLiebe zum Vaterlande zu pflegen und zu nähren: aber die Vaterlandsliebe hat eineneigenen Artikel, und wir haben hier nur darauf hinzuweisen. Wir sagen hier nurnoch Eines; wie der Schluß in der Haustafel lautet: Ein jeder lern sein Lection, sowird es wohl im Hause stöhn; so muß auch in dem großen, weiten, altenHause, in dem wir Deutsche unsere Wohnungen haben, vor allem ein jeder seinePflicht thun.

Heiterkeit, s. Frohsinn.

Hclfersystem. Hierunter begreifen wir die planmäßige Benützung der Schülerzur Förderung der Schulzwccke und zur Unterstützung des Lehrers in seinem Lehr-und Erziehuugsgeschäfte in und außer der schule.

Der Gedanke, sich der Schüler als Gehülfen zu bedienen, ist alt, und war wohlzuerst durch die Roth hervorgerufen, entspricht aber so sehr dem Wesen der Schule,daß er auch mit dem Verschwinden der Roth seine Berechtigung behält.

Die Schule ist eine organische Anstalt. Sie hat einen gemeinsamen Zweck, derohne Beeinträchtigung des besonderen Zweckes der Glieder durch die gemeinsameThätigkeit der Glieder unter der Leitung des Lehrers erreicht werden soll. AlleThätigkeit der Glieder (Schüler) hat also zugleich die Natur einer Mithülfe für dieSchulzwecke. Insofern könnte man die ganze Schule ein Helfersystem nennen.

Außer dieser gleichsam unwillkürlichen Hülfe kann man sich aber auch die Auf-gabe stellen, die Thätigkeit einzelner Schüler noch über das, was jeder zunächst fürsich selbst zu thun hat, in den Dienst des Ganzen zu stellen. Die durchgeführteReglung dieser schülerthätigkeit ist das Helfersystem. Leitender Grundsatz mußsein: der Helferdienst darf nicht bloß dem Lehrer eine Erleichterung gewähren, sondernmuß den Schulzwecken selbst von wesentlichem Nutzen sein, ohne doch die berechtigtenZwecke der Helfer selbst oder anderer zu beeinträchtigen. Er zerfällt naturgemäß indrei Zweige: Hülfe beim Unterricht, Hülfe bei der Schulzucht, Hülfe bei der Schul-ordnung.

Was die Hülfe beim Unterrichte betrifft, so ist sie theils durch die Ver-