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Handarbeit.
Völkern. Ist damit auch immerhin ein Kampf mit der Concurrenz der Nachbarländereröffnet, so ist nicht zu fürchten, daß der deutsche Arbeiter unterliegen wird. DasSchreckbild der socialistischen Republik wird jedenfalls so lange von DeutschlandsGrenzen ferne bleiben, als man vor allem andern naturgemäße körperliche und geistigeAusbildung der Jugend sichert und sie nickt bloß mit dem Auge des Erwerbes be-trachtet oder als Stücke einer großen Maschine behandelt.
Es kann keine Frage sein, die Handarbeit, und zwar die naturgemäße, ist fürdie gesammte Jugend etwas nothwcndiges und darf von der Erziehung nicht un-beachtet gelassen werden. Es ist schon an sich nothwendig, daß die Hand durchUebung zur Entwicklung der außerordentlichen in sie gesetzten Kräfte gelange. Ebenso sehr aber auch, wenn man das Verhältnis der Hand einerseits zum menschlichenGeiste, andererseits zum praktischen Leben in Betracht zieht. „Nicht bloß Kenntnis,sondern Beherrschung der Natur gilt cs," sagt Baco. Die Handarbeit fördert wienichts anderes den praktischen Verstand. Es ist sonach eine Wechselwirkung zwischender Hand und dem Geiste. Wie der Geist durch seine Impulse der Hand zur Fertig-keit in den verschiedensten und feinsten Arbeiten bis zur vollendeten Kunst verhilft,so dient sie hinwiederum dem Geiste zur Stärkung und Schärfung der Sinne unddes Verstandes. Noch wichtiger aber ist die Handarbeit auf dem Gebiete des ma-teriellen Lebens, dem jeder Mensch angehört, er mag einen Beruf haben, welchen erwill, und auf dem jeder mit freiem Blick und einer gewißen Selbständigkeit sich solltebewegen können. Den Handarbeiten und Handgriffen, zu welchen das häusliche,gewerbliche und landwirthschastliche Leben führt, sollte kein Stand ganz fremd bleiben,auch die untersten und oberen nicht; und ist es nicht möglich in allen Zweigen dieserThätigkeiten, so sollte man doch in dem einen oder andern, wozu eben Neigung undGelegenheit sich zeigt, sich genauere Kenntnis und Handfertigkeit erwerben. Manweiß, daß der Apostel Paulus ein Teppichmacher blieb; daß viele gelehrte Leute,Staatsmänner, Geistliche diese oder jene Handarbeit sich zur Lieblingsbeschäftigungmachten; daß A. H. Francke seine Zöglinge im Drechseln und andern Arbeiten sichüben ließ. Durch die Philanthropen wurden solche Gedanken in noch weiterer Aus-dehnung Gemeingut der lesenden Stände; vgl. die Schriften von Campe. Von demMädchen muß verlangt werden, daß es in den einfacheren Bedürfnissen des Haus-wesens, namentlich für den Anzug, die Ausrüstung eines Zimmers, Tisch und Bettu. dgl. das Nöthige selbst zu leisten verstehe.
Man wird als Regel aufstellen können: Suche es dahin zu bringen, daß du sowenig als möglich von andern und von äußerlichen Umständen abhängig wirst, son-dern alles möglichst selber thust und dir überall selber hilfst. Ins Leben gerufen istdies, wenn auch nicht unter den Männern der wissenschaftlichen Laufbahn, doch vonden Armeirschullehrer-Bildungsanstalten in Beuggen und Lichtenstern — es dürftesich auf alle Volksschullehrer erstrecken — und von den Missionaren der Brüder-gemeinde.
Hat auch die förmliche Erlernung eines Handwerks unter unfern dcrmaligenVerhältnissen ihre Schwierigkeiten, so gewährt doch, wenn sich die Söhne der Ge-bildeten nur um einige Fertigkeiten dieser Art bemühen, das Zusammentreffen derverschiedenen Stände auf dem gemeinsamen Boden der Handarbeit den Vortheil, daßdie kastenmäßige Scheidung der Stände, die früher so engherzig fcstgehalten wurdeund durch Bctheiligung der Söhne aus den höheren Ständen an der Landwirthschaslund den Gewerben, seitdem ein rationeller Betrieb sie gehoben hat, noch lange nichtausgeglichen ist, aufgehoben wird.
Noch sei kurz berührt, was sehr nahe liegt: daß durch Beschäftigung mit Hand-arbeit das Kind am besten vor dem Müßiggang bewahrt, daß ihm eine heilsameAbwechslung gegenüber der Schularbeit oder schwerer Hausarbeit bereitet wird.Ferner daß der Mann, der Lehrer, der Hausvater eine erfrischende Erholung von an-strengenden Berussgeschäften und eine segensreiche Bewahrung vor der Unsitte, alleseine freie Zeit im Wirthshaus zuzubringen, findet, wenn er Freude daran hat, Hand-arbeit zu treiben.
Fragt man nun schließlich, wie eS anzugreifen sei, um der Handarbeit in derErziehung der Jugend das ihr gebührende Recht zu verschaffen, so könnte man zu-