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1 (1877) A - Liebe
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Hansgottesdienst.

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die natürliche Stellvertreterin; Kinder und Dienstboten bilden die Gemeinde. DieArt aber, in welcher die geistliche Gemeinschaft des Hauses dargestellt und gepflegtwird, kann eine mannigfaltige sein. Außer ihrer allgemeinsten Form, dem Morgen-nnd Abendgebete, das durch den natürlichen Gang des Lebens als den Haupt-bestandtheil des Hausgottesdienstcs sich zu erkennen gicbt, ist es das Tischgebet,das Gebet bei der Abendglocke (Türkcuglocke), weiter das Hersageu desKatechismus, endlich die sonntägliche gemeinsame Lesung einer Predigt oderdie Besprechung der kirchlichen Predigt, oder der gemeinsame Gesang von Chorälenund anderen geistlichen Liedern, endlich als Ergänzung des Äntheils an demgemeinsamen Gebete das Gebet der Mutter mit den unmündigeren Kindern beimSchlafengehen, was hicher gerechnet werden muß. Es sind mit anderen Worten, wiein der Kirche, theils Gesammt-, theils Einzeldarstellungen des Gottesdienstes. Dennzum eigentlichen vollständigen Hausgottesdicnst wird erfordert: 1) das Gebet,2) die Vorlesung des Wortes, 3) der Gesang. In dieser Form liegt zwarnicht seine Lebensbedingung, aber seine Vollendung innerhalb der christlich häuslichenSitte. Wie aber in seinen Mitteln, so muß auch iu Ansehung der theilnehmendenPersonen die Freiheit des Hauses gegenüber von der Kirche gewahrt werden, solange dort nicht entweder offenbare Jrrthümer gesät werden und zu sittlichen Ver-irrungen angeleitet oder die Befugnis zu Handlungen, welche wie die Sacraments-scier ihrer Natur nach die kirchliche Gemeinschaft als solche voransschcn, in Anspruchgenommen wird. Nächst dem häuslichen Morgen- und Abendgottesdienste ist dasTischgebet als die wichtigste Art des Hausgottesdienstes zu betrachten. Sein un-mittelbar jedem lebendig von Gott angeregten Gewissen sich aufdrängendes Bedürfnisund der äußerliche Halt, welchen das häusliche Gebet hier an der täglichen gemein-samen Mahlzeit findet, hat dem Tischgebet auch eine viel ausgebreitetere Geltungerhalten, als sie dem Morgen- und Abcndsegcn zu Theil wird. Der Mangel dieserAndacht kann daher als ein offenbarer Zerfall des Gotteslebens bezeichnet werden,während andererseits das lebendigere Christenthum hier wieder in der Entfaltungreicherer Formen schon in älterer Zeit sich ausgesprochen hat.

Betreffend das Verfahren, welches bei dem häuslichen Gottesdienste einzu-balten ist, so hat sich die Meinung neuerdings vielfache Geltung erworben, daß dasfreie Gebet im Grunde allein der Idee genüge. Man geht hiebei von der Voraus-setzung aus, daß auch das Einzelgebet im Kämmerlein seinem Wesen nach ein freiessei. Aber diese Voraussetzung stützt sich nur auf die jetzige Denkweise in solchenGebieten des geistlichen Lebens. Man ist in der Kirche nicht immer der Meinunggewesen, daß das jedesmal frei hervorgebrachte Gebet die unbedingt vollkommeneGcbctsform sei. Es scheint uns diese Meinung auch nicht begründet genug. Gebete,die an sich das Zeugnis einer möglichst großen inneren und äußeren Vollkommenheithaben, müßen ihren Werth für alle Zeiten und Umstände behalten. Sic sind ebenihrer hohen Objectivität wegen geeignet, der Ausdruck vieler subjektiven Gebetsgedankenzu sein. Oben an stehen in dieser Hinsicht das Vaterunser und die Psalmen. Aberauch die Gebete der erleuchteten Männer aus allen Zeiten der Kirche haben ebendies voraus vor dem jedesmaligen freien Gebete, daß sie zum Ausdruck der Gebets-gedanken aller Hausgenossen sich eher eignen, als die doch mitunter sehr subjektivgefärbten und nicht minder oft sehr einförmigen Gcbetsäußerungen des einzelnen Haus-vaters. Wir müßen daher den Gebrauch vorzüglicher Gebetbücher als etwasentschieden werthvolles und unter Umständen als das Bessere bezeichnen. Die richtigeMethode scheint uns eben nur in der richtigen Verbindung beider Weisen, sei esdurch Wechsel oder wie immer, zu liegen. "Wir würden daher noch einen Schrittweiter gehen und einen so regelmäßig wiederkehrenden Gebrauch derselbenvorzüglichen Gebete empfehlen, durch welchen die einzelnen Glieder des Hauses erstin die ihnen dargebotenen Gebetsgedanken sich einleben und mit dem Hausvater andenselben beten lernen. Ein ähnliches Verfahren mochte sich bei dem Gesang empfeh-len. Die Verkündigung des Wortes durch Vorlesen aus der Schrift wird nachder Reihe der Bücher unter angemessenem Wechsel zwischen Altem und Neuem Testa-ment oder nach systematischer Auswahl, jedenfalls mit Berücksichtigung besondererZeiten und Umstände und Hinweglassung dessen, was zum Vorlesen vor Kindern und